Covid-19 bedroht Indigene

Protestmarsch der Organisation "Coordinadora Nacional por la Defensa de la Vida y la Soberanía" in der Provinz Azuay

Protestmarsch der Organisation "Coordinadora Nacional por la Defensa de la Vida y la Soberanía" in der Provinz Azuay

Am 1. Juli berichtete die Konföderation der Indigenen Nationalitäten des Ecuadoranischen Amazonas (CONFENIAE) von 1.215 bestätigten (45% von 2.673 getesteten Personen) und 622 Verdachtsfälle von Covid-19 in den Indigenen Amazonasgemeinschaften. Sie sind in erhöhter Gefahr durch den Mangel an Trinkwasser, Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung, Gesundheitsleistungen und Covid-19-Tests. Eine Ölkatastrophe am 7. April und saisonale Überschwemmungen haben die Umwelt, die Nahrungsmittel und Wasserquellen vieler indigener Gemeinschaften verschmutzt und das Risiko einer Infektion erhöht.

Appell an

Präsident
Presidencia de la República del Ecuador
García Moreno N10-43 entre Chile y Espejo

170401, Quito
ECUADOR

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Ecuador
S.E. Herrn Manuel Antonio Mejia Dalmau
Joachimstaler Straße 12
10719 Berlin
Fax: 030 - 800 969 699
E-Mail: info@ecuadorembassy.de

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie höflich auf, umgehend einen Aktionsplan zu entwerfen und umzusetzen, um die indigenen Gemeinschaften im ecuadorianischen Amazonasgebiet vor der Covid-19-Pandemie zu schützen. Der Plan muss den Menschenrechtsstandards entsprechen und mit den Indigenenorganisationen und -Behörden konsultiert werden. Umfassen sollte der Plan: Aktionen, um die Verbreitung des Virus zu stoppen und gleichzeitig das Recht auf Leben, Gesundheit, Wasser, eine gesunde Umwelt und einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten.

Sachlage

Etwa 290.00 indigene Menschen, die zu zehn Nationen (Ethnien) gehören, leben im ecuadorianischen Amazonasgebiet. Menschen in freiwilliger Isolation oder mit kürzlichem Kontakt zu anderen Menschen könnten sogar von der Ausrottung bedroht sein, da ihre Population häufig sehr klein und ihr Immunsystem durch die geringe genetische Diversität schwächer ist.

Indigenenorganisationen prangern an, dass die Maßnahmen der Regierung gegen die Corona-Pandemie bislang unangemessen und ineffizient sind. Sie berichteten am 1. Juli von 1.215 bestätigten und 622 Covid-19-Verdachtsfällen unter den indigenen Personen im ecudaorianischen Amazonasgebiet.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Angaben der Regierung gab es am 2. Juli 2020 50.915 bestätigte Fälle (41% der 121.328 getesteten Menschen) und 4.246 Verstorbene in Ecuador, das eine Gesamtbevölkerung von 17 Millionen Menschen hat.

Die Konföderation der Indigenen Nationen des Ecuadorianischen Amazonasgebiets (CONFENIAE) gibt an, dass sich unter der indigenen Bevölkerung am 1. Juli 2020 insgesamt 116 erkrankte Personen von Covid-19 erholt hatten und 25 daran gestorben waren. Zusätzlich waren zwölf Personen der Gruppe der Verdachtsfälle gestorben.

Zur Pandemie kommt erschwerend hinzu, dass am 7. April ein Leck im Transecuadorianischen Pipelinesystem SOTE und der Rohölpipeline OCP die Flüsse Coca und Napo verseuchte. Dies verschmutzte die Umwelt, das Wasser, die Nahrungsmittel und Lebensgrundlage von fast 120.000 Menschen, von denen 27.000 Indigene, überwiegend Kichwa und Shuar, sind.

Am 29. April reichte eine Gruppe von Indigenen- und Menschenrechtsorganisationen einen Antrag auf ein Verfassungsschutzverfahren ein und forderte Schutzmaßnahmen im Namen von fast 120.000 von der Ölkatastrophe betroffenen Menschen. Die Petition gibt die Verantwortung dem Ministerium für Energie und natürliche und nicht nachwachsende Rohstoffe, dem Ministerium für Umweltschutz, dem Gesundheitsministerium, der staatlichen Ölgesellschaft Petroecuador und dem Privatunternehmen OCP. Die Petitionssteller_innen berichteten, dass das verantwortliche Gericht das rechtsstaatliche Verfahren durch Unregelmäßigkeiten gefährdete.

Am 22. Juni machten Indigenen- und Menschenrechtsorganisationen in Ecuador eine Eingabe beim UN-Sonderberichterstatter für die Rechte der indigenen Völker zur Gefährdungslage der indigenen Gemeinschaften in Ecuador in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie.