Menschenrechtler inhaftiert
Kyaw Zaw Lwin (auch bekannt als Nyi Nyi Aung), ein Menschenrechtler, der für die in Thailand ansässige Organisation "Forum for Democracy in Burma" arbeitet, wurde am 3. September festgenommen, nachdem er von Thailand nach Yangon, der größten Stadt Myanmars, geflogen war. Er könnte sich in Polizeigewahrsam befinden und es besteht die Gefahr, dass er gefoltert oder in anderer Weise misshandelt wird.
Appell an
INNENMINISTER
Maung Oo
Ministry for Home Affairs
Office No. 10, Naypyitaw,
MYANMAR
(korrekte Anrede: Dear Minister)
Fax: (00 95) 67 412 439
INFORMATIONSMINISTER
Brigadier-General Kyaw Hsan
Ministry of Information
Bldg. (7), Naypyitaw,
MYANMAR
(korrekte Anrede: Dear Minister)
AUSSENMINISTER
Nyan Win
Ministry of Foreign Affairs, Naypyitaw,
MYANMAR
(korrekte Anrede: Dear Minister)
KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER UNION MYANMAR
S.E. Herrn U Tin Win
Thielallee 19, 14195 Berlin
Fax: 030-2061 5720
E-Mail: info@botschaft-myanmar.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Birmanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. Oktober 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY IN BURMESE OR YOUR OWN LANGUAGE:
-
Calling on the authorities to release Kyaw Zaw Lwin immediately and unconditionally unless he is charged with a recognizably criminal offence;
-
urging the authorities to guarantee that Kyaw Zaw Lwin is not tortured or ill-treated while he remains in custody and that he has access to his family, legal counsel, and proper medical care;
- urging the authorities to provide information on his whereabouts, and the reasons and legal basis for his continued detention.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE
-
die Behörden auffordern, Kyaw Zaw Lwin umgehend und bedingungslos freizulassen, es sei denn, er wird wegen einer erkennbaren Straftat verklagt;
-
von den Behörden die Zusicherung fordern, dass Kyaw Zaw Lwin, solange er sich in Haft befindet, weder gefoltert noch misshandelt wird, und dass ihm der Zugang zu medizinischer Versorgung, einem Rechtsbeistand und seiner Familie gestattet wird;
- die Behörden auffordern, Informationen über seinen Aufenthaltsort, die Gründe und die rechtliche Grundlage für seine weitere Haft zu liefern.
Sachlage
Der 39-jährige Kyaw Zaw Lwin ist seit mehr als 20 Jahren in der Demokratiebewegung Myanmars aktiv und war bereits während des Aufstands gegen die Militärregierung 1988 ein studentischer Aktivist. Bei den Aufständen, die von der Militärregierung brutal niedergeschlagen wurden, starben Schätzungen zufolge 3000 Menschen. Kurz darauf floh er nach Thailand. Später wanderte er in die USA aus und wurde US-amerikanischer Staatsbürger. Im Jahr 2005 kehrte er nach Thailand zurück, um sich weiter für die Demokratiebewegung einzusetzen. Im Juni dieses Jahres flog er als Teil einer Delegation von Aktivisten, die sich eine Kampagne zur Befreiung myanmarischer politischer Gefangener einsetzen, nach New York.
Dort reichte er bei den Vereinten Nationen eine Petition ein, für die weltweit Unterschriften gesammelt wurden, um die Freilassung aller politischen Gefangenen in Myanmar zu fordern.
Kyaw Zaw Lwin wollte mit seinem US-amerikanischen Pass und einem Visum, das von der Botschaft Myanmars in Bangkok ausgestellt wurde, nach Myanmar einreisen. Es wird vermutet, dass er wegen seines Engagements für die Demokratie in Yangon festgenommen wurde.
Kyaw Zaw Lwins Mutter und seine Schwester Thet Thet Aung verbüßen derzeit eine fünfjährige bzw. 65-jährige Haftstrafe für ihre Beteiligung an den Antiregierungsprotesten im August und September 2007. Kyaw Zaw Lwins Familienangehörige sind enge Verbündete von Htay Kywe, einem der Anführer der Studierendengruppe "Generation 88". Im Jahr 2007 organisierte die Gruppe erste Demonstrationen gegen die steigenden Öl- und Lebensmittelpreise. Die Demonstrationen weiteten sich aus und wurden als "Safran-Revolution" bekannt, in Anlehnung an die Kleidung der Mönche, die Tausende von friedlichen Demonstranten durch die Straßen von Yangon und zahlreichen anderen Städten Myanmars führten.
Die Demonstranten forderten die Freilassung aller politischen Gefangenen und einen nationalen Versöhnungsprozess, um die tiefe politische Spaltung des Landes zu überwinden. Ende September wurden die Demonstrationen von den Behörden gewaltsam beendet. Htay Kywe verbüßt zurzeit eine 65-jährige Haftstrafe für seine Rolle bei den Protesten.
Hintergrundinformation
Seit Langem prangert Amnesty International die Verletzung der fundamentalen Menschenrechte von Gefangenen in Myanmar an. Menschen werden dort häufig wegen ihres friedlichen politischen Engagements ohne Vorlage eines Haftbefehls festgenommen und ohne Kontakt zur Außenwelt inhaftiert. Folter und andere Formen der grausamen, unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung sind während der Untersuchungshaft gängige Praxis. Gegenwärtig sind mehr als 2200 politische Gefangene in Myanmar inhaftiert, das sind mehr als doppelt so viele wie vor der "Safran-Revolution" 2007.