Aktuell 13. November 2021

COP26: Klimakonferenz lässt gesamte Menschheit im Stich

Das Bild zeigt eine Demonstration mit vielen jungen Menschen und Schildern mit der Aufschrift "Keep 1.5 C alive"

Protest für mehr Klimaschutz am Rande der Klimakonferenz im schottischen Glasgow am 6. November 2021

Die führenden Politiker_innen haben die Menschheit in katastrophaler Weise verraten, so äußerte sich Amnesty International zum Abschluss der diesjährigen Klimakonferenz COP26 in Glasgow. Regierungen haben es versäumt, die von der Klimakrise am stärksten betroffenen Menschen zu schützen, und stattdessen den Interessen der fossilen Industrie und anderer mächtiger Konzerne nachgegeben. Nach zweiwöchigen Verhandlungen der Staats- und Regierungschef_innen in Glasgow sagte die internationale Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard:

"Die UN-Klimakonferenz hat es nicht geschafft, ein Ergebnis zu erzielen, das den Planeten oder die Menschen schützt. Stattdessen verletzte sie einen der maßgeblichen Grundsätze, auf denen die UN ursprünglich aufgebaut wurde: dass die Staatengemeinschaft weder Ländern noch Staaten gegenüber verpflichtet ist, sondern den Menschen. Bei den Verhandlungen haben die Entscheidungsträger_innen unsere Rechte, die wir als Menschen haben, ignoriert, beschnitten und wegdiskutiert, wobei sie die Rechte der am stärksten marginalisierten Gemeinschaften auf der ganzen Welt oft als entbehrlichen Kollateralschaden abtaten.

Das 1,5-Grad-Ziel wurde aufgegeben, wodurch mehr als eine halbe Milliarde Menschen, vor allem im globalen Süden, zu Wasserknappheit verurteilt werden und Hunderte Millionen Menschen zu extremen Hitzewellen. Trotz dieses katastrophalen Szenarios sind die wohlhabenden Länder nicht dazu bereit, Gelder für die Entschädigung von Gemeinschaften bereitzustellen, die durch den Klimawandel Verluste und Schäden erleiden. Auch die Klimafinanzierung für Entwicklungsländer soll nicht in erster Linie in Form von Zuschüssen gewährt werden, wodurch ärmeren Ländern – die am wenigsten in der Lage sind, die Klimakrise zu bewältigen – eine massive Verschuldung droht.
 

Proträtbild einer Frau mit blonden Haaren und blauer Brille, sie verschränkt die Arme und schaut in die Kamera

Die Französin Dr. Agnès Callamard ist die internationale Generalsekretärin von Amnesty International.

Es ist bitter enttäuschend, die vielen Schlupflöcher in der COP26-Vereinbarung zu sehen, welche die Interessen der Rohstoffkonzerne höher gewichtet als unsere Rechte. Die Vereinbarung fordert weder den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen noch die Beendigung aller Subventionen für diese. Damit wird deutlich, dass es an Mut zu entschlossenem Handeln fehlt – was zu diesem kritischen Zeitpunkt eigentlich überfällig ist. Darüber hinaus lag der Fokus auf der Klimakompensation reicher Länder, anstatt auf direkten Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und der Menschenrechte. Die Gefahren der Klimakompensation für die indigenen Gemeinschaften wurden dabei ignoriert. Denn deren Lebensraum wird oft für solche Kompensationsprojekte genutzt, wodurch sie von ihrem Land vertrieben werden. Es ist ein hohler und inakzeptabler Ersatz für echte Null-Emissionsziele.

Die Entscheidungen unserer Politiker_innen in Glasgow haben schwerwiegende Folgen für die gesamte Menschheit. Da sie die Menschen, denen sie dienen sollten, offensichtlich vergaßen, müssen diese Menschen zusammenkommen, um ihnen zu zeigen, was erreicht werden kann. In den nächsten zwölf Monaten müssen wir gemeinsam unsere Regierungen dazu auffordern, ehrgeizige Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen, welche die Menschen und die Menschenrechte in den Mittelpunkt stellen. Wenn wir uns nicht mit Herz und Verstand für die Lösung dieser existenziellen Bedrohung der Menschheit einsetzen, verlieren wir alles."

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