Verletzter Häftling muss geschützt werden

Journal Titel

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Der Student Magomed Aliev, der sich in Untersuchungshaft befindet, ist mit mehreren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dort ist er mit Handschellen ans Bett gefesselt. Sobald er wieder bei vollem Bewusstsein ist, soll er wieder in Gewahrsam genommen werden.

Appell an

LEITER DEr ERMITTLUNGSBEHÖRDE
Aleksandr Ivanovich Bastrykin
Tekhnicheskii pereulok 2
105005 Moscow
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Bastrykin)
Fax: (00 7) 495 966 90 77

LEITER DES INLANDSGEHEIMDIENSTES
Aleksandr V. Bortnikov
Ul. Bolshaya Liubianka. d.1/3
107031 Moscow
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Bortnikov)
Fax: (00 7) 495 914 26 32
E-Mail: fsb@fsb.ru

Sende eine Kopie an

JUSTIZMINISTER
Aleksandr V. Konovalov
Ministry of Justice of the Russian Federation
Ul. Zhitnaya d. 14
GSP-1
Moscow 119991
RUSSISCHE FÖDERATION
Fax: (00 7) 495 955 5779

BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@russische-botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. Januar 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Leiten Sie bitte umgehend eine unparteiische und wirksame Untersuchung der Umstände ein, die zu den Verletzungen von Magomed Aliev geführt haben. Sollte es Hinweise auf strafrechtliche Verstöße geben, müssen die mutmaßlich Verantwortlichen in fairen Verfahren vor Gericht gestellt werden.

  • Bitte stellen Sie unbedingt sicher, dass Magomed Aliev so lange im Krankenhaus bleiben darf wie nötig, um die erforderliche medizinische Versorgung zu erhalten, wie es das Ärztepersonal empfohlen hat.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Russian authorities to promptly, impartially and effectively investigate the circumstances which lead to the injuries sustained by Magomed Aliev and if sufficient admissible evidence of criminal wrongdoing is found, suspects are brought to justice in fair trials.

  • Urging them to ensure that Magomed Aliev remains in hospital as long as necessary in order to get adequate medical treatment, in line with the recommendations of competent medical staff.

Sachlage

Der 21-jährige Magomed Aliev aus Stawropol, der Hauptstadt der russischen Region Stawropol, befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Am 28. November wurde er in die Notaufnahme eines Krankenhauses in Stawropol gebracht. Das Ärztepersonal fand einen Kugelschreiber in seinem Kopf, der über die rechte Augenhöhle eingeführt worden war. Der Kugelschreiber konnte erfolgreich entfernt werden, allerdings ist Magomed Aliev seitdem die meiste Zeit bewusstlos. Dennoch ist er an einem Arm und einem Bein ans Bett gefesselt. Er wird rund um die Uhr von zwei Beamt_innen des Inlandsgeheimdiensts der Russischen Föderation (FSB) und vier Angehörigen der Hafteinrichtung bewacht. Zudem wird sein Bett mit Kameras überwacht.

Den Behörden zufolge soll Magomed Aliev den Kugelschreiber selbst eingeführt haben, um Selbstmord zu begehen. Seine Familie und sein Rechtsbeistand haben jedoch Verletzungen am Kopf und Körper von Magomed Aliev festgestellt, die auf Schläge hindeuten. Seine Familie darf ihn weder besuchen noch ihm Lebensmittel ins Krankenhaus schicken. Lediglich bei seiner Verlegung ins Krankenhaus durfte die Familie von Magomed Aliev ihn kurz sehen.

Der Familie von Magomed Aliev zufolge haben die Strafjustizbehörden vor, ihn wieder in die Hafteinrichtung zu bringen, sobald er wieder bei Bewusstsein ist. Das Ärztepersonal ist der Ansicht, dass ihn dies in Lebensgefahr bringen könnte. Zudem hat sich Magomed Aliev eine Hirnhautentzündung zugezogen, die eine spezielle medizinische Behandlung erfordert, welche in der Hafteinrichtung nicht möglich ist.

Magomed Aliev werden Verstöße gegen Paragraf 205.1 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation vorgeworfen (Anwerbung für oder andere Beteiligung an terroristischen Zwecken). Am 24. Dezember soll ein Rechtsmittelverfahren gegen die Haftanordnung stattfinden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Der Medizinstudent Magomed Aliev wurde am 21. November in Moskau von Sicherheitskräften festgenommen, die vermutlich dem Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation (FSB) angehören. Magomed Aliev war aus Stawropol nach Moskau gekommen, um seine Schwester zu besuchen und sich medizinisch behandeln zu lassen. Er wollte Freiwilligenarbeit in einer Zahnklinik leisten, bei der seine Schwester arbeitet, und wurde vor der Klinik festgenommen. Er wurde noch am selben Tag von Angehörigen des FSB verhört und am 22. November nach Stawropol gebracht.

Nach einem Treffen am 25. November sagte sein Rechtsbeistand, dass Magomed Aliev am ganzen Körper gezittert habe, sehr verzweifelt gewesen sei und im Gesicht Verletzungen aufgewiesen habe, die auf Schläge hindeuteten.

Am 28. November wurde Magomed Aliev ins Krankenhaus eingeliefert, wo ihm in einer sechsstündigen Operation ein Kugelschreiber aus dem Kopf entfernt wurde. Die Medien und auch Amnesty International haben Einsicht in eine Röntgenaufnahme seines Kopfes erhalten.

Magomed Aliev ist die meiste Zeit bewusstlos. Dennoch ist er an einem Arm und einem Bein am Bett festgemacht. Das Ärztepersonal hat die Wächter_innen gebeten, die Fußfessel abzunehmen, bisher jedoch ohne Erfolg.