Drohende Hinrichtung am 11. Juli

Diese Urgent Action ist beendet.

Im US-Bundesstaat Nevada sollte am 11. Juli die erste Hinrichtung seit zwölf Jahren durchgeführt werden. Doch nur wenige Stunden vor dem Termin wurde sie durch eine Richterin gestoppt. In Reaktion auf einen Rechtsbehelf des Pharmaherstellers Alvogen ordnete diese die vorübergehende Aussetzung der Hinrichtung an. Das Unternehmen stellt eine der Substanzen her, die in der vorgesehenen Giftspritze verwendet werden sollten.

Zeichnung eines Strangs zum Erhängen

Der US-Bundesstaat Nevada plant die Durchführung der ersten Hinrichtung seit zwölf Jahren. Die Hinrichtung eines Häftlings, der keine weiteren Rechtsmittel einlegt, ist für den 11. Juli um 20.00 Uhr Ortszeit vorgesehen. Amnesty International appelliert an Nevada, die Hinrichtungen nicht wieder aufzunehmen.

Appell an:

Attorney General Adam Paul Laxalt

Office of the Attorney General

100 North Carson Street

Carson City, NV 89701, USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
S.E. Herrn Richard Allen Grenell
Clayallee 170
14195 Berlin
Fax: 030 830 510 50
E-Mail: feedback@usembassy.de

Amnesty fordert:

  • Ich wende mich in allen Fällen gegen die Todesstrafe und fordere Sie höflich auf, alle Hinrichtungen in Nevada auszusetzen.
  • Ich weise Sie darauf hin, dass seit der letzten Vollstreckung einer Hinrichtung in Nevada sechs US-Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft haben, andere haben ein Hinrichtungsmoratorium verabschiedet und weitere 22 Länder haben die Todesstrafe entweder gänzlich oder für gewöhnliche Verbrechen abgeschafft. 142 Länder haben die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.
  • Außerdem möchte ich Sie auf mehrere Resolutionen aufmerksam machen, die von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurden und die – in Erwartung der Abschaffung der Todesstrafe – ein Hinrichtungsmoratorium fordern.

Sachlage

Die letzte Hinrichtung in Nevada fand am 26. April 2006 statt. Die für den 11. Juli angesetzte Hinrichtung soll in der neuen Todeskammer des US-Gefängnisses Ely State Prison im Bundesstaat Nevada stattfinden. Es wäre die erste in den USA, bei der die von den Behörden Nevadas gewählte Kombination aus drei Medikamenten - Midazolam (ein Beruhigungsmittel), Fentanyl (ein Opioid) und Cisatracurium (ein Lähmungsmittel) - verwendet werden soll.

Nevada hat zwölf Todesurteile vollstreckt, seit der Oberste Gerichtshof der USA 1976 neue Gesetze zur Todesstrafe bestätigt hat und Nevada 1977 seine derzeitigen Gesetze zur Todesstrafe verabschiedete. In elf dieser zwölf Fälle wurden sogenannte „Freiwillige“ hingerichtet – Häftlinge, die auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichteten. Der Häftling, dessen Hinrichtung für den 11. Juli angesetzt ist, verzichtet ebenso darauf, weitere Rechtsmittel einzulegen. Er befindet sich  seit 2007 wegen eines im Jahr 2002 begangenen Mordes im Todestrakt. Im Jahr 2006 bat er darum, auf die Einlegung weiterer Rechtsmittel verzichten zu können. Die Richterin befand ihn im Juli 2017 für fähig, die Entscheidung zu treffen und ordnete im gleichen Monat die Vollstreckung des Todesurteils für den 14. November 2017 an. Sie setzte die Hinrichtung anschließend aufgrund von Diskussionen über das Verfahren bei der Verwendung der tödlichen Injektion aus. Der Oberste Gerichtshof des Bundestaates Nevada hob den Aufschub im Mai 2008 mit der Begründung auf, dass die Richterin ihren Ermessensspielraum bei der Überprüfung des Falls missbraucht habe, und die Hinrichtung wurde für den 11. Juli neu angesetzt. Ernsthafte Bedenken bestehen weiterhin aufgrund der nie zuvor verwendeten Medikamentenkombination.

Seit der letzten Vollstreckung eines Todesurteils in Nevada sind die Bedenken bezüglich der Kosten, Risiken, Unstimmigkeiten und Ungerechtigkeiten innerhalb des Justizsystems der USA gestiegen. Der damals ranghöchste Richter am Obersten Gerichtshof der USA sagte 2008, dass die Zeit „für einen sachlichen, unparteiischen Vergleich der enormen, gesamtgesellschaftlich zu tragenden Verfahrenskosten im Zusammenhang mit der Todesstrafe einerseits mit deren Nutzen andererseits“ gekommen sei. Er erklärte, dass er nach 30 Jahren am Gerichtshof zu dem Schluss gekommen sei, dass „die Verhängung der Todesstrafe eine sinnlose und unnötige Auslöschung des Lebens“ bedeute. Zwei weitere Richter am Gerichtshof stellten 2015 fest, dass es an der Zeit sei, die Verfassungsmäßigkeit der Todesstrafe zu überprüfen. Sie begründeten dies mit nachgewiesenen Fehlern, der willkürlichen Anwendung der Todesstrafe sowie den rückläufigen Zahlen von Hinrichtungen inner- und außerhalb der USA.

Seit der letzten Vollstreckung eines Todesurteils in Nevada haben 22 Länder die Todesstrafe entweder gänzlich oder für Nicht-Kapitalverbrechen abgeschafft. Bis heute haben mehr als 142 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Auch sechs US-Bundesstaaten haben die Todesstrafe seitdem abgeschafft (New Jersey, New Mexico, Illinois, Connecticut, Maryland und Delaware). Die Gouverneure der US-Bundesstaaten Oregon, Pennsylvania und Washington verabschiedeten Hinrichtungsmoratorien. Als ersten Schritt auf dem Weg zur gesetzlichen Abschaffung der Todesstrafe sollte auch Nevada umgehend alle Hinrichtungen aussetzen. Dies würde mit mehreren Resolutionen der UN-Generalversammlung im Einklang stehen, die – in Erwartung der Abschaffung der Todesstrafe – ein Hinrichtungsmoratorium fordern.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Twenty-two people were sentenced to death in Nevada between 2002 and 2016. From 1986 to 2000, there were exactly four times this many death sentences passed in Nevada – 88. This reflects a broader pattern of declining use of the death penalty in the USA in the past decade or so, a decline in use that all officials should seize upon to lead the USA away from this punishment altogether.

Almost three quarters of the 42 prisoners put to death in Nevada and 10 other US states since 1976 had given up their appeals – all seven in Connecticut, New Mexico, Oregon and Pennsylvania, and 24 of the 35 prisoners executed in Washington State, South Dakota, Utah, Montana, Idaho, Kentucky and Nevada. All in all, one in 10 of the prisoners put to death in the USA since 1976 had waived their appeals. Outside of eight of the main executing states – Texas, Virginia, Oklahoma, Florida, Missouri, Georgia, Alabama and Ohio (responsible for 78 per cent of the USA’s post-1976 executions) – the ratio rises to one in five for the remaining 27 jurisdictions that have executed since 1976.

Research into this phenomenon indicates that any number of factors or combination of them may contribute to a prisoner’s decision not to pursue appeals against his or her death sentence, including mental disorder, physical illness, remorse, bravado, religious belief, a quest for notoriety, the severity of conditions of confinement, including prolonged isolation and lack of physical contact visits, the bleak alternative of life imprisonment without the possibility of parole, pessimism about appeal prospects, or being worn down by the cycle of hope and despair that is an integral part of life on death row. In the case of the man now facing execution in Nevada on 11 July, a brief filed in the Nevada Supreme Court earlier this year by the Federal Public Defender Office in Las Vegas asserted that the judge who imposed the stay of execution in late 2017, and the Nevada Department of Corrections (NDOC), “recognize” that the prisoner “is suicidal”. He “has suffered from suicidal ideation for several years”, the brief continues, “has several family members who have committed suicide, and has previously attempted suicide in jail”, and “has expressed a death wish since the time of his conviction.”

Nevada and 14 other US states, and the federal government, resumed executions after 1976 with the execution of a prisoner who had waived his appeals. Two of the states that have executed only “volunteers” – Connecticut and New Mexico – have abolished the death penalty in the past decade. Oregon, Pennsylvania and Washington State – with nine executions between them, eight of which were of “volunteers” – currently have moratoriums on executions in place because of concerns about the capital justice system. For further background on Nevada’s death penalty and the phenomenon of “volunteers”, see USA: Intent to kill, intent to die, November 2017, at https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/7392/2017/en/

Nevada and other US states have had difficulties sourcing drugs for their lethal injection protocols. In September 2016, Nevada issued an “Invitation to Bid for Pharmaceutical Drugs Used for Lethal Injections” in an attempt to procure hydromorphone and midazolam for the state’s two-drug protocol. However, the state received no bids. On 17 August 2017, NDOC announced it would be using a combination of diazepam, fentanyl and cisatracurium for the execution that was then set for 14 November 2017.  On 3 July 2018, it released its most recent lethal injection protocol, in which it replaced diazepam with midazolam (apparently because its stock of diazepam had expired). Midazolam has been implicated in a number of “botched” executions in the USA (https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/042/2014/en/).

Amnesty International opposes the death penalty unconditionally, regardless of the crime or the method of execution chosen by the state. There have been 1,477 executions in the USA since the US Supreme Court upheld new capital statutes in 1976. There have been 12 executions in the USA this year.