Familie in Gefahr

Das Leben der Familie von Oscar Barrios ist in akuter Gefahr. Seine Familie und er waren seit 2003 einer Einschüchterungskampagne ausgesetzt, die von Polizeikräften im Norden von Venezuela ausging. Oscar Barrios wurde am 28. Oktober 2009 getötet. Bereits zuvor waren drei weitere männliche Familienmitglieder ermordet worden.

Appell an

JUSTIZ- UND INNENMINISTER
Ministro de Interior y Justicia
Tareck El Aissami
Ministerio del Interior y Justicia
Avenida Urdaneta Esquina de Platanal
Edificio Interior y Justicia Despacho del Ministro, Piso 3
Caracas
VENEZUELA
Fax: (00 58) 212 506 1685
(korrekte Anrede: Dear Minister/ Señor Ministro)

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATS ARAGUA
Sr. Gobernador del Estado de Aragua
Sr. Rafael Isea
Palacio de Gobierno
Avenida de Miranda
Maracay
Estado de Aragua
VENEZUELA
Fax: (00 58) 243 237 8843
(korrekte Anrede: Dear Governor/ Señor Gobernador)

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSKOMMISSION DES BUNDESSTAATES ARAGUA
Comisión de Derechos Humanos de Justicia y Paz del Estado Aragua
Calle Negro Primero, Oeste
N 98, frente al Liceo 'Valentin Espinal’,
Cruce con Av. Ayacucho
Maracay
Estado Aragua,
VENEZUELA
Fax: (00 58) 243 233 6363 (wenn jemand abhebt, sagen Sie bitte: "tono de fax, por favor")

BOTSCHAFT DER BOLIVARISCHEN REPUBLIK VENEZUELA
I.E. Frau Blancanieve Portocarrero
Schillstraße 10,
10785 Berlin
Fax: 030-8322 4020
E-Mail: embavenez.berlin@botschaft-venezuela.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Januar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Appellieren Sie an die Behörden, die Sicherheit der Familie Barrios zu gewährleisten und Schutzmaßnahmen zu ergreifen, die die Betroffenen für angemessen halten.

  • Drängen Sie bei den Behörden darauf, umgehend eine vollständige und unparteiische Untersuchung der Tötung von Oscar Barrios in die Wege zu leiten.

  • Fordern Sie die Behörden auf, über den Stand der Ermittlungen in den Tötungsfällen Narciso, Luis und Rigoberto Barrios Angaben zu machen sowie über den Fortgang der Untersuchungen aller von der Familie erhobenen Vorwürfen über Einschüchterungen und Drohungen zu informieren.

Sachlage

Zwei bewaffnete Männer, die ähnlich gekleidet waren wie Polizeibeamte der Stadt Guanayén, erschossen Oscar Barrios am 28. Oktober im Bundesstaat Aragua im Norden Venezuelas. Bislang sind keine Ermittlungen eingeleitet worden, um die Tötung aufzuklären.

Die Familie wird seit nunmehr sechs Jahren eingeschüchtert und drangsaliert. Die Einschüchterungen begannen, nachdem die Familie am 30. November 2003 die Tötung von Narciso Barrios durch Polizisten gemeldet hatte. Auf Antrag des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte gewährt die venezolanische Regierung der Familie Barrios seit Juni 2004 Polizeischutz. Zeitweise wurde die Familie unregelmäßig und nicht ausreichend beschützt, denn zwei Familienmitglieder sind in diesem Zeitraum getötet worden. Im Vorfeld des Mordes an Oscar Barrios wurden im September 2004 sein Onkel Luis Barrios und im Januar 2005 Rigoberto Barrios getötet.

Am 4. Dezember 2009 wies der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte die venezolanischen Behörden an, die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Familie zu ergreifen. Die Regierung müsse das Recht auf Leben und Sicherheit der Familie gewährleisten, die Vorfälle aufklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit dem 12. Dezember 2003 wird gegen Familie Barrios eine Einschüchterungskampagne geführt. Die Einschüchterungen begannen, nachdem die Familie den Verdacht geäußert hatte, dass Polizeibeamte Narciso Barrios getötet haben – wenige Tage nach einer Auseinandersetzung zwischen ihm und Polizeibeamten von Aragua. Seitdem sind Mitglieder der Familie Barrios willkürlich festgenommen, bedroht, drangsaliert, gefoltert und misshandelt worden.

Luis Barrios und der 15-jährige Rigoberto Barrios, zwei weitere Familienmitglieder, wurden ebenfalls mutmaßlich von Angehörigen der Polizei getötet. Am 20. September 2004 erschossen zwei vermummte Männer Luis Barrios, den Bruder von Narciso Barrios, in seinem Haus. Zwei Tage zuvor hatte die Polizei der Familie mitgeteilt, dass sie sich nicht wundern sollte, wenn Vermummte ihr einen Besuch abstatteten.

Am 9. Januar 2005 schossen Männer acht mal auf Rigoberto Barrios. Die Schützen sollen wie Angehörige der Polizei von Aragua gekleidet gewesen sein; sie trugen die zu der Polizeiuniform passenden Mützen und Hosen. Rigoberto Barrios erlag zehn Tage später seinen schweren Verletzungen.

Auf Oscar Barrios war bereits am 18. Juni 2005 ein Mordversuch verübt worden. Fünf unbekannte, bewaffnete Männer in Zivilkleidung hatten ihn nach einem Besuch bei der Witwe seines Onkels Luis Barrios verfolgt und wollten auf ihn schießen. Es gelang Oscar Barrios jedoch zu entkommen und sich hinter Gestrüpp zu verstecken, bis die Angreifer mit einem Auto davonfuhren. Seine Mutter meldete die Tat der für den Schutz der Familie zuständigen Polizeibehörde. Daraufhin wurde jedoch niemand geschickt, um ihre Aussagen aufzunehmen. Der Mordversuch ereignete sich wenige Tage vor einer geplanten Anhörung von Repräsentanten des venezolanischen Staates sowie Sprechern der Familie Barrios vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte. Bei der Anhörung am 29. Juni 2005 forderte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte die venezolanische Regierung auf, der Familie angemessenen und wirkungsvollen Schutz zu gewähren und alle Vorwürfe der Familie gründlich zu untersuchen.

Im Zeitraum zwischen März und September 2005 waren Mitglieder der Familie Barrios, darunter Rigoberto Barrios und Oscar Barrios, inhaftiert und von Polizeibeamten misshandelten worden, bis man sie schließlich ohne Anklage wieder freiließ.

Amnesty International liegen weder Informationen über Fortschritte bei den Ermittlungen zu den Tötungen von Narciso Barrios, Luis Barrios und Rigoberto Barrios vor, noch zu Untersuchungen der Klagen der Familie bezüglich Morddrohungen und Einschüchterungen durch Polizeiangehörige des Bundesstaates.