Kleinbauer getötet

Eine Karte von Honduras

Karte von Honduras

Im Norden von Honduras ist Juan Ángel López Miralda getötet worden. Er war Sprecher einer kleinbäuerlichen Gemeinschaft und Mitglied eines Kleinbauernverbands. Dieser Vorfall ist nun schon der zweite dieser Art in kurzer Zeit – erst im August war eine Sprecherin einer kleinbäuerlichen Gemeinschaft im Nordwesten des Landes getötet worden. Familienangehörige von Juan Ángel López Miralda und andere Angehörige kleinbäuerlicher Gemeinschaften sind möglicherweise in Gefahr.

Appell an

PRÄSIDENT
Sr. Juan Orlando Hernandez
President of Honduras, Casa Presidencial
Barrio las Lomas, Boulevard Juan Pablo II
Tegucigalpa
HONDURAS
(Anrede: Señor Presidente / Dear
President / Sehr geehrter Herr Präsident)
E-Mail: ygarcia@presidencia.gob.hn
Fax: (00 504) 2290 5088

GENERALSTAATSANWALT
Sr. Oscar Chinchilla Banegas
Ministerio Público, Lomas del Guijarro
Avenida República Dominicana, Edificio Lomas Plaza II
Tegucigalpa
HONDURAS
(Anrede: Señor Fiscal Federal / Dear Attorney General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 504) 2221 5667

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSORGANISATION
Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras (COFADEH)
E-Mail: prensa@cofadeh.hn

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S. E. Herrn Ramón Custodio Espinoza
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: 030-3974 9712
E-Mail: informacion.embahonduras.de@gmail.com

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Dezember 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte Sie eindringlich bitten, die Familie von Juan Ángel López Miralda entsprechend ihren Wünschen zu schützen.

  • Bitte veranlassen Sie eine zügige und unabhängige Untersuchung der Tötung von Juan Ángel López Miralda, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und bringen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Außerdem möchte ich Sie bitten, einen Schutzmechanismus einzuführen und umzusetzen, der Menschenrechtsverteidiger_innen schützt, denen aufgrund ihrer Arbeit Repressalien drohen. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie an ihre Verantwortlichkeit erinnern, die aus der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern aus dem Jahr 1998 hervorgeht.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to protect the family members of Juan Ángel López Miralda in accordance with their wishes.

  • Calling on the authorities to carry out a swift and independent investigation into the killing of Juan Ángel López Miralda, to make the results public and to bring those found responsible to justice.

  • Calling on the authorities to adopt and fully implement a mechanism to protect those who are at risk of reprisal for their work in defence of human rights, and reminding them of their responsibilities as established in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.

Sachlage

Am 11. November wurde Juan Ángel López Miralda (auch bekannt unter dem Namen Juan Galindo) von zwei unidentifizierten Männern in Rigores in der Gemeinde Trujillo im Departamento Colón erschossen. Die beiden Männer fuhren mit einem Motorrad durch die Gemeinde und schossen Juan Ángel López Miralda mehrere Male in den Rücken. Dieser war gerade mit dem Fahrrad von einem Treffen in einer nahegelegenen Kirche nach Hause unterwegs.

Juan Ángel López Miralda war Sprecher einer kleinbäuerlichen Gemeinschaft. Bis Ende 2013 war er Mitglied der "Vereinten Kleinbauernbewegung von Aguán" (Movimiento unificado Campesino del Aguán – MUCA), einer Organisation, die sich für die Landrechte von Kleinbauern in der Aguán-Region einsetzt. Im November 2013 erhielt Juan Ángel López Miralda Morddrohungen und flüchtete ins Ausland, kehrte aber kürzlich aus familiären Gründen zurück.

Im November 2013 meldete er der Menschenrechtsorganisation "Komitee der Familienangehörigen von Verschwundenen und Inhaftierten" (Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras – COFADEH), dass man zweimal versucht habe, ihn zu töten. Beim ersten Mal hätten zwei maskierte Männer im April 2013 versucht, ihn zu töten. Der zweite Mordversuch soll im Oktober 2013 stattgefunden haben, nur wenige Tage nachdem Polizeibeamt_innen das Haus seines Vaters aufgesucht hatten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Langjährige Konflikte über Land zwischen Kleinbauerngemeinschaften und mächtigen Landbesitzern sind eine der grundlegenden Ursachen für die vielen Gewalttaten, denen kleinbäuerliche Gemeinschaften ausgesetzt sind. Laut Angaben von lokalen Organisationen gab es in den vergangenen fünf Jahren über 120 Tötungen in der Region Agúan, die in Verbindung mit Landkonflikten standen.

In Honduras kämpfen kleinbäuerliche Gemeinschaften seit langem für ihre Rechte und eine gerechte Landverteilung. Oft setzen sie dafür ihr Leben aufs Spiel. Der nationale Kleinbauernverband und andere Verbände setzen sich für die Verabschiedung eines umfassenden Agrargesetzes ein, das auch den Gender-Aspekt und die verschiedenen Bedürfnisse der kleinbäuerlichen Gemeinschaften mit einschließt. Am 27. August war Margarita Murillo aus der Gemeinde El Planón erschossen worden. Die Sprecherin der kleinbäuerlichen Gemeinschaft hatte zuvor berichtet, dass sie beschattet werde und Drohungen erhalten habe. (Siehe UA-219/2014, online unter: http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-219-2014/landrechtsaktivistin-getoetet.)

Im Juni 2014 diskutierte der Kongress von Honduras den ersten Entwurf eines Gesetzes zum Schutz von Journalist_innen, Menschenrechtsverteidiger_innen und Angestellten des Justizsystems (Ley de Protección para los Defensores de Derechos Humanos, Periodistas, Comunicadores Sociales y Operadores de Justicia). Dieser Entwurf wurde nun zivilgesellschaftlichen Organisationen vorgelegt in der Absicht, ihre Vorschläge und Empfehlungen zu sammeln. Weitere Diskussionen dauern noch an. In Anbetracht der Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger_innen, Journalist_innen und Angestellte des Justizsystems ist es absolut notwendig, dass das Gesetz verabschiedet und umgesetzt wird und dass ausreichende Ressourcen, finanziell sowie personell, aufgewendet werden, um einen wirksamen Schutzmechanismus einzurichten.

Menschenrechtsverteidiger_innen sind in Honduras einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Laut dem Beauftragten für Menschenrechte in Honduras wurden seit Januar 2010 insgesamt 30 Journalist_innen und 70 Anwält_innen getötet. Unter den vielen Fällen von Menschenrechtsverletzungen und Verstößen gegen Menschenrechtsverteidiger_innen in den vergangenen fünf Jahren gibt es Amnesty International vorliegenden Informationen zufolge nur einen Fall, in dem die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt, überführt und verurteilt wurden. Weitere Informationen finden Sie in dem offenen Brief von Amnesty International an die Präsidentschaftskandidaten der Republik Honduras unter: http://www.amnesty.org/en/library/info/AMR37/014/2013/en.