Mann verschleppt
Der 21-jährige Georgi Nakani aus Neitrino, einer Ortschaft in der nordkaukasischen Republik Kabardino-Balkarien, wurde am 15. Dezember gegen Mitternacht von unbekannten Männern verschleppt. Die Männer feuerten Schüsse auf ihn ab, stießen ihn in ein Fahrzeug und fuhren mit ihm fort. Seitdem fehlt von Georgi Nakani jede Spur. Amnesty befürchtet, dass er dem "Verschwindenlassen" zum Opfer gefallen sein könnte.
Appell an
GENERALSTAATSANWALT
Prosecutor General of the Russian Federation
Yurii Ya. Chaika
Ul. Bolshaia Dmitrovka, 15a
Moscow GSP-3
125993 RUSSLAND
(korrekte Anrede: Dear Prosecutor General)
Fax: (007) 495 692 17 25
VORSITZENDER DES UNTERSUCHUNGSAUSSCHUSSES DES BÜROS DES STAATSANWALTS DER RUSSISCHEN FÖDERATION
Deputy Prosecutor General
Alexandr Ivanovich Bastrykin
Prosecutor General's office
Ul. B. Dimitrovka, d.15a, 125993 Moscow GSP- 3
RUSSISCHE FÖDERATION
(korrekte Anrede: Dear Deputy Prosecutor)
Fax: (00 7) 495 692 17 25
STAATSANWALT DER REPUBLIK KABARDINO-BALKARIA
Oleg O. Zharikov
Pr. Kulieva, 16
Nalchik, Kabardino-Balkaria
360030 RUSSISCHE FÖDERATION
Fax: (007) 8662 40 45 51
E-Mail: info@prokuror-kbr.ru
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S.E. Herrn Vladimir Kotenev
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@Russische-Botschaft.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. Februar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Weisen Sie darauf hin, dass die russischen Behörden eine Untersuchung der Entführung von Georgi Nakani eingeleitet haben.
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Fordern Sie, dass die Ermittlungen umfassend, unparteiisch, unabhängig und ergebnisorientiert geführt werden.
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Ersuchen Sie die russischen Behörden, die Familie von Georgi Nakani über seinen Verblieb zu unterrichten.
- Rufen Sie die Behörden auf, Georgi Nakani im Falle seiner Inhaftierung entweder unverzüglich über die gegen ihn vorliegenden Anklagen in Kenntnis zu setzen oder aber ihn umgehend freizulassen.
Sachlage
Eine Verwandte von Georgi Nakani gab an, der 21-Jährige habe ihre Wohnung in Neitrino am 15. Dezember gegen 23.30 Uhr verlassen. Wenig später beobachteten Zeugen, wie Schüsse auf den jungen Mann abgefeuert wurden, unter denen er offenbar Verletzungen davontrug. Anschließend wurde Georgi Nakani in ein Fahrzeug ohne Nummernschild gezerrt und abtransportiert. Ein zweites Auto folgte dem Fahrzeug.
Die Zeugen notierten sich den Fahrzeugtyp und unterrichteten die Familie von Georgi Nakani über das Geschehen. Einige der Zeugen nahmen zusammen mit einem Angehörigen des jungen Mannes die Verfolgung des Fahrzeugs auf. Zudem schalteten sie die Verkehrspolizei ein, die Anweisung erteilte, die beiden Autos an einer Straßensperre anzuhalten.
Als der Wagen, in dem Georgi Nakani anscheinend saß, dem Befehl anzuhalten folgte, beobachtete die Verwandte des jungen Mannes nach eigenen Angaben, wie einer der Insassen den Polizeibeamten offenbar Ausweispapiere vorzeigte, woraufhin die zwei Autos durchgewunken wurden. Die Zeugen konnten den beiden Fahrzeugen anschließend nicht mehr folgen. Von beteiligten Polizisten erfuhren sie später, die Männer in den beiden Wagen hätten Papiere vorgezeigt, die üblicherweise Angehörige der Geheimdienste mit sich tragen würden. Das Fahrzeug mit Georgi Nakani fuhr weiter in Richtung Naltschik (Nalchik), der Hauptstadt der Republik Kabardino-Balkarien.
Über den anschließenden Verbleib von Georgi Nakani herrscht Ungewissheit. Die Polizei von Naltschik leitete strafrechtliche Ermittlungen ein und reagierte damit auf eine Anzeige der Familie des jungen Mannes.
Hintergrundinformation
Bereits früher im Jahr war nach vorliegenden Meldungen der ältere Bruder von Georgi Nakani zwei Mal festgenommen und ins Dezernat für Terrorismusbekämpfung – bekannt auch als Zentrum E – nach Naltschik gebracht worden. Seine Familie gab an, er sei beide Male wieder freigelassen worden, nachdem die Angehörigen vor dem Polizeigebäude Proteste organisiert hatten. Sowohl Georgi Nakani als auch sein Bruder sind gläubige Muslime. Die Festnahme des Bruders scheint unter dem Verdacht der Unterstützung des Terrorismus erfolgt zu sein.