Israel/OPT: Dr. Hussam Abu Safiya freilassen!
Dr. Hussam Abu Safiya ist Kinderarzt und Direktor des Krankenhauses Kamal Adwa im Norden von Gaza (Archivbild).
© privat
Am 16. Juni 2026 bestätigte der Oberste Gerichtshof Israels die jüngste Haftanordnung gegen Dr. Abu Safiya. Er muss bis mindestens Oktober in Haft bleiben. Seit dem 3. Juni befindet er sich in Einzelhaft und ihm wird weiterhin der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung verwehrt. Die israelischen Behörden müssen Dr. Hussam Abu Safiya unverzüglich freilassen. Bis zu seiner Freilassung müssen sie seinen Schutz vor Folter und anderen Misshandlungen gewährleisten und dafür sorgen, dass er angemessen medizinisch versorgt wird.
Setzt euch für Dr. Hussam ABu Safiya ein!
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Appell an
BOTSCHAFT DES STAATES ISRAEL
S.E. Herrn Ron Prosor
Auguste-Viktoria-Straße 74–76
14193 Berlin
Fax: 030- 5555 700
E-Mail: botschaft@israel.de
Amnesty fordert:
- Veranlassen Sie bitte umgehend die Freilassung von Dr. Hussam Abu Safiya und weiteren Beschäftigten im Gesundheitswesen sowie allen anderen Palästinenser*innen, die von den israelischen Behörden willkürlich inhaftiert wurden.
- Sorgen Sie bis zur Freilassung von Dr. Hussam Abu Safiya dafür, dass sein Aufenthaltsort bekannt gegeben wird und er keiner Form von Folter oder anderweitiger Misshandlung wie Nötigung ausgesetzt ist. Darüber hinaus muss Dr. Hussam Abu Safiya bis zu seiner Freilassung Zugang zu einem Rechtsbeistand sowie einer angemessenen medizinischen Versorgung in der Haft gewährt werden.
Sachlage
Am 27. Dezember 2024 führte das israelische Militär eine Razzia im Kamal-Adwan-Krankenhaus in Mashrou’ Beit Lahiya durch und nahm dessen Direktor, Dr. Hussam Abu Safiya, willkürlich fest. Seitdem wird er ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festgehalten, und zwar auf der Grundlage von Anordnungen, die unter Berufung auf das Gesetz über "ungesetzliche Kombattanten" immer wieder verlängert werden.
Dr. Hussam Abu Safiya befindet sich seit dem 3. Juni in Einzelhaft, was die nach den Nelson-Mandela-Regeln zulässige Dauer von 15 aufeinanderfolgenden Tagen überschreitet und somit gegen das Verbot von Folter und anderer Misshandlung verstößt. Außerdem verweigern ihm die Behörden eine angemessene medizinische Versorgung für seine gesundheitlichen Beschwerden. Vor seiner Inhaftierung war Dr. Hussam Abu Safiya eine der bekanntesten Stimmen des stark angeschlagenen Gesundheitssektors im Gazastreifen
Von Amnesty International und anderen Menschenrechtsgruppen gesammelte Zeugenaussagen offenbaren die schreckliche Realität in israelischen Gefängnissen und Haftanstalten, wo palästinensische Häftlinge, darunter auch medizinisches Personal, systematisch gefoltert und misshandelt werden und ihnen das Recht auf ein faires rechtsstaatliches Gerichtsverfahren sowie der Zugang zu angemessener Nahrung und medizinischer Versorgung verweigert wird.
Hintergrundinformation
Am 27. Dezember 2024 wurde Dr. Hussam Abu Safiya, ein Kinderarzt und Leiter des Kamal-Adwan-Krankenhauses in Mashrou' Bei Lahiya im Gouvernement Nordgaza, vom israelischen Militär zusammen mit weiterem Krankenhauspersonal und in Behandlung befindlichen Patient*innen willkürlich inhaftiert. Die Razzia, der jüngste in einer Reihe von Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen im nördlichen Gazastreifen, setzte Kamal Adwan, das letzte verbliebene größere Krankenhaus in der Region, außer Betrieb. Bereits im Oktober 2024 hatten israelischen Streitkräfte das Krankenhaus gestürmt und medizinisches Personal und Patient*innen inhaftiert. Am 12. Dezember 2024 wurde das Krankenhaus erneut von israelischen Streitkräften gestürmt, die ebenfalls Personal und Patient*innen festnahmen. Von Januar bis September 2024 nahm das Krankenhaus Verwundete aus dem gesamten Norden des Wadi Gaza, einschließlich Gaza-Stadt, auf. Sie konnten aufgrund der Errichtung des so genannten Netzarim-Korridors durch die israelische Armee, der den Gazastreifen in der Mitte teilt, nicht anderswo medizinisch versorgt werden. Das Personal des Krankenhauses behandelte die Verletzten der von den Palästinenser*innen als "Mehlmassaker" bezeichneten Angriffe auf hungernde Menschen, die für Mehl und Hilfsgüter angestanden hatten, sowie die Verletzten von anderen Angriffen und vom Granatenbeschuss. Das Krankenhaus nahm auch Kinder und Säuglinge, die unter schwerer Unterernährung und Dehydrierung litten, zur Behandlung auf. Während dieser Zeit versorgten Dr. Hussam Abu Safiya und seine Kolleg*innen Menschenrechts- und Hilfsorganisationen mit zuverlässigen Informationen über die Gesundheitslage.
Während der israelischen Militärkampagne und des anhaltenden Völkermords an den Palästinenser*innen im Gazastreifen hat Israel Hunderte von palästinensischen Beschäftigten im Gesundheitswesen aus dem Gazastreifen ohne Anklage oder Gerichtsverfahren willkürlich inhaftiert und verschwinden lassen. Sie wurden gefoltert und anderweitig misshandelt, in Haft ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten oder Bedingungen ausgesetzt, die dem Verschwindenlassen gleichkommen.
Dr. Hussam Abu Safiya wurde, wie so viele im Gesundheitswesen Beschäftigte vor ihm, bei der Versorgung seiner Patient*innen und der Ausübung seiner medizinischen Tätigkeit inhaftiert. Am 28. April 2026 genehmigte ein israelisches Bezirksgericht die Verlängerung der willkürlichen Inhaftierung von Abu Safiya nach dem Gesetz über "ungesetzliche Kombattanten", ohne Anklage gegen ihn zu erheben. Am 16. Juni 2026 wies der Oberste Gerichtshof Israels Dr. Abu Safiyas Antrag auf sofortige Freilassung ab und bestätigte damit seine weitere willkürliche Inhaftierung bis mindestens Oktober. Dr. Hussam Abu Safiya befindet sich seit dem 3. Juni in Einzelhaft, was die nach den Nelson-Mandela-Regeln zulässige Dauer von 15 aufeinanderfolgenden Tagen überschreitet und somit gegen das Verbot von Folter und anderer Misshandlung verstößt. Die israelische Strafvollzugsbehörde verweigert ihm die medizinische Versorgung für seine gesundheitlichen Beschwerden.
Die Angriffe der israelischen Streitkräfte haben Gesundheitspersonal und medizinische Einrichtungen schwer getroffen und das Gesundheitssystem im besetzten Gazastreifen lahmgelegt. Alle größeren Krankenhäuser im Gouvernement Nord-Gaza liegen innerhalb der sogenannten "gelben Linie", die derzeit vollständig unter der operativen Kontrolle der israelischen Streitkräfte und der von ihnen unterstützten lokalen bewaffneten Gruppen steht.