Weiterer Jugendlicher in Haft

Child detainees in Bahrain

Child detainees in Bahrain

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Inhaftierungen von Minderjährigen in Bahrain im September wurde auch der 14-jährige Sayed Hassan Sayed Mohammad Shubbar festgenommen. Die Staatsanwaltschaft hat seine Haft mit der Begründung verlängert, dass die Ermittlungen noch andauern. Dem Jungen wird Berichten zufolge vorgeworfen, Reifen in Brand gesteckt zu haben. Er wird zurzeit in einer Jugendhaftanstalt festgehalten.

Appell an

KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555, Rifa’a Palace
al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 4587

INNENMINISTER
Shaikh Rashid bin 'Abdullah Al Khalifa
Ministry of Interior, P.O. Box 13
al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 1723 2661
Twitter: @moi_Bahrain

Sende eine Kopie an

MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P.O. Box 450, al-Manama
BAHRAIN
Fax: (00 973) 1753 1284
E-Mail: minister@justice.gov.bh
Twitter: @Khaled_Bin_Ali

BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S. E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über die Website
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt/

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 8. November 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Mit Sorge habe ich von der Inhaftierung von Sayed Hassan Sayed Mohammad Shubbar erfahren. Bitte lassen Sie den 14-Jährigen umgehend frei.

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass Sayed Hassan Sayed Mohammad Shubbar, sollte es begründeten Anlass für eine Anklageerhebung geben, gemäß den internationalen Standards der Jugendgerichtsbarkeit behandelt wird. Diese Standards geben vor, dass Freiheitsentzug bei Minderjährigen nur dann erfolgen sollte, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft wurden.

  • Mir bereitet außerdem Sorge, dass er durch die Inhaftierung nicht zur Schule gehen kann.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the Bahraini authorities to immediately release Sayed Hassan Sayed Mohammad Shubar.

  • Urging the Bahraini authorities, should there be any reasonable grounds for bringing formal charges against Sayed Hassan Sayed Mohammed, to ensure that he is treated in accordance with the international standards of juvenile justice and that under these standards children may only be imprisoned as a measure of last resort.

  • Expressing concern that his detention is interfering with his schooling.

Sachlage

Der 14-jährige Sayed Hassan Sayed Mohammad Shubbar wurde am 17. September von der Polizei festgenommen, als er, seine Familie und andere den Geburtstag eines schiitischen Imams in einer Hussainiya (schiitische Moschee) in dem Dorf al-Sahla westlich der Hauptstadt Manama feierten. Die PolizistInnen brachten den Jungen gegen 19 Uhr zur Polizeiwache al-Khamis. Er wurde dort fast drei Stunden lang verhört. Bei den Verhören ging es um Unruhestiftung und das Verbrennen von Reifen am selben Tag nahe des Dorfes al-Sahla. Ein Beamter soll Sayed Shubbar aufgefordert haben, sich als Informant für die Polizei zu betätigen und gab dem Jungen seine Telefonnummer.

Der Vater von Sayed Shubbar ging noch am selben Tag gegen 22 Uhr zur Polizeiwache und konnte die Polizei davon überzeugen, seinen Sohn freizulassen. Der Vater musste jedoch ein Schriftstück unterzeichnen, in dem er sich verpflichtete, seinen Sohn am nächsten Morgen wieder zu dieser Polizeiwache zu bringen. Dem kam der Vater nach. Am 18. September brachte die Polizei Sayed Shubbar zur Staatsanwaltschaft. Dort wurde er mehrere Stunden lang verhört, ohne dass ihm ein Rechtsbeistand zur Seite gestellt wurde. Der Staatsanwalt klagte ihn an, Reifen in Brand gesteckt zu haben, und ordnete seine Inhaftierung für die nächsten sieben Tage an, da Ermittlungen durchgeführt würden.

Daraufhin wurde Sayed Shubbar von der Polizei zur Wache al-Khamis zurückgebracht, dort medizinisch untersucht und dann in eine dem Innenministerium unterstehende Jugendhaftanstalt in 'Issa Town im Zentrum von Bahrain gebracht. Am 25. September wurde er erneut dem Staatsanwalt vorgeführt. Der Staatsanwalt ordnete mit der Begründung laufender Ermittlungen weitere sieben Tage Haft an. Am 23. September konnten seine Eltern ihn in der Haft besuchen. Sein Vater teilte Amnesty International daraufhin mit, dass sie sehr besorgt seien, insbesondere weil ihr Sohn nun bereits zwei Wochen Unterricht im seinem ersten Jahr in der weiterführenden Schule verpasst hat.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In den vergangenen zwei Jahren sind im Zusammenhang mit den anhaltenden Protesten gegen die Regierung zahlreiche Minderjährige festgenommen worden. Sie werden der "unerlaubten Versammlung", des Unruhestiftens, Verbrennens von Reifen oder Werfens von Molotowcocktails auf Polizeistreifen verdächtigt. Einige sind inzwischen wieder freigelassen worden, aber zahlreiche werden derzeit vor Gericht gestellt oder werden mit der Begründung laufender Ermittlungen ohne Gerichtsverfahren festgehalten. In einer Reihe von Fällen sind die Minderjährigen nach vorliegenden Informationen gefoltert oder in anderer Weise dazu gezwungen worden, "Geständnisse" zu unterzeichnen. In anderen Fällen sind sie wegen Straftaten des Strafgesetzbuchs und des Antiterrorgesetzes von 2006 formell angeklagt, als Erwachsene vor Gericht gestellt, schuldig gesprochen und zu Haftstrafen verurteilt worden.

Die bahrainische Gesetzgebung zu Minderjährigen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten, verstößt gegen die internationalen Standards der Jugendgerichtsbarkeit. Artikel 32 des bahrainischen Strafgesetzbuchs legt als Strafmündigkeit ein Mindestalter von 15 Jahren fest, doch in der Realität liegt die Strafmündigkeit in Bahrain bei sieben Jahren. Dies ist verglichen mit international anerkannten Standards extrem jung. Im bahrainischen Jugendstrafrecht von 1976 gilt als minderjährig, wer nicht älter als 15 Jahre ist, doch laut UN-Kinderrechtskonvention, die Bahrain 1992 ratifiziert hat, ist jede Person unter 18 Jahren minderjährig.

Am 6. August 2013 erließ der König von Bahrain zwei Notverordnungen. Einer dieser Erlasse reformiert das Jugendstrafrecht aus dem Jahre 1976. Darin steht nun, dass die Eltern von Jugendlichen unter 16 Jahren eine schriftliche Verwarnung des Innenministeriums erhalten, wenn die Jugendlichen an Demonstrationen, öffentlichen Versammlungen oder Sitzstreiks teilnehmen. Sollte der oder die Jugendliche sechs Monate nach der Verwarnung erneut bei einer Demonstration gesehen werden, drohen dem Vater eine Geld- oder Gefängnisstrafe oder beides.

Zu den internationalen Grundsätzen der Jugendgerichtsbarkeit, die auf jede Person unter 18 Jahren anwendbar sind, die mit dem Strafjustizsystem in Kontakt kommt, gehören: Haft und Gefängnisstrafen nur mit regelmäßiger Überprüfung als letztes Mittel und nicht länger als absolut nötig; die Zusage, dass Alternativen zum Freiheitsentzug immer dann genutzt werden, wenn dies möglich ist; das Verbot von Einzelhaft; die Trennung von Minderjährigen und erwachsenen Gefangenen; die Beachtung der besonderen Bedürfnisse von Minderjährigen im Gewahrsam und eine besondere Betonung der Läuterung und Resozialisierung von minderjährigen Gefangenen.

Zweieinhalb Jahre nach dem Aufstand in Bahrain und den angekündigten Reformen befinden sich immer noch gewaltlose politische Gefangene in Haft - darunter auch Demonstrierende, die während der Proteste festgenommen wurden. Ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung sowie Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit werden weiterhin unterdrückt. In den vergangenen Monaten wurde gewaltlosen politischen Gefangenen nicht nur die Freilassung verwehrt, es ist sogar vermehrt zu Inhaftierungen von Personen gekommen, die auf Twitter oder bei Demonstrationen friedlich ihre Meinung geäußert haben. Bahrainische Gerichte scheinen stärker darauf bedacht zu sein, sich der Regierung unterzuordnen, als wirksame Rechtsmittel für BahrainerInnen anzubieten und die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten.

Am 12. September verabschiedete das Europäische Parlament eine Resolution, in der die Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten in Bahrain gefordert wird. Neben weiteren Empfehlungen appelliert die Resolution an die bahrainische Regierung, die Rechte von Jugendlichen zu respektieren, sie nicht in Hafteinrichtungen für Erwachsene festzuhalten und allgemein alle Jugendlichen in Übereinstimmung mit dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes zu behandeln, dessen Vertragsstaat Bahrain ist. In einer gemeinsamen Erklärung an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte vom 9. September zur Menschenrechtslage in Bahrain, die 47 Staaten unterzeichnet haben, äußerten diese im Rahmen der 25. Tagung des UN-Menschenrechtsrates ihre Besorgnis über die fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen in Bahrain.