Aktuell Botsuana 24. September 2013

Kenia: Al-Shabaab-Anschlag ist ein verabscheuenswürdiger Angriff auf die Menschenrechte

Kenianische Soldaten beziehen nach dem Angriff somalischer Islamisten Stellung im Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi

Kenianische Soldaten beziehen nach dem Angriff somalischer Islamisten Stellung im Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi

23. September 2013 - Der seit Samstag andauernde Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Nairobi durch die somalische islamistische Gruppierung Al-Shabaab ist eine eklatante Missachtung menschlichen Lebens und ein Angriff auf grundlegende Menschenrechte, sagte Amnesty International.

„Amnesty International bekundet in Anbetracht dieser furchtbaren Angriffe ihre Solidarität mit den Menschen in Kenia“, sagte Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International.

„Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gehen an alle, die von der Gewalt betroffen sind. Wir begrüßen die Zusage von Präsident Uhuru Kenyatta, die Attacken zu untersuchen und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.“

„Wir fordern die kenianischen Behörden auf, die Ermittlungen umgehend, umfassend, unabhängig und unparteiisch durchzuführen. Alle Verdächtigen, die verhaftet werden, sollten im Einklang mit internationalen Richtlinien vor Gericht gestellt werden.“

Nach offiziellen Angaben vom Montag sind bei dem Angriff mindestens 68 Menschen getötet und mindestens weitere 175 verletzt worden, nachdem eine Gruppe von zehn oder mehr bewaffneten Terroristen das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi gestürmt hatte.

Die islamistische Gruppe Al-Shabaab aus Somalia hat sich zu dem Angriff bekannt. Als Grund gab sie die militärische Intervention kenianischer Truppen in Somalia an.

Bei dem Angriff kamen auch viele ausländische Staatsangehörige ums Leben – das Westgate-Einkaufszentrum wird vor allem von bessergestellten Kenianern und Ausländern, die sich im Land aufhalten, besucht.

Unter den Ermordeten befindet sich Berichten zufolge auch der ghanaische Dichter und ehemalige Diplomat Dr. Kofi Awoonor. Amnesty International hatte sich Mitte der 1970er Jahre für ihn eingesetzt, als er in Ghana aus politischen Motiven vor Gericht gestellt worden war.

Am Montagmorgen hatte das kenianische Militär eine groß angelegte Operation fortgesetzt, um einige der Geiseln zu befreien, die sich noch immer in dem Einkaufszentrum aufhalten sollen. Bei einer Pressekonferenz am Nachmittag sagte der Innenminister, das Militär habe nun die Kontrolle über alle Stockwerke erlangt und die meisten Geiseln seien befreit worden.

„Diese abscheuliche Tragödie hat nicht nur die Menschen in Kenia, sondern Menschen in aller Welt berührt – und die internationale Gemeinschaft bekundet ihre Solidarität infolge dieses Angriffs“, sagte Shetty.

Seit dem Sturz des Diktators Siad Barre im Jahr 1991 ist Somalia ein zerfallener Staat, in dem ein blutiger Kampf um seine Kontrolle tobt. Seit 2004 gibt es eine in Kenia gebildete Übergangsregierung (Transitional Federal Government, TFG), die noch immer schwach ist. Mehrere bewaffnete Gruppen, darunter die Al-Shabab-Miliz, schlossen sich im Kampf gegen die TFG und die äthiopische Armee zusammen. 2007 beschloss der Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union die Entsendung von Truppen für die African Union Mission in Somalia (AMISOM), deren Aufgabe der Schutz der Übergangsregierung und ihrer Institutionen ist. Die Entsendung von AMISOM war durch die Resolution 1725 des UN-Sicherheitsrats im Dezember 2006 autorisiert worden.

Das kenianische Militär hatte erstmals im Jahr 2011 Truppen nach Somalia geschickt, infolge einer Reihe von Angriffen auf Kenia sowie der Entführung zweier spanischer Entwicklungshelfer von „Médecins Sans Frontière“ aus dem Flüchtlingslager in Dadaab. Zurzeit befinden sich 4000 kenianische Soldaten, die mittlerweile in die AMISOM-Mission eingegliedert wurden, in Somalia.

Al-Shabaab hatte in der Vergangenheit angekündigt, Vergeltungsschläge in Kenia ausüben zu wollen. Zwar gab es Angriffe mit Handgranaten und anderen Sprengstoffen, die der Al-Shabaab zugeschrieben wurden, in den vergangenen Jahren gab es jedoch keine Attacke von dem Ausmaß des Angriffs vom Samstag.

Kenia ist die größte ostafrikanische Wirtschaftsmacht und hängt in entscheidendem Maße vom Tourismus ab.

Amnesty International arbeitet seit mehr als vier Jahrzehnten zu Kenia und hat ein nationales Büro vor Ort. Die Organisation wird außerdem in den nächsten Monaten ein Regionalbüro in Nairobi eröffnen.

Lesen Sie den aktuellen englischsprachigen Amnesty-Bericht "Somalia: No place for the displaced" über Menschenrechtsverletzungen und die Sicherheitslage in Somalia - hier klicken.

Mehr dazu