Menschenrechtler droht Folter
Angehörige einer marokkanischen Protestbewegung befinden sich unter schlechten Bedingungen in Haft
© Amnesty International
Der unter dem Namen Guo Feixiong bekannte Menschenrechtsverteidiger Yang Maodong aus der Provinz Guangdong an der Südküste Chinas ist vor mehr als 65 Tagen willkürlich inhaftiert worden. Ihm drohen Folter und andere Misshandlungen.
Appell an
LEITER DER BEHÖRDE FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT IM BEZIRK TIANHE
Wu Yusheng Juzhang
613 Sougoulinglu, Tianhequ
Guangzhoushi 510640
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Director/ Sehr geehrter Herr Wu)
Tel: (00 86) 20 8311 50 36 (Wenn Sie Chinesisch sprechen)
MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT
Guo Shengkun Buzhang
Gong'anbu
14 Dong Chang’anjie
Dongchengqu, Beijingshi 100741
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Excellency / Sehr geehrter Herr Minister)
Tel: (00 86) 662 62 114 (Wenn Sie Chinesisch sprechen)
Sende eine Kopie an
MINISTERPRÄSIDENT
Li Keqiang Guojia Zongli
The State Council General Office
2 Fuyoujie, Xichengqu
Beijingshi 100017
VOLKSREPUBLIK CHINA
Fax: (00 86) 10 6596 1109 (über das Außenministerium)
BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S. E. Herrn Mingde Shi
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030-27 58 82 21
E-Mail: botschaftchina@yahoo.de oder info@china-botschaft.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 22. November 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich fordere Sie höflich auf, Guo Feixiong sofort und bedingungslos freizulassen.
- Stellen Sie bitte sicher, dass Guo Feixiong weder gefoltert oder anderweitig misshandelt wird und dass er regelmäßigen Zugang zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand seiner Wahl sowie jedwede medizinische Versorgung erhält, die er benötigen könnte.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Urging the Chinese authorities to release Guo Feixiong immediately and unconditionally.
- Calling on the Chinese authorities to ensure that Guo Feixiong is not tortured or otherwise ill-treated, that he has regular access to his family and lawyers, and that he receives any medical attention he may require.
Sachlage
Der Menschenrechtsverteidiger Guo Feixiong wurde am 8. August wegen Verdachts auf "Versammlung einer Menschenmenge, um die öffentliche Ordnung zu stören" inhaftiert. Seine Schwester erhielt erst am 17. August eine schriftliche Benachrichtigung über die Inhaftierung. Auch seine Familie und sein Rechtsbeistand sind über eine formelle Inhaftierung nicht in Kenntnis gesetzt worden, obwohl die Polizei Guo Feixiong nun schon länger als die 37 Tage in Haft hält. Nach Überschreitung dieser in China zulässigen Zeitspanne muss die Inhaftierung formal bekannt gegeben werden. Guo Feixiong wird im Haftzentrum der Stadt Guangzhou im Bezirk Tianhe festgehalten. Dort drohen ihm Folter und andere Misshandlungen. Amnesty International betrachtet Guo Feixiong als gewaltlosen politischen Gefangenen und fordert seine umgehende und bedingungslose Freilassung.
Die Polizei hat den Rechtsbeiständen von Guo Feixiong, Sui Muqing und Ling Qilei, den Zugang zu ihrem Mandanten bereits fünfmal verweigert. Zuletzt verwehrten sie den Besuch am 26. September mit der Begründung, der Fall wäre "schwerwiegend", und forderten die Rechtsbeistände auf, einen formalen Antrag zu stellen, um Guo Feixiong zu sehen. Die chinesische Strafprozessordnung schreibt jedoch vor, dass Rechtsbeistände nur bei "Gefährdung der Staatssicherheit, Terrorismus oder besonders schweren Fällen von Bestechung" eine Erlaubnis einholen müssen, um ihre MandantInnen zu sehen.
Nach vorliegenden Informationen hat die Inhaftierung von Guo Feixiong mit seiner Beteiligung an der basisdemokratischen Bewegung "Neue Bürgerbewegung" (New Citizens’ Movement) zu tun, die mehr Transparenz der Regierung und ein Ende der Korruption fordert. Etwa 60 Menschen sind in den vergangenen Monaten in Verbindung mit dieser Bewegung inhaftiert worden oder dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen. Unter ihnen befindet sich auch der bekannte Menschenrechtsverteidiger Xu Zhiyong, eine Triebkraft der UnterstützerInnen der Bewegung. Bislang ist bei 29 der Betroffenen bekannt, dass sie formal festgenommen worden sind.
Die Anklage "Versammlung einer Menschenmenge, um die öffentliche Ordnung zu stören" kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis geahndet werden.
Hintergrundinformation
Guo Feixiong ist Autor sowie Rechtsberater, der sich seine juristischen Fachkenntnisse im Selbststudium angeeignet hat. Er arbeitete früher für das in Peking ansässige Rechtsbüro Shengzhi. In den vergangenen zehn Jahren hat er sich für verschiedene Menschenrechtsanliegen eingesetzt. 2005 nahm er an einem kollektiven Hungerstreik teil, zu dem der bekannte Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng aufgerufen hatte, um gegen die Verfolgung von MenschenrechtsaktivistInnen durch die Regierung zu protestieren. Mit diesem Hungerstreik protestierte er auch gegen seine vorherige Inhaftierung und Prügel durch die Polizei wegen seines Eintretens für die DorfbewohnerInnen von Taishi. Die DorfbewohnerInnen, deren Rechtsbeistand er war, hatten 2005 versucht, ihren mutmaßlich korrupten Dorfvorsteher seines Amtes zu entheben. 2007 wurde er wegen "illegaler Geschäfte" nach Artikel 225 des chinesischen Strafgesetzbuchs zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach eigenen Angaben wurde Guo Feixiong gefoltert, um dieses Verbrechen zu "gestehen". Daraufhin versuchte er, sich das Leben zu nehmen.
Im Januar 2013 unterstützte Guo Feixiong die Proteste der MitarbeiterInnen der Wochenzeitung Southern Weekly gegen politische Einmischung in redaktionelle Belange. Im März 2013 war er Mitorganisator der Unterschriftenkampagne zur Ratifizierung des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte durch den chinesischen Volkskongress, den China bereits 1998 unterschrieben hat. Guo Feixiong ist darüber hinaus ein lautstarker Befürworter der sozialen Bewegung, die sich für eine Offenlegung der Vermögensverhältnisse von Staatsbediensteten einsetzt.
Mehr als 120 chinesische MenschenrechtsanwältInnen setzen sich für Guo Feixiong ein. Sie haben eine "juristische Unterstützergruppe" gebildet, um ihn bei seinem derzeitigen Fall juristisch zu unterstützen und beraten.
Guo Feixiong ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Frau und die Kinder erhielten im November 2009 politisches Asyl in den USA.
In seinem Artikel "China Needs a New Citizens’ Movement" vom Mai 2012 beschreibt Xu Zhiyong die Bewegung "Neue Bürgerbewegung" als eine friedliche kulturelle, gesellschaftliche und politische Kampagne und legt den Menschen nahe, den "neuen zivilgesellschaftlichen Geist" über Online-Kanäle und auf der Straße zu verbreiten. Sie sollten Verantwortung zeigen, indem sie Korruption ablehnen und sich um die Gemeinschaft verdient machen. Außerdem sollten sie das Zeichen der Bewegung tragen oder auf andere Weise sichtbar sein. Sie sollten am gesellschaftlichen Leben teilhaben und Treffen organisieren, um die politische Lage zu diskutieren, den schwächeren Mitgliedern der Gesellschaft helfen und sich zusammenschließen, um die Arbeit zu teilen und zu koordinieren.
Den vollständigen Text des Artikels finden Sie auf Englisch unter: http://seeingredinchina.com/2012/07/11/china-needs-a-new-citizens-movement-xu-zhiyongs-%E8%AE%B8%E5%BF%97%E6%B0%B8-controversial-essay/
Die Anklage "Versammlung einer Menschenmenge, um die öffentliche Ordnung zu stören" (Artikel 291 des chinesischen Strafgesetzbuchs) kann eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren nach sich ziehen, wenn die oder der Angeklagte als RädelsführerIn gilt und die Situation als ernst eingestuft wird. Angeklagt werden können Personen, die sich an öffentlichen Orten wie z. B. Bahnhöfen oder Busbahnhöfen, Werften, zivilen Flughäfen, Marktplätzen, Parks, Theatern, Kinos, Ausstellungssälen und Sportplätzen versammeln, um die Ordnung zu stören. Sie ist ebenfalls auf Situationen anwendbar, in denen Personen den Verkehr behindern bzw. die Verkehrsordnung stören oder Widerstand gegen staatliche Sicherheitskräfte leisten bzw. sie an der Ausübung ihrer gesetzlichen Tätigkeit hindern.