Frau wird "militärisches Ziel"
Die Kolumbianerin Luz Elsia Almanza schwebt in Lebensgefahr, seit eine paramilitärische Gruppe sie zu einem "militärischen Ziel" erklärt hat. Die Menschenrechtsverteidigerin setzt sich in Kolumbien gegen die Straffreiheit bei Fällen des "Verschwindenlassens" ein.
Appell an
VIZEPRÄSIDENT
Dr. Francisco Santos Calderón
Vicepresidencia de la República
Carrera 8A No 7-27, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Sr. Vicepresidente / Dear Vice-president)
Fax: (0057) 1 565 7682 (wenn jemand abhebt,
sagen Sie bitte: "Me da tono de fax, por favor")
AMTIERENDER GENERALSTAATSANWALT
Dr. Guillermo Mendoza Diago (e)
Fiscal General de la Nación
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01)
Bloque C, Piso 4, Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimado Sr. Fiscal General / Dear Attorney General)
Fax: (0057) 1 414 9108
KOPIEN AN
MENSCHENRECHTSORGANISATION ASFADDES
Asociación de Familiares de Detenidos Desaparecidos
Calle 77 No 14-47
Oficina: 501 – Edificio Santa Lucía
Bogotá
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 8. Januar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY IN SPANISH OR YOUR OWN LANGUAGE
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Expressing concern for the safety of Luz Elsia Alamanza, her family and other members of ASFADDES, urging the authorities to guarantee their safety in accordance with their wishes;
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Calling on the authorities to carry out a full and impartial investigation into this threat and previous incidents of harassment;
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Urging them to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations;
- Reminding the authorities to adhere to their obligations to support the work of human rights defenders, as laid out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Bringen Sie Ihre Sorge um die Sicherheit von Luz Elsia Almanza, ihrer Familie und den Mitgliedern von ASFADDES zum Ausdruck und appellieren Sie an die Behörden, in Übereinstimmung mit den Wünschen der Betroffenen ihre Sicherheit zu gewährleisten.
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Fordern Sie die Behörden auf, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der aktuellen Drohung und früherer Schikanen einzuleiten.
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Dringen Sie bei den Behörden darauf, unverzüglich für die Auflösung der paramilitärischen Gruppen zu sorgen, in Übereinstimmung mit den Verpflichtungen, die die Regierung eingegangen ist, und den Empfehlungen der UN sowie anderer zwischenstaatlicher Organisationen.
- Erinnern Sie die Behörden an ihre Verpflichtung, die Tätigkeit von MenschenrechtsverteidigerInnen zu unterstützen, wie sie in der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 dargelegt ist.
Sachlage
Am 18. November erhielt Luz Elsia Almanza, Leiterin der Vereinigung der Familienangehörigen "Verschwundener" ASFADDES (Asociación de Familiares de Detenidos Desaparecidos) in der Stadt Barrancabermeja im Norden Kolumbiens, eine Kurznachricht auf ihrem Handy, in der Unbekannte ihr drohten. Der Text lautete: "Señora Luz Almanza, wir informieren Sie darüber, dass Sie als Repräsentantin der Organisation, der sie vorstehen, zum militärischen Ziel erklärt worden sind. Hochachtungsvoll, Autodefensas". Eine zweite SMS mit dem Wort "Gaitanistas" folgte. Die "Autodefensas Gaitanistas" ist eine im Norden Kolumbiens agierende paramilitärische Gruppierung.
Seit Anfang des Jahres werden sowohl das Haus von Luz Elsia Almanza als auch das ASFADDES-Büro von Unbekannten beobachtet. Zuletzt fuhren zwei Männer auf einem Motorrad am Nachmittag des 26. November durch die Nachbarschaft und verlangsamten das Tempo, als sie das Haus von Luz Elsia Almanza passierten. Seit dem 22. November kursieren in Barrancabermeja Gerüchte, denen zufolge ihr Name auf einer Liste von Personen steht, die die "Autodefensas Gaitanistas" töten wollen. Am 23. April hatten sich ihr zwei Männer genähert, die sich selbst als Paramilitärs bezeichneten, und im Zusammenhang mit ihrer Menschenrechtstätigkeit Drohungen gegen sie ausgestoßen.
Am 15. November hielten sich Gloria Gómez und ihre Kollegen César Muñoz und Diego Castillo aus dem Hauptsitz von ASFADDES in Bogotá in Barrancabermeja auf, um Angehörige von Opfern des "Verschwindenlassens" zu interviewen. Sie mussten die Interviews abbrechen, da sie von zwei Männern mit Funksprechgeräten beobachtet wurden. Die Männer versuchten - unter dem Vorwand, sie seien Verwandte der Interviewten - in das Gebäude zu gelangen.
Hintergrundinformation
Luz Elsia Almanza erhielt die Drohnachricht während eines Treffens im Büro des Bürgermeisters von Barrancabermeja, bei dem es um die Frage ging, ob der 16. Mai in dieser Stadt zum Tag der Opfer erklärt werden soll. Mit diesem Vorschlag sollte den Opfern eines Massakers gedacht werden, das am 16. Mai 1998 in Barrancabermeja von Paramilitärs begangen worden war. Der Partner von Luz Elsia Almanza wurde nach dem Massaker ein Opfer des "Verschwindenlassens". Jahrelang wurde niemand wegen der Beteiligung an dem Massaker festgenommen, doch 2009 sind vier Personen inhaftiert worden. Eine tatverdächtige Person soll am 30. November vor Gericht aussagen.
Im Juli 2008 hielten zwei schwer bewaffnete Männer auf einem Fußballplatz den fünfzehnjährigen Sohn von Luz Elsia Almanza an. Sie rieten ihm, vorsichtig zu sein, da sie wüssten, was seine Mutter täte.
Die Nichtregierungsorganisation ASFADDES ist eine landesweit arbeitende Menschenrechtsorganisation, die von Familienangehörigen von "Verschwundenen" gegründet wurde. Die Organisation setzt sich dafür ein, das Schicksal der "Verschwundenen" aufzuklären sowie die Verantwortlichen zu ermitteln und sie vor Gericht zu stellen. Luz Elsia Almanza leitet das Büro von ASFADDES in Barrancabermeja, seit es nach einer vorübergehenden Schließung aus Sicherheitsgründen Ende 2008 wiedereröffnet wurde. Gemeinsam mit anderen ASFADDES-Mitgliedern in Barrancabermeja versucht sie, etwas über den Verbleib ihrer Angehörigen in Erfahrung zu bringen und tritt dafür ein, dass die Verantwortlichen für diese Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen werden.
Während des seit 40 Jahren andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien sind die Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen sozialen Organisationen häufig Opfer von Drohungen, "Verschwindenlassen" und Tötungen geworden. Die paramilitärischen Gruppen wurden eigentlich ab 2003 in einem von der Regierung unterstützten Prozess demobilisiert. Doch die Drohungen gegen Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften in Barrancabermeja und anderenorts zeigen, dass paramilitärische Gruppen weiter aktiv sind.