UIGURE OHNE KONTAKT ZUR AUßENWELT

Qurban Mamut

Der pensionierte Chefredakteur Qurban Mamut ist seit November 2017 verschwunden. Seitdem hat er keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn gehabt. Qurban Mamut besuchte seinen Sohn im Februar 2017 in den USA. Sein Sohn glaubt, dass die Angehörigen im Ausland der Grund für die Inhaftierung seines Vaters sind. Im September 2018 erzählte jemand dem Sohn, dass Qurban Mamut in ein Umerziehungslager eingewiesen worden sei. Angesichts seines fortgeschrittenen Alters und dem Ausbleiben von Informationen über seinen Zustand besteht große Sorge um Qurban Mamut.

Appell an

Director Tao Hongjun
Urumqi Municipal Public Security Bureau
No. 30, Nanhudong Lu, Shuimogou Qu
Urumqi
830017 Xinjiang Uyghur Autonomous Region
VOLKSREPUBLIK CHINA

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S. E. Herrn Ken Wu
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030-27 58 82 21
E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com 

Amnesty fordert:

  • Bitte lassen Sie Qurban Mamut umgehend frei, es sei denn es liegen ausreichende, glaubhafte und zulässige Beweise dafür vor, dass er eine international als Straftat anerkannte Handlung begangen hat. In diesem Fall sollte er in einem fairen Prozess vor Gericht gestellt werden.
  • Stellen Sie bitte sicher, dass er bis zu seiner Freilassung regelmäßigen und uneingeschränkten Zugang zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand seiner Wahl erhält, und dass er nicht gefoltert oder anderweitig misshandelt wird.

Sachlage

Der in Urumqi lebende pensionierte Chefredakteur des uigurischsprachigen Magazins Xinjiang Civilization, Qurban Mamut, ist seit November 2017 verschwunden. 
Im September 2018 erzählte jemand dem Sohn, dass Qurban Mamut in ein Umerziehungslager eingewiesen worden sei. Es ist besorgniserregend, dass der Sohn von Qurban Mamut seit über zweieinhalb Jahren nichts von seinem Vater gehört hat und ihn nicht sehen darf. 
Qurban Mamut ist inzwischen 70 Jahre alt und Amnesty International ist angesichts der Situation in großer Sorge um ihn.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Qurban Mamut ist ein Autor, Journalist und ehemaliger Chefredakteur des Xinjiang Civilization, einem staatlich kontrollierten uigurischsprachigen Magazin zur Förderung der uigurischen Kultur und Geschichte. Er arbeitete für Xinjiang Civilization seit 1985, bis er 2011 als Chefredakteur in Rente ging.
Qurban Mamuts Sohn, Bahram Sintash, ist US-amerikanischer Staatsbürger. Er lebt mit seiner Frau und seinem Kind in den USA und arbeitet für Radio Free Asia. Im Februar 2017 besuchte Qurban Mamut seinen Sohn in den USA. Sein Sohn vermutet, dass dies der Anlass für seine Inhaftierung sein könnte. Amnesty International hat viele Fälle dokumentiert, in denen Menschen in Xinjiang in Umerziehungslager geschickt wurden, nachdem sie ins Ausland gereist waren oder dort gelebt hatten oder weil sie Angehörige im Ausland hatten.
Bahram Sintash ist Digital Content Producer bei Radio Free Asia (RFA). Der uigurischsprachige Teil des Senders ist eine der wenigen Medienanstalten, die unabhängige Nachrichten über die Situation in der Autonomen Uigurischen Region Xinjiang verbreiten. Amnesty International hat dokumentiert, dass Familienmitglieder von RFA-Journalist_innen von den chinesischen Behörden ins Visier genommen und in Umerziehungslager eingewiesen wurden. So wurden beispielsweise etwa 20 Angehörige von Gulchehra Hoja zur Zielscheibe der Behörden und aufgrund ihrer journalistischen Arbeit für den uigurischen Bereich von RFA inhaftiert. 
Xinjiang ist eine der ethnisch diversesten Gegenden Chinas. Mehr als die Hälfte der 22 Millionen starken Bevölkerung gehören zu überwiegend türkischen und meist muslimischen ethnischen Gruppierungen, darunter auch die Uigur_innen (etwa 11,3 Millionen), Kasach_innen (etwa 1,6 Millionen) und andere Bevölkerungsgruppen, deren Sprachen, Kultur und Lebensweise stark von der der Han-Chines_innen abweichen, die die Mehrheit in China bilden.
Im März 2017 erließ die Autonome Region Xinjiang eine Verordnung zur "Entradikalisierung", die ein breites Spektrum an Handlungen beschreibt und diese als "extremistisch" verbietet. Dazu zählen unter anderem "Verbreitung von extremistischem Gedankengut", die Verunglimpfung von staatlichen Radio- oder Fernsehsendern und die Verweigerung, diese zu konsumieren sowie das Tragen von Burkas oder "ungewöhnlichen" Bärten. Darüber hinaus zählen Widerstand gegen nationale Politik sowie das Publizieren, Herunterladen, Aufbewahren und Lesen von Artikeln oder Publikationen und audiovisuellen Beiträgen mit "extremistischem Inhalt" zur Liste dieser "extremistischen" Handlungen. Aufgrund der Verordnung wurde zudem ein "Zuständigkeitssystem" eingerichtet, mit dem die "Antiextremismus-Arbeit" der Regierung in verschiedene Bereiche eingeteilt und jährlich überprüft wird. 
Es werden schätzungsweise eine Million Uigur_innen, Kasach_innen und Angehörige anderer mehrheitlich muslimischer Bevölkerungsgruppen in sogenannten Einrichtungen für "Transformation durch Erziehung" festgehalten. Die chinesischen Behörden bestritten bis Oktober 2018 die Existenz dieser "Umerziehungseinrichtungen". Danach erklärten sie, die Menschen seien freiwillig in diesen Lagern und würden eine Berufsausbildung erhalten. Ziel dieser Einrichtungen sei es, den Menschen eine technische und berufliche Ausbildung zu bieten und ihnen zu ermöglichen, eine Arbeit zu finden und sich zu "nützlichen" Bürger_innen zu entwickeln. Im Widerspruch zu diesen Erläuterungen stehen allerdings die Berichte von ehemaligen Insass_innen dieser Lager, die Schläge, Nahrungsentzug und Isolationshaft beschreiben. 
China ist bisher den Aufforderungen der internationalen Gemeinschaft und auch Amnesty International nicht nachgekommen, unabhängige Expert_innen uneingeschränkt nach Xinjiang einreisen zu lassen. Stattdessen versucht die chinesische Regierung, kritische Stimmen zu unterdrücken, indem sie sorgfältig ausgewählte Delegationen aus verschiedenen Ländern zu streng durchgeplanten und überwachten Besuchen nach Xinjiang einlädt.