Aktuell 20. August 2012

S.O.S. Europa: Flüchtlingsrechte in Seenot

Thema des Monats
Aktion am Strand von Lampedusa am 21. Juli 2012

Aktion am Strand von Lampedusa am 21. Juli 2012

Tausende Menschen aus Afrika fliehen jährlich über das Mittelmeer nach Europa aus Angst vor Haft, Misshandlung und Folter, oder weil ihnen in ihrer Heimat kein Leben in Würde möglich ist. 2011 starben dabei mehr als 1.500 Flüchtlinge, darunter auch Kinder und eine schwangere Frau. Sie ertranken, verdursteten oder verhungerten auf hoher See.

Ein Grund für die hohe Opferzahlen ist das Verhalten einiger EU-Mitgliedsstaaten und ihrer zuständigen Behörden. Um die Flüchtlinge nicht bei sich aufnehmen zu müssen, schieben sie sich gegenseitig die Verantwortung für die Seenotrettung zu und verzögern sie zum Teil so lange, bis es zu spät ist. In mehreren Fällen berichteten Überlebende von Bootskatastrophen, dass ihre Hilferufe von vorbeifahrenden Schiffen ignoriert wurden.

"Auf unserem Boot waren 18 Menschen, darunter ein Kind und zwei Frauen – eine davon schwanger", berichtet ein Mann aus Nigeria gegenüber einer Ermittlerin von Amnesty auf der italienischen Insel Lampedusa. "Plötzlich kam eine große Welle und wir kenterten, bevor wir die Fischerboote erreichen konnten. Alle fielen ins Wasser – sieben Menschen starben. Darunter auch ein Kind und die schwangere Frau."

Wer nicht Schiffbruch erleidet, läuft Gefahr, auf hoher See abgefangen und zurückgebracht zu werden. Zu diesem Zweck schloss Italien bereits mit dem Gaddafi-Regime in Libyen ein Geheimabkommen und erneuerte dies im April 2012 mit der neuen libyschen Regierung. Es räumt Italien das Recht ein, Flüchtlinge abzufangen und nach Libyen zurückzuschicken, bevor sie überhaupt italienischen Boden betreten und einen Asylantrag stellen können.

Dieses Vorgehen verstößt gegen die Menschenrechte, denn in Libyen drohen Flüchtlingen willkürliche Verhaftungen, Folter und die Abschiebung in ihre Heimatländer.

Amnesty fordert Italien daher dazu auf, das Abkommen zur Einwanderungskontrolle mit der neuen libyschen Regierung auszusetzen.

In einer europaweiten Kampagne setzt sich Amnesty für einen stärkeren Schutz von Flüchtlingen an den Außengrenzen der Europäischen Union ein. Helfen Sie mit Ihrer Spende!

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