Kolumbien: Drohungen gegen CREDHOS nachgehen!
Die Logos der kolumbianischen Organisationen CREDHOS und FEDEPESAN, die sich unter anderem für den Umweltschutz einsetzen.
© CREDHOS / FEDEPESAN
Am 1. Juni wurde in der Gemeinde Puerto Wilches in der Region Magdalena Medio ein Flugblatt verteilt, das angeblich von der bewaffneten Gruppe Autodefensas Conquistadoras de la Sierra Nevada (ACSN) stammte. Darin wurde mehreren Menschen in Puerto Wilches mit dem Tod gedroht. Zu den bedrohten Personen gehörten auch mehrere Mitglieder der Menschenrechtsorganisation CREDHOS.
Setzt euch für die Mitglieder von CREDHOS ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Attorney General
Luz Adriana Camargo
Attorney General’s Office
Avenida Calle 24 No. 52 – 01
Bogotá DC
KOLUMBIEN
Sende eine Kopie an
Bitte auch auf X an die Generalstaatsanwältin wenden: @FiscaliaCol
Botschaft deR Republik Kolumbien
I. E. Frau Yadir Salazar Mejia
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co
Amnesty fordert:
- Ich bitte Sie eindringlich, der Pflicht der Generalstaatsanwaltschaft mit größter Sorgfalt nachzukommen, die Drohungen und Angriffe gegen Mitglieder von CREDHOS zu untersuchen, um die Verantwortlichen für die Anordnung und Durchführung dieser Angriffe zu ermitteln und sie in fairen Verfahren vor Gericht zu stellen. Nur durch zielführende Untersuchungen können weitere Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger*innen in der Region Magdalena Medio verhindert werden.
Sachlage
Die Bedrohung des Lebens und der Sicherheit von Menschenrechtsverteidiger*innen, insbesondere von Mitgliedern der zivilgesellschaftlichen Organisation Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos (CREDHOS) in der Gemeinde Puerto Wilches im Departamento Santander in der Region Magdalena Medio, gibt großen Anlass zur Sorge.
Am 1. Juni wurde ein Flugblatt verteilt, das angeblich von der bewaffneten Gruppe Autodefensas Conquistadoras de la Sierra Nevada (ACSN) stammte. Darin wurden mehrere Personen in Puerto Wilches zu "militärischen Zielen" der Gruppe erklärt und aufgefordert, die Gemeinde innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Zu den Bedrohten gehörten auch Mitglieder des örtlichen Menschenrechtsgremiums von CREDHOS.
Das Flugblatt ist Teil einer ganzen Reihe von Drohungen und Angriffen, die in den letzten Monaten von bewaffneten Gruppen in der Region Magdalena Medio verübt wurden, darunter auch von der paramilitärischen Gruppe Ejército Gaitanista de Colombia (EGC). Die Angriffe richteten sich gegen Mitglieder von CREDHOS und wirkten sich unmittelbar auf ihre Arbeit zum Schutz der Menschenrechte in den Gemeinden der Departamentos Santander, Bolívar und Antioquia aus, die zur Region Magdalena Medio gehören.
Seit Jahren dokumentiert Amnesty International sowohl die Menschenrechtsarbeit von CREDHOS als auch die Risiken, denen die Mitglieder der Organisation ausgesetzt sind. Sie werden immer wieder angegriffen, weil sie sich für die Menschenrechte der Gemeinden in Magdalena Medio einsetzen. Die kolumbianischen Behörden gehen auch weiterhin nur unzureichend dagegen vor.
Hintergrundinformation
Die Region Magdalena Medio umfasst ein ausgedehntes Tal in den kolumbianischen Bergen, das vom größten Fluss Kolumbiens, dem Río Magdalena, durchzogen ist. Erdöl ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen in der Region. Die Stadt Barrancabermeja liegt im Herzen von Magdalena Medio in der Provinz Santander. Dort wird die größte Raffinerie des Landes betrieben. In dem Gebiet gibt es außerdem Agrarindustrie, Bergbau und Viehzucht sowie weitere Wirtschaftszweige. Aufgrund der fruchtbaren Böden und des Reichtums an wertvollen Ressourcen wie Öl und Wasser gilt die Region Magdalena Medio im Norden Kolumbiens als strategisch wichtig, und es kommt dort immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Stellen und bewaffneten Gruppen. In der Region Magdalena Medio haben eine basisdemokratische Organisierung und der Einsatz für die Menschenrechte seit Jahrzehnten Tradition. Die Kombination aus gewerkschaftlicher Organisation, feministischen und zivilgesellschaftlichen Bewegungen sowie der Verteidigung der Menschenrechte hat zu besonders starken Strukturen der Selbstbehauptung und des Widerstands geführt. Dieser Einsatz gegen verschiedene Formen von Ungerechtigkeit einerseits sowie der Streit um die territoriale, politische und wirtschaftliche Kontrolle in der Region zwischen verschiedenen – auch bewaffneten – Interessengruppen andererseits haben einen Nährboden für Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger*innen geschaffen, die seit den 1980er-Jahren, wenn nicht schon länger, anhält. In den letzten Jahren wurden in Magdalena Medio alarmierend hohe Zahlen an Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung, insbesondere von Tötungsdelikten, verzeichnet.
All dies spielt sich vor dem Hintergrund eines Konflikts zwischen mehreren bewaffneten Gruppen ab, die in der Region aktiv sind. Diese reichen von der Nationalen Befreiungsarmee (Ejército De Liberación Nacional, ELN) und Gruppen, die nach der Demobilisierung der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia – Ejército del Pueblo [FARC-EP], heute als FARC-Dissident*innen bekannt) im Jahr 2016 entstanden sind, bis zu bewaffneten Gruppen, die sich nach der Demobilisierung der ehemaligen paramilitärischen Gruppen Mitte der 2000er-Jahre gebildet haben, darunter die Gruppe Ejército Gaitanista de Colombia (EGC), auch bekannt als AGC oder Clan del Golfo. Neu hinzugekommen ist die Gruppe Autodefensas Conquistadoras de la Sierra Nevada (ACSN), die eigentlich im Norden Kolumbiens aktiv ist, jüngsten Berichten zufolge jedoch in Richtung Süden in die Region Magdalena Medio vorrückt.
Die unabhängige Menschenrechtsorganisation CREDHOS (Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos), mit Sitz in Barrancabermeja, wurde 1987 gegründet. Amnesty International beobachtet ihre Lage schon seit mehreren Jahren. Im Jahr 2000 ordnete die Interamerikanische Menschenrechtskommission (IACHR) aufgrund von Bedrohungen durch paramilitärische Gruppen Schutzmaßnahmen für CREDHOS an. Im Jahr 2016 erkannte die Opferabteilung der kolumbianischen Regierung CREDHOS als Organisation an, der kollektive Wiedergutmachung zusteht, da ihre Mitglieder schwere Menschenrechtsverletzungen erlitten haben. Im englischsprachigen Bericht Hope at Risk von 2023 hat Amnesty International die Menschenrechtsarbeit von CREDHOS sowie die Risiken und Gefahren, der die Organisation wegen dieser Arbeit ausgesetzt ist, dokumentiert.
Amnesty International bestätigt, dass Mitglieder von CREDHOS weiterhin bedroht und angegriffen werden, insbesondere im Zusammenhang mit der Präsenz bewaffneter Gruppen in ihrem Einsatzgebiet. Die Organisation warnt bereits seit mindestens 2015 vor dieser Situation und dokumentiert fortlaufend entsprechende Vorfälle, unter anderem in den Jahren 2021, 2023, 2024 und 2025.