Familie in Gefahr

Bagger zerstören ein Wohngebäude  in Peking, China

Bagger zerstören ein Wohngebäude in Peking, China

Die Mutter und der Sohn des aus Shanghai stammenden Shen Yong stehen seit dessen Tod unter strenger Beobachtung. Beide laufen Gefahr, gefoltert und anderweitig misshandelt zu werden. Vermutlich ist Shen Yong von Angehörigen der chinesischen Polizei zu Tode geprügelt worden.

Appell an

LEITER DES BÜROS FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT VON PUDONG
Lu Min Juzhang
655 Dingxianglu
Shanghaishi 200135
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Lu)
Tel: (00 86) 21 5061 4567 (nur auf Chinesisch)

BÜRGERMEISTER VON SHANGHAI
Yang Xiong Shizhang
200 Renmin Dadao, Hupuqu
Shanghaishi 200003
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Mayor / Sehr geehrter Herr Bürgermeister)
Fax: (00 86) 21 63216537
E-Mail: shxwb3807@126.com oder webmaster@shanghai.gov.cn

Sende eine Kopie an

PARTEISEKRETÄR VON SHANGHAI
Han Zheng Shuji
Zhonggong Shanghaishi Weiyuanhui
30 Fuzhoulu, Huangpuqu
Shanghaishi 200002
VOLKSREPUBLIK CHINA

BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S. E. Herrn Shi Mingde
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030-27 58 82 21
E-Mail: botschaftchina@yahoo.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. Dezember 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie höflich dazu auf, die Einschränkung der Bewegungs- und Meinungsfreiheit von Shen Abao und Shen Yaming aufzuheben.

  • Bitte stellen Sie sicher, dass Shen Abao und Shen Yaming vor Folter und anderweitigen Misshandlungen geschützt werden.

  • Bitte stellen Sie außerdem sicher, dass Shen Abao Zugang zu ihrer Familie sowie jeder erforderlichen medizinischen Behandlung gewährleistet wird.

  • Ich fordere Sie auch auf, den Tod von Shen Yong umgehend und unabhängig zu untersuchen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to lift all restrictions on Shen Abao’s and Shen Yaming’s freedom of movement and expression.

  • Calling on the authorities to ensure that Shen Abao and Shen Yaming are not subjected to torture or other ill-treatment.

  • Calling on the authorities to ensure Shen Abao has access to her family and any medical attention she may require.

  • Urging the authorities to order an independent and impartial investigation into the death of Shen Yong.

Sachlage

Nachbarn berichteten dem Sohn von Shen Yong, Shen Yaming, sein Vater sei am 24. Oktober um 7.00 Uhr von Angehörigen der Polizei aus seiner provisorischen Unterkunft in Shanghai abgeführt worden. Er habe Handschellen getragen und sei von den PolizeibeamtInnen geschlagen worden. Man brachte ihn auf die Polizeiwache Liuli, nach zwei Stunden kehrte er nach Hause zurück. Er befand sich in einem kritischen Zustand, obwohl er zuvor bei guter Gesundheit gewesen war. Seine Familie rief umgehend einen Notarzt zur Hilfe, doch Shen Yong starb, bevor dieser eintreffen konnte.

Shen Yaming versuchte, die Polizei daran zu hindern, den Leichnam seines Vaters mitzunehmen, woraufhin man ihn festnahm. Er wurde später wieder freigelassen, wird seitdem jedoch streng überwacht, und seit dem 25. Oktober hat ihn niemand gesehen. Auch Shen Abao, die Mutter von Shen Yong, wurde am 24. Oktober von der Polizei abgeführt und später wieder freigelassen. Man brachte sie jedoch in eine andere Unterkunft. Sie wird ebenfalls streng überwacht und es ist nicht klar, ob sie zu Shen Yaming Kontakt hat.

Eine Freundin von Shen Yong, Kong Lingzhen, suchte am 24. Oktober das Renji-Krankenhaus in Shanghai auf, um dort Bilder von Shen Yongs Leichnam zu machen. Kong Lingzhen zufolge wies dieser über den ganzen Körper verteilt Verletzungen auf, einschließlich Blutergüssen in der Nackenpartie. Kong Lingzhen geht nun davon aus, dass Shen Yong möglicherweise gewürgt wurde.

Am 28. Oktober versammelten sich vor dem Büro für Öffentliche Sicherheit des Bezirks Pudong New Area rund 600 AktivistInnen und forderten eine Erklärung für den Tod von Shen Yong. Rund 100 von ihnen wurden zeitweise inhaftiert. Kong Lingzhen versuchte, die Verletzungen, die sie an Shen Yongs Leichnam festgestellt hatte, dem örtlichen Büro der Kommunistischen Partei zu melden, wurde dort jedoch zu Boden geschlagen und auf eine Polizeiwache gebracht. Man ließ sie später wieder frei.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Das Haus, das Shen Yong und seine Mutter Shen Abao rechtmäßig besaßen, stand in Beicai Town in Pudong New Area und wurde im Dezember 2008 im Auftrag der städtischen Behörden zerstört, um Raum für neue Bauvorhaben zu schaffen. Infolge der Zerstörung ihres Hauses waren Shen Yong und seine Familie obdachlos. Seit 2008 hatte Shen Yong von den Behörden eine Entschädigung gefordert. Im Mai dieses Jahres hatten er und seine Mutter begonnen, das Gebäude zu besetzen, das von den Behörden und einem privaten Bauunternehmen auf dem Grundstück ihres zerstörten Hauses gebaut worden war. Es wurde seitdem immer wieder von Unbekannten mutwillig beschädigt. Vermutlich wurden diese von den örtlichen Behörden geschickt, um Shen Yong und seine Mutter von dort zu vertreiben.

Die Vertreibung von Menschen aus ihren Häusern oder von ihrem Ackerland ohne angemessene rechtliche Schutzmaßnahmen und Garantien ist in China mittlerweile Routine geworden. Dies stellt eine schwere Verletzung der Menschenrechte der Betroffenen dar. Oft werden die Vertreibungen ohne Vorwarnung und gewaltsam durchgeführt, was manchmal Todesfälle zur Folge hat. Viele der Betroffenen werden vor der rechtswidrigen Zwangsräumung lange Zeit bedroht und drangsaliert: Einige von ihnen werden geschlagen, verschleppt oder, wie in mindestens einem Fall, lebendig begraben. Den Vertriebenen wird in der Regel nur eine kleine oder gar keine Entschädigung angeboten, und wenn alternative Unterkünfte bereitgestellt werden, sind diese häufig unzulänglich. Viele der Betroffenen fordern von der Regierung verstärkt Entschädigungen für das erlittene Unrecht.

In einigen Fällen werden BewohnerInnen Opfer von geheimen Abmachungen zwischen den örtlichen Behörden und privaten Bauunternehmen. Sie werden aus ihren Häusern vertrieben und sollen für die verfügbaren alternativen Unterkünfte selbst aufkommen.

Es liegen zwar keine genauen Zahlen darüber vor, wie viele Personen in China seit den Olympischen Spielen von Peking 2008 aus ihren Häusern und Bauernhöfen vertrieben worden sind, es besteht jedoch wenig Zweifel, dass diese Zahl steigt. Eine 2011 vom Institut für ländliche Entwicklung Landesa durchgeführte Studie zeigt, dass seit den späten 1990er-Jahren in 43,1 Prozent aller ländlichen Dörfer Land enteignet wurde und dass die Zahl der Enteignungen pro Jahr seit 2007 kontinuierlich ansteigt.