Folteropfer freigelassen
Wieder frei!
© Amnesty International
Murad Amriev war am 9. Juni um 3 Uhr den russischen Strafverfolgungsbehörden übergeben worden, nachdem er erfolglos versucht hatte, in Belarus einen Asylantrag zu stellen. Er ist nun gegen Kaution und unter der Bedingung, Tschetschenien nicht zu verlassen, freigelassen worden.
Folteropfer in Tschetschenien freigelassen
Sachlage
Am 9. Juni gab das tschetschenische Innenministerium bekannt, dass Murad Amriev um 3 Uhr an Angehörige des Ministeriums übergeben worden sei. Am 10. Juni wurde in den Medien berichtet, dass Murad Amriev gegen Kaution und unter der Bedingung, Tschetschenien nicht zu verlassen, freigelassen worden sei.
In einer Filmaufnahme ist zu sehen, wie Murad Amriev nach der Freilassung seine Eltern trifft. Journalist_innen der Nachrichten-Website Meduza sagte er: "Ich bin jetzt bei meiner Familie und es ist alles in Ordnung. Seit ich der [tschetschenischen] Polizei übergeben wurde, war niemand mir gegenüber gewalttätig und ich bin auch nicht beleidigt worden. Natürlich hat mich die Situation sehr angestrengt. Sie hat zwar meine derzeitigen persönlichen und beruflichen Pläne durchkreuzt, aber derzeit werden weder ich noch meine Familie bedroht. Ich sage das, weil es wahr ist und ohne dass Druck auf mich ausgeübt wird." Murad Amriev sagte, dass er jetzt nicht über die von ihm erhobenen Vorwürfe sprechen wolle, dass er 2013 in Tschetschenien gefoltert worden sei. Er wolle auch nicht über die Tatsache sprechen, dass er einen der Polizisten, die ihn von Brjansk im Westen Russlands nach Tschetschenien zurückbringen wollten, als einen der an seiner Folter beteiligten Polizisten erkannt hat. Er sagte, er werde später darüber sprechen.
Der Mixed-Martial-Arts-Champion Murad Amriev flüchtete 2013 aus Tschetschenien in die Ukraine, nachdem er dort mutmaßlich gefoltert worden war und legte mit Hilfe der russischen Menschenrechts-NGO Komitee zur Verhütung von Folter Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein. Am 4. Juni reiste er nach Russland, um ein Schengen-Visum zu beantragen, als er in der Gegend von Brjansk südwestlich von Moskau von der Polizei aus dem Zug geholt wurde. Er kam für 48 Tage in Haft und wurde am 6. Juni wieder freigelassen. Eine Gruppe tschetschenischer Polizist_innen war bereits dort eingetroffen, um ihn nach Tschetschenien zu bringen. Laut einem Rechtsbeistand des Komitees zur Verhütung von Folter wurde Murad Amriev ihnen jedoch nicht ausgehändigt, da Dokumente fehlten. Murad Amriev erzählte seinem Rechtsbeistand, dass er einen der aus Tschetschenien angereisten Polizeibeamt_innen als einen seiner Folterer wiedererkannt habe. Am 6. Juni begab sich Murad Amriev nach seiner Freilassung zur Staatsanwaltschaft von Brjansk, um einige Formalitäten zu erledigen. Die tschetschenischen Polizisten folgten ihm und warteten vor dem Gebäude, da sie darauf bestanden, ihn zu eskortieren. Dann kamen Freund_innen von Murad Amriev mit dem Auto nach Brjansk. Er konnte den tschetschenischen Polizisten entkommen, indem er mit seinen Freund_innen davonfuhr. Am 7. Juni wurde er festgenommen, als er die russisch-belarussische Grenze überquerte, und bis zum 9. Juni, als er russischen Strafverfolgungsbeamt_innen übergeben wurde, in Belarus in der Polizeiwache in Dobrush festgehalten. Amnesty International wird die Situation weiter beobachten und, falls nötig, erneut tätig werden.
Vielen Dank allen, die Appelle geschrieben haben. Weitere Aktionen des Eilaktionsnetzes sind zurzeit nicht erforderlich.