Deutschland: Abschiebungsstopp und humanitäre Visa für schutzsuchende Iraner*innen!

Das Bild zeigt mehrere Menschen bei einer Demonstration, man sieht das Schild "Solidarität mit den mutigen Menschen im Iran"

Demonstration am 16. September 2023 in Berlin

Willkürliche Festnahmen, Folter und Hinrichtungen: Die Menschen in Iran sind derzeit brutalster staatlicher Repression ausgesetzt. Gleichzeitig müssen sie trotz eines neuen Abkommens zwischen den USA und Iran weiterhin rechtswidrige Luftangriffe von den Angriffsparteien Israel und USA fürchten.

In Deutschland haben sich die Regierungsparteien SPD und CDU/CSU im Koalitionsvertrag gemeinsam dazu verpflichtet, iranische "Menschenrechtsverteidiger und vor allem Frauen" zu unterstützen.  

Doch statt in dieser Situation echte Solidarität mit den Menschen in Iran zu zeigen, gibt es von der Bundesregierung nur leere Worthülsen. 

In der Vergangenheit ging das auch anders: Im Zuge der "Frau, Leben, Freiheit"-Proteste 2022/2023 hat Deutschland zeitweise mehrere hundert humanitäre Visa an Iraner*innen vergeben. Auch einen bundesweiten Abschiebungsstopp hat die damalige Regierung erlassen und so zumindest vorübergehend für Rechtssicherheit gesorgt. So wurden Menschen zeitweise vor Abschiebung dorthin bewahrt, wo ihnen Folter, Verfolgung und Hinrichtung drohen.  

Die heute notwendige Solidarität und Unterstützung bleibt trotz Versprechen im Koalitionsvertrag aus. Das scheitert nicht an rechtlichen Hürden, sondern einzig am mangelnden politischen Willen der aktuellen Bundesregierung. Dabei haben sich die Gefahren für die iranische Zivilgesellschaft seit Anfang 2026 noch weiter zugespitzt.  

Beteilige dich jetzt an unserer Online-Aktion an Bundeskanzler Friedrich Merz! Fordere die Bundesregierung auf, 

  • endlich einen bundesweiten Abschiebungsstopp für Iran zu erlassen!  
  • dafür zu sorgen, dass schutzsuchende iranische Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen in Iran und den Nachbarstaaten sowie jene, die akut von Konflikt und staatlicher Repression bedroht sind, wieder umfassend humanitäre Visa für Deutschland erhalten!  
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Dein Appell

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,  

die Menschen in Iran sind einer beispiellosen Bedrohung ausgesetzt: Von oben, trotz des neuen Abkommens, durch die weiterhin drohenden Luftangriffe der USA und Israels, von innen durch die Kugeln der Behörden der Islamischen Republik.  

Seit dem Militärangriff der USA und Israels auf Iran Ende Februar 2026 nutzt die iranische Regierung die von ihr ausgerufenen "Kriegsbedingungen" als Vorwand, um eine immer brutalere Repression gegen die eigene Bevölkerung voranzutreiben. Die Folgen sind verheerend: Tausende Menschen wurden bereits willkürlich festgenommen. Dutzende Menschen sind seit Konfliktbeginn aus politischen Motiven hingerichtet worden, viele von ihnen kaum älter als 20 Jahre.  

Und schon vor Beginn des Konflikts war die Lage dramatisch: Allein am 8. und 9. Januar töteten Sicherheitskräfte Tausende Demonstrierende, die grundlegende politische Veränderung und die Achtung ihrer Menschenrechte forderten. Es war die blutigste Niederschlagung von Protest in Iran seit Jahrzehnten. 

Im Koalitionsvertrag verständigt sich die von Ihnen angeführte Regierung klar darauf, den Einsatz für Menschenrechte in Iran zur Priorität zu machen und "Menschenrechtsverteidiger und vor allem Frauen" gezielt zu unterstützen.  

Iranischen Menschenrechtsverteidiger*innen wurde zur Zeit der "Frau, Leben, Freiheit"-Bewegung noch hundertfach über humanitäre Visa die Einreise nach Deutschland ermöglicht. Gleichzeitig schiebt Deutschland trotz der desaströsen Menschenrechtslage völkerrechtswidrig nach Iran ab. Dort sind die Menschen der Gefahr von willkürlicher Inhaftierung, Verfolgung, Folter und Hinrichtung ausgesetzt. Dabei ist jede einzelne Abschiebung eine zu viel.  

Deutschland kann handeln. Ich bitte Sie daher eindringlich: Machen Sie die Menschen in Iran zur politischen Priorität und 

  • erlassen Sie umgehend einen umfassenden Abschiebungsstopp für Iran und stellen so Rechtssicherheit für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik sicher; 
  • sorgen Sie dafür, dass schutzsuchende Menschenrechtsverteidiger*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen aus Iran und den Nachbarstaaten über humanitäre Visa wieder umfassend Schutz in Deutschland erhalten können. 

Seit Aufsetzen des Koalitionsvertrages hat sich die Situation in Iran dramatisch verschlechtert. Zu handeln war nie dringender geboten als jetzt. Bitte nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr, zögern Sie nicht länger und setzen Sie den Koalitionsvertrag endlich in die Tat um. 

Mit freundlichen Grüßen

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Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit Beginn der Militärschläge der USA und Israels am 28. Februar 2026 gehen die iranischen Behörden immer brutaler gegen die eigene Bevölkerung vor. Sie nutzen die von ihnen ausgerufenen "Kriegsbedingungen" als Vorwand, um die Zivilbevölkerung massiv zu unterdrücken. Über 6000 willkürliche Festnahmen, Folter und mindestens 41 politisch motivierte Hinrichtungen sind die Folge. Trotz Abschluss des neuen Abkommens mit den USA ist zu befürchten, dass die Lage dramatisch bleibt. 

Die Todesstrafe wird von den Behörden zunehmend als politisches Instrument eingesetzt. Seit dem 28. Februar 2026 sind mindestens 41 Menschen nach grob unfairen Verfahren hingerichtet worden. Darunter 18 Demonstrierende, neun Dissident*innen und Personen, denen angebliche Spionage oder "bewaffnete Rebellion" vorgeworfen wurde.  

Bereits vor Beginn der militärischen Angriffe der USA und Israels war die Lage in Iran eskaliert: Allein am 8. und 9. Januar 2026 töteten Sicherheitskräfte Tausende Demonstrierende, die fundamentale politische Veränderung und die Einhaltung ihrer Menschenrechte forderten. Es war die blutigste Repression von Protest in Iran seit Jahrzehnten.  

Um ihre schweren Menschenrechtsverletzungen zu verschleiern, verhingen die Behörden der Islamischen Republik eine landesweite Internetblockade und schnitten so über 90 Millionen Menschen von der Außenwelt ab. Es war die längste Internetsperre, die je verzeichnet wurde. Erst nach 88 Tagen waren Internetzugänge wieder möglich, Einschränkungen - zum Beispiel beim Aufrufen bestimmter Webseiten - bleiben jedoch bestehen. 

Die Blockade zu umgehen konnte lebensgefährlich sein: Polizei und Geheimdienste drohten per SMS mit strafrechtlicher Verfolgung bei der Nutzung von VPNs oder Satelliteninternet, wobei sie auf "Spionage" und mögliche Todesstrafen verwiesen. Das Geheimdienstministerium gab sogar bekannt, dass "Hunderte" Starlink-Geräte beschlagnahmt wurden, und warnte, dass deren Erwerb oder Nutzung mit dem Tod geahndet würde. Die Nutzung von VPNs und Satelliteninternet ist in Iran weiterhin nicht legal.  

Trotz der verheerenden Menschenrechtslage schiebt Deutschland Menschen nach Iran ab – Dabei ist jede einzelne Abschiebung eine zu viel. Einige Bundesländer sind angesichts der sich verschlechternden Situation seit Anfang 2026 mit gutem Beispiel vorangegangen  – darunter Brandenburg, NRW, Schleswig-Holstein, Saarland, Rheinland-Pfalz – und haben zeitlich begrenzte Abschiebungsverbote erteilt bzw. verlängert. Rechtssicherheit für das gesamte Gebiet der Bundesrepublik gibt es jedoch nicht. 

In der Vergangenheit war das anders. Nach der "Frau, Leben, Freiheit"-Bewegung gab es bereits einen bundesweiten Abschiebungsstopp. Er galt bis Ende 2023 und gab Iraner*innen damit zumindest temporär Sicherheit. Gleichzeitig bekamen hunderte besonders gefährdete Iraner*innen unter der ehemaligen Regierung über humanitäre Visa die Möglichkeit, sicher nach Deutschland einzureisen. Die aktuelle Bundesregierung hat die Vergabe humanitärer Visa de facto bis auf sehr wenige Ausnahmen eingestellt – Obwohl sie sich im Koalitionsvertrag explizit zur Unterstützung iranischer Frauen und Menschenrechtsverteidiger bekennt. Die Erteilung humanitärer Visa ist einzig vom politischen Ermessen der Regierung abhängig, rechtliche Hürden gibt es keine. Deutschland könnte jetzt sofort mit der Erteilung humanitärer Visa für Iraner*innen beginnen, den Versprechen des Koalitionsvertrags nachkommen und die Unterstützung schutzsuchender Iraner*innen zur politischen Priorität machen.