Medizinische Versorgung verweigert
Die gewaltlosen politischen Gefangenen U Gambira, Min Ko Naing und Zaw Htet Ko Ko benötigen dringend medizinische Versorgung. Bisher wird ihnen in Myanmar eine angemessene Behandlung verwehrt.
Appell an
INNENMINISTER
Maung Oo
Ministry of Home Affairs, Office No. 10, Naypyitaw
MYANMAR (korrekte Anrede: Dear Minister)
Fax: (00 95) 67 412 439
I
NFORMATIONSMINISTER
Brigadier-General Kyaw Hsan
Ministry of Information, Bldg. (7), Naypyitaw
MYANMAR (korrekte Anrede: Dear Minister)
AUSSENMINISTER
Nyan Win, Ministry of Foreign Affairs, Naypyitaw
MYANMAR (korrekte Anrede: Dear Minister)
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER UNION MYANMAR
S.E. Herrn U Tin Win
Thielallee 19, 14195 Berlin
Fax: 030-2061 5720
E-Mail: info@botschaft-myanmar.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Birmanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. Januar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
-
Appellieren Sie an die Behörden sicherzustellen, dass U Gambira, Min Ko Naing und Zaw Htet Ko Ko unverzüglich die notwendige medizinische Versorgung und Behandlung ihrer Erkrankungen erhalten.
-
Fordern Sie die Behörden auf, die drei Männer umgehend und bedingungslos freizulassen, nachdem ihnen die dringend benötigte medizinische Behandlung zuteil wurde.
- Rufen Sie die Behörden auf zu gewährleisten, dass alle Häftlinge menschenwürdig und unter Achtung ihrer Menschenrechte behandelt werden und dass niemand von ihnen Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung ausgesetzt wird.
Sachlage
Der buddhistische Mönch U Gambira hatte eine führende Rolle bei Protesten in Myanmar und befindet sich derzeit im Kale-Gefängnis in der Division Sagaing in Haft, mehr als 1000 Kilometer entfernt von Yangon (Rangun), der größten Stadt des Landes. Er ist an Malaria erkrankt. Ob er gegenwärtig medizinisch betreut wird, ist nicht bekannt. Sein allgemeiner Gesundheitszustand ist schlecht, er leidet zudem an Asthma. Bereits früher hatte man ihm im Gefängnis den Zugang zu medizinischer Behandlung verwehrt. Außerdem wurde er dort gefoltert und anderweitig misshandelt. Ein Gericht verurteilte U Gambira zu einer Haftstrafe von 63 Jahren, weil er bei den Protesten gegen die Regierung im August und September 2007 eine führende Rolle gespielt haben soll.
Min Ko Naing, eine langjährige Leitfigur der Demokratie-Bewegung in Myanmar, leidet an Bluthochdruck, einer Augenerkrankung sowie Taubheit in den Händen und Gicht. Er wird in einer kleinen, dunklen Zelle festgehalten, was Berichten zufolge sein Augenleiden weiter verschlimmert. Seine Ersuchen um medizinische Behandlung wurden abgelehnt, er erhält nach wie vor keine medizinische Versorgung. Min Ko Naing verbüßt seine Haftstrafe im Kengtong-Gefängnis im Bundesstaat Shan im Norden Myanmars, wo es keine regelmäßige medizinische Betreuung gibt. Das Gefängnis ist etwa 1100 Kilometer von Yangon entfernt, wo seine Familie lebt. Min Ko Naing wurde am 11. November 2008 zu 65 Jahren Haft verurteilt, weil er an der Organisation der großen regierungskritischen Proteste von 2007 beteiligt gewesen sein soll.
Zaw Htet Ko Ko von der Studierendengruppe "Generation 88" leidet an Magenschmerzen und hat stark an Gewicht verloren. Er hat medizinische Versorgung erhalten, es ist jedoch nicht bekannt, ob die Behandlung ausreichend oder angemessen war. Außerdem leidet er an Bluthochdruck. Er verbüßt seine Haftstrafe im Kyaukpyu-Gefängnis im Bundesstaat Rahkine, etwa 1000 Kilometer von seiner Familie in Yangon entfernt. Zaw Htet Ko Ko wurde zu elf Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt, weil er an den friedlichen Protesten gegen die Regierung im Jahr 2007 beteiligt gewesen sein soll.
Der Mangel an medizinischer Behandlung und die schlechten Bedingungen in myanmarischen Gefängnissen wirken sich negativ auf die Gesundheit der Häftlinge aus. Viele von ihnen leiden an schweren Erkrankungen, die nicht behandelt werden.
Hintergrundinformation
U Gambira ist Mitbegründer der landesweiten Mönchsvereinigung "All-Burma Monks Alliance" (ABMA), die im September 2007 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, die Proteste gegen steigende Kraftstoff- und Lebensmittelpreise zu unterstützen. Die Proteste waren einen Monat zuvor von der Studierendengruppe "Generation 88", zu der Min Ko Naing und Zaw Htet Ko Ko gehören, eingeleitet worden. Den Protesten der so genannten Safran-Revolution schlossen sich, von der ABMA mobilisiert, zehntausende Mönche an.
Nach seiner Festnahme am 4. November 2007 nahm man U Gambira seine Mönchsrobe weg und machte ihm im Insein-Gefängnis in Yangon in einem unfairen Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit den Prozess. Im Gefängnis verweigerte man U Gambira die Behandlung seiner Bronchitis und seines Asthmas. Am 13. Januar 2009 verlegte man ihn in Einzelhaft. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich weiter, als er in den Hungerstreik trat, um die Militärregierung zur Freilassung der Sprecherin der Demokratiebewegung Daw Aung San Suu Kyi und aller anderen politischen Gefangenen zu bewegen. Außerdem wollte er erreichen, dass die Regierung mit den myanmarischen Oppositionsgruppen in Dialog tritt und einen Prozess der nationalen Versöhnung in die Wege leitet.
Kurz darauf, am 18. Januar 2009, verlegte man U Gambira in das Hkamti-Gefängnis in der Division Sagaing, wo er häufig gefoltert und anderweitig misshandelt wurde. Man fesselte seine Arme und Beine, schlug ihn und stopfte ihm Tücher in den Mund, um ihn zum Schweigen zu bringen. Außerdem verweigerte man ihm über mehrere Tage hinweg Wasser und Nahrung. Als man ihn am 13. Mai 2009 ins Kale-Gefängnis verlegte, war U Gambira so schwach, dass er nicht einmal sprechen konnte.
Min Ko Naing ist Mitbegründer der Studierendengruppe "Generation 88" und wird als solcher besonders schlecht behandelt. Beispielsweise darf er seine Zelle viel seltener verlassen als andere Häftlinge. Vor seiner Verlegung ins Kengtong-Gefängnis im Bundesstaat Shan saß er über ein Jahr im Insein-Gefängnis in Yangon und wurde dort fast 24 Stunden am Tag in Einzelhaft gehalten. Man hatte ihn am 21. August 2007 festgenommen, zwei Tage nachdem er einen friedlichen Protestmarsch gegen die steigenden Kraftstoffpreise durch Yangon angeführt hatte.
Min Ko Naing ist einer der bekanntesten Dissidenten Myanmars. 1988 führte er als Vorsitzender des Studierenden-Dachverbandes "All Burma Federation of Student Unions" (ABFSU) den Aufstand der Demokratiebewegung in Myanmar an. Die Militärregierung schlug die Unruhen brutal nieder. Etwa 3000 Personen kamen ums Leben, tausende "verschwanden" oder wurden inhaftiert. Aufgrund seiner Beteiligung an den Demonstrationen saß Min Ko Naing 15 Jahre lang in Haft, die meiste Zeit in Einzelhaft. Erst 2004 ließ man ihn frei.
Seit Oktober 2008, dem Beginn der Massenprozesse gegen TeilnehmerInnen der friedlichen regierungskritischen Proteste vom August und September 2007, wurden mindestens 220 politische Gefangene in abgelegene Gefängnisse in Myanmar verlegt. Die Abgeschiedenheit der Gefängnisse erschwert es Angehörigen, die Häftlinge zu besuchen und ihnen Lebensmittel, Medikamente und Kleidung zukommen zu lassen. Da Kontakte zwischen politischen Gefangenen und ihren Familien selten sind und es keine unabhängige Überwachung des Wohlbefindens der Häftlinge gibt, ist der Einzelne den harten Bedingungen im Gefängnis, die grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung gleichkommen, schutzlos ausgeliefert. Das Internationale Rote Kreuz darf seit Ende 2005 keine Häftlinge in Myanmar mehr besuchen.