Geschwister ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft
Angehörige einer marokkanischen Protestbewegung befinden sich unter schlechten Bedingungen in Haft
© Amnesty International
Zwei syrische Studierende, Marwa Tuffaha und ihr Bruder Mohamed Tuffaha, werden seit über zwei Monaten ohne Kontakt zu Außenwelt an einem unbekannten Ort festgehalten. Die Umstände ihrer Haft kommen dem Verschwindenlassen gleich. Beide benötigen regelmäßig Medikamente.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410
(kombinierter Telefon-/Faxanschluss, bitte sagen Sie "Fax") Briefe werden derzeit nicht verlässlich zugestellt. Bitte nur Faxe schicken!
VERTEIDIGUNGSMINISTER
'Imad al-Fraij
Fax: (00 963) 11 223 7842
(00 963) 11 666 2460
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 223 7842 oder (00 963) 11 666 2460
(kombinierter Telefon-/Faxanschluss, bitte sagen Sie "Fax" und versuchen Sie es öfter, falls Sie nicht durchkommen)
Briefe werden derzeit nicht verlässlich zugestellt. Bitte nur Faxe schicken!
STÄNDIGER VERTRETER DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN BEI DEN VEREINTEN NATIONEN
Bashar Ja’afari
Ambassador Extraordinary and Plenipotentiary,
820 Second Avenue, 15th Floor
New York, NY 10017, USA
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 1 212) 983 4439
E-Mail: exesec.syria@gmail.com oder syrianmission@verizonmail.com
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
Rauchstr. 25,
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail:info@syrianembassy.de
press@syrianembassy.de
secretary@syrianembassy.de
BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@Russische-Botschaft.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 24. Januar 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich bitte Sie eindringlich, unverzüglich den Verbleib von Marwa Tuffaha und Mohamed Tuffaha bekannt zu geben. Gewähren Sie den beiden umgehend Zugang zu ihren Familienangehörigen, zu einem Rechtsbeistand ihrer Wahl und zu jeglicher medizinischer Versorgung, die sie benötigen könnten.
-
Sollte Marwa Tuffaha nur wegen ihrer verwandtschaftlichen Beziehung mit ihrem Bruder Mohamed Tuffaha festgehalten werden, so fordere ich Sie auf, sie umgehend und bedingungslos freizulassen. Mohamed Tuffaha muss ebenfalls umgehend freigelassen werden, sofern er nicht einer international als Straftat anerkannten Handlung angeklagt und unter Einhaltung der internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren vor Gericht gestellt wird.
- Sorgen Sie bitte dafür, dass Marwa Tuffaha und Mohamed Tuffaha vor Folter und anderen Misshandlungen geschützt werden.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Urging the authorities to reveal the whereabouts of Marwa and Mohamed Tuffaha without delay, and grant them immediate access to their family, lawyer and any medical attention they may require.
-
Calling on them to release Marwa Tuffaha immediately and unconditionally if she is detained solely on account of her relationship with her brother and to release Mohamed Tuffaha unless he is charged promptly with a recognizably criminal offence and tried in accordance with international fair trial standards.
- Urging them to ensure that Marwa and Mohamed Tuffaha are protected from torture and other ill-treatment.
Sachlage
Marwa Tuffaha wurde am 2. Oktober im Haus ihrer Familie in dem Viertel Roukn al-Din der Hauptstadt Damaskus festgenommen. Laut im Ausland lebenden Familienangehörigen suchte eine Gruppe bewaffneter Männer in Zivil, die dem Geheimdienst der Luftwaffe angehören sollen, auf der Suche nach dem Bruder von Marwa Tuffaha am 1. Oktober das Haus der Familie auf. Als die Männer Mohamed Tuffaha zuhause nicht vorfanden, blieben sie dort, um auf ihn zu warten und sollen dabei auch die Telefonleitung im Haus der Familie unterbrochen haben. Am nächsten Tag nahmen einige dieser Männer Marwa Tuffaha mit und sagten der Familie, dass sie sie freiließen, wenn sie ihren Bruder fänden. Die übrigen Männer blieben im Haus der Familie, um auf die Rückkehr von Mohamed Tuffaha zu warten. Als er nach vier Tagen noch nicht zurückgekehrt war, verließen sie das Haus. Dieselbe Quelle geht davon aus, dass Mohamed Tuffaha am oder um den 10. Oktober herum festgenommen wurde, da er seither nichts von sich hat hören lassen. Seine Schwester und er benötigen regelmäßig Medikamente, die sie möglicherweise nicht erhalten. Marwa Tuffaha muss Medikamente einnehmen, um Probleme mit der Hirnanhangdrüse zu vermeiden.
Nach Angaben der Familienangehörigen im Ausland gehen inoffizielle Quellen davon aus, dass Marwa Tuffaha zur nahe gelegenen Abteilung des Luftwaffengeheimdienstes gebracht wurde, doch die BeamtInnen dort bestreiten, sie oder ihren Bruder festzuhalten und nahmen die Medikamente nicht entgegen, die für die Geschwister dorthin gebracht worden waren. Eine offizielle Quelle im nationalen Versöhnungsausschuss teilte der Familie Ende Oktober mit, dass Marwa Tuffaha in Kürze freigelassen werde, doch ihr Bruder werde zu weiteren Ermittlungen noch wenigstens 20 Tage festgehalten. Trotz dieser Aussagen befinden sich beide nach wie vor in Gewahrsam und weder ihr Verbleib und die Umstände ihrer Haft noch ihr rechtlicher Status sind bekannt. Allem Anschein nach wird Marwa Tuffaha lediglich festgehalten, weil sie mit Mohamed Tuffaha verwandt ist. In diesem Fall handelt es sich bei ihr um eine gewaltlose politische Gefangene, die umgehend und bedingungslos freigelassen werden muss.
Hintergrundinformation
Marwa Tuffaha studiert Mathematik, ihr Bruder Mohamed Tuffaha studiert Informatik.
Weiterführende Informationen über Folter und andere Misshandlungen in syrischen Hafteinrichtungen finden Sie in dem englischsprachigen Artikel von März 2012: 'I wanted to die': Syria's torture survivors speak out (http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/016/2012/en). Hunderte sind seit Beginn der Unruhen im Gewahrsam der syrischen Sicherheitskräfte gestorben. Amnesty International hat dieses Vorgehen im August 2011 in einem englischsprachigen Bericht dokumentiert: Deadly detention: Deaths in custody amid popular protest in Syria (http://www.amnesty.org/en/library/info/MDE24/035/2011/en).