Drohende Hinrichtungen
Aktion zum Tag gegen die Todesstrafe am 10.10.2012
© Amnesty International
Nachdem in Indien kürzlich zwei geheime Hinrichtungen stattgefunden haben, wird befürchtet, dass die indischen Behörden neun weitere Gefangene hinrichten könnten, über deren Gnadengesuche noch nicht entschieden wurde.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
President Pranab Mukherjee
Rashtrapati Bhavan
New Delhi 110 004, INDIEN
(Anrede: Dear President Mukherjee / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 91) 11 230 172 90 oder (00 91) 11 230 178 24
E-Mail: (über Formular) http://helpline.rb.nic.in/
PREMIERMINISTER
Dr. Manmohan Singh
South Block, Raisina Hill
New Delhi 110 001, INDIEN
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Premierminister)
E-Mail: (über Formular) http://pmindia.gov.in/feedback.php
INNENMINISTER
Sushilkumar Shinde
104, North Block
Central Secretariat
New Delhi 110001, INDIEN
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 91) 11 230 942 21
E-Mail: hm@nic.in
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER REPUBLIK INDIEN
I. E. Frau Sujatha Singh
Tiergartenstr. 17
10785 Berlin
Fax: 030-2579 5102
E-Mail: dcm@indianembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hindi, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. April 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich fordere Sie auf, Gurmeet Singh, Dharampal, Suresh, Ramji, Praveen Kumar, Jafar Ali, Sonia, Sanjeev und Sundar Singh nicht hinzurichten und alle weiteren geplanten Hinrichtungen zu verhindern.
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Bitte wandeln Sie alle bereits verhängten Todesurteile in Haftstrafen um.
- Ich möchte Sie daran erinnern, dass die UN-Generalversammlung bereits mehrfach dazu aufgerufen hat, ein Hinrichtungsmoratorium zu erlassen, mit dem Ziel, die Todesstrafe ganz abzuschaffen. Die Wiederaufnahme von Hinrichtungen in Indien läuft globalen Entwicklungen zur Abschaffung der Todesstrafe zuwider.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging Indian authorities to stop plans to execute Gurmeet Singh, Dharampal, Suresh, Ramji, Praveen Kumar, Jafar Ali, Sonia, Sanjeev, and Sundar Singh, and all other executions.
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Urging Indian authorities to commute all death sentences to terms of imprisonment.
- Reminding Indian Authorities that the UN General Assembly has called repeatedly for a moratorium on executions, with a view to abolishing the death penalty, and pointing out that India's decision to resume executions has set it against the global trend towards abolition.
Sachlage
Die Gnadengesuche von Gurmeet Singh, Dharampal, Suresh, Ramji, Praveen Kumar, Jafar Ali, Sonia, Sanjeev und Sundar Singh sind zum Teil beim Ministerium für Innere Angelegenheiten und zum Teil beim Präsidenten anhängig. Einige MinisterInnen haben bekanntgegeben, dass über manche dieser Gesuche schon bald entschieden werden soll. Die neun Inhaftierten befinden sich somit in Gefahr, bald hingerichtet zu werden.
Die Vorgehensweise der indischen Behörden bei Exekutionen gibt seit Kurzem Anlass zu großer Besorgnis und steigert die Gefahr von Hinrichtungen. Grundsätzlich werden Gnadengesuche in der Reihenfolge geprüft, in der sie eingereicht werden. Die Behörden haben jedoch begonnen, Fälle außer der Reihe zu bearbeiten, sodass es schwierig ist, einzuschätzen, welcher Fall zu welcher Zeit behandelt wird. Die beiden vergangenen Hinrichtungen wurden erst nach ihrem Vollzug bekanntgegeben. Dies verstößt gegen internationale Standards zur Anwendung der Todesstrafe. Zudem wird es unmöglich, rechtzeitig vor der Hinrichtung einzugreifen. Dies bedeutet, dass in Zukunft nicht mehr erkennbar ist, welche Gnadengesuche zurzeit bearbeitet werden, wann die Entscheidungen darüber fallen und ob diese Entscheidungen öffentlich bekanntgemacht werden.
Am 21. November 2012 richtete die indische Regierung den Pakistaner Ajmal Kasab wegen seiner Beteiligung an den Attentaten von 2008 in Mumbai hin. Dies war die erste Hinrichtung in Indien seit acht Jahren. Am 9. Februar 2013 wurde Afzal Guru hingerichtet. Man hatte ihn wegen des Attentats auf das indische Parlament im Dezember 2001 verurteilt. Diese beiden Hinrichtungen sollen außerplanmäßig stattgefunden haben. Die Öffentlichkeit wurde erst nach ihrer Durchführung davon in Kenntnis gesetzt. Der zuständige Regierungsminister erklärte öffentlich, dass im Fall von Ajmal Kasab keine vorhergehende Ankündigung erfolgt sei, um ein Eingreifen von MenschenrechtsaktivistInnen zu verhindern. Die Familie von Afzal Guru wurde erst einen Tag nach der Hinrichtung über diese informiert. Der Leichnam des Mannes wurde der Familie nicht zur Bestattung überstellt.
Hintergrundinformation
Seit seinem Amtsantritt im Juli 2012 hat Präsident Pranab Mukherjee die Gnadengesuche von sieben TodeskandidatInnen abgelehnt und die Todesstrafe eines Häftlings umgewandelt. Dies geschah noch vor der Durchführung der beiden geheimen Hinrichtungen. Es befinden sich noch fünf weitere Gefangene im Todestrakt, deren Gnadengesuche nun abgelehnt wurden, nämlich Saibanna Ningappa Natikar, Gnanprakasham, Simon, Meesekar Madaiah und Bilavendran.
Die letzte Hinrichtung, die vor den beiden geheimen Hinrichtungen im Jahr 2012 stattgefunden hatte, war die von Dhananjoy Chatterjee im August 2004. Diese Wiederaufnahme von Hinrichtungen läuft regionalen und globalen Entwicklungen zur Abschaffung der Todesstrafe zuwider. In der Vergangenheit haben die indischen Behörden die Öffentlichkeit stets über das Ablehnen von Gnadengesuchen und geplante Hinrichtungstermine in Kenntnis gesetzt. In der vom UN-Menschenrechtsausschuss verabschiedeten Resolution 2005/59 werden Staaten, die noch die Todesstrafe verhängen, aufgefordert, "die Öffentlichkeit über die Verhängung der Todesstrafe und alle festgelegten Hinrichtungstermine zu informieren".
Insgesamt haben sich 140 Staaten in Gesetz oder Praxis gegen die Todesstrafe entschieden. Im Jahr 2011 wurden in nur 21 Staaten Hinrichtungen vollzogen, d. h. in 90 Prozent der Welt fanden keine Hinrichtungen statt. Von 41 Staaten im asiatisch-pazifischen Raum haben 17 die Todesstrafe vollständig abgeschafft, weitere zehn führen sie in der Praxis nicht mehr durch und Fidschi wendet sie nur noch bei außerordentlichen militärischen Verbrechen an. In den letzten zehn Jahren haben vier asiatisch-pazifische Staaten die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft: Bhutan und Samoa im Jahr 2004, die Philippinen 2006 und die Cook Inseln 2007. 2012 wurde die Mongolei Vertragsstaat des zweiten Fakultativprotokolls zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte mit dem Ziel, die Todesstrafe abzuschaffen.
UN-Institutionen und -Mechanismen haben Mitgliedstaaten wiederholt dazu aufgerufen, ein Hinrichtungsmoratorium zu verhängen mit dem Ziel, die Todesstrafe ganz abzuschaffen. Dies wurde unter anderem in der Verabschiedung von vier Resolutionen der UN-Generalversammlung zur Todesstrafe im Dezember 2007, 2008, 2010 und 2012 deutlich. Indien hat gegen alle vier Resolutionen gestimmt. In einer allgemeinen Bemerkung des UN-Menschenrechtsausschusses zu Artikel 6 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR), dessen Vertragsstaat Indien ist, heißt es, dass Artikel 6 sich "allgemein auf die Abschaffung [der Todesstrafe] in einer Weise bezieht, die sehr nahe legt, dass die Abschaffung wünschenswert ist" und dass "alle Maßnahmen zur Abschaffung der Todesstrafe als Fortschritt im Hinblick auf die Wahrung des Rechts auf Leben betrachtet werden sollten".
Amnesty International wendet sich in allen Fällen und ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderer Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode, da sie die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt und das Recht auf Leben verletzt.