Menschenrechtler getötet

Honduras

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Am 18. Oktober wurden José Ángel Flores und Silmer Dionisio George vom Kleinbauernverband Movimiento Unificado Campesino del Aguán (MUCA) getötet. Die beiden Menschenrechtsverteidiger wurden im Anschluss an ein Treffen mit mehreren Angehörigen kleinbäuerlicher Gemeinschaften in der Siedlung La Confianza in der Region Bajo Aguán im Nordosten von Honduras erschossen.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE, TWITTER-NACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte ergreifen Sie unverzüglich angemessene und wirksame Maßnahmen, um das Leben und die körperliche Unversehrtheit aller Menschenrechtsverteidiger_innen kleinbäuerlicher Gemeinschaften zu schützen, wie von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission in den Schutzmaßnahmen 50/14 für die Sprecher_innen kleinbäuerlicher Gemeinschaften von Bajo Aguán in Honduras angeordnet.

  • Leiten Sie unverzüglich eine unparteiische und umfassende Untersuchung der Morde an José Ángel Flores und Silmer Dionision George ein, um sowohl die Täter als auch die Verantwortlichen im Hintergrund vor Gericht zu bringen.

  • Sorgen Sie bitte für Maßnahmen zum Schutz der Mitglieder von MUCA sowie anderer kleinbäuerlicher Organisationen, deren Umsetzung unter Berücksichtigung ihrer besonderen Bedürfnisse und nach Rücksprache mit ihnen erfolgt.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to take prompt, appropriate and effective measures to protect the lives and personal integrity of all the campesino human rights defenders covered by the IACHR precautionary measures 50/14 - Campesino Leaders of Bajo Aguán, Honduras.

  • Calling on them to initiate a prompt, impartial and thorough investigation into the murders of José Ángel Flores and Silmer Dionisio George, to identify both the material and intellectual perpetrators and bring those to justice.

  • Calling on them to protect MUCA members as well as other campesino movements in accordance with their specific needs and adopted and implemented in consultation with them.

Sachlage

Am Nachmittag des 18. Oktober schossen Unbekannte mehrfach auf José Ángel Flores, den Vorsitzenden des Kleinbauernverbandes Movimiento Unificado Campesino del Aguán (MUCA), sowie auf Silmer Dionisio George, ebenfalls Mitglied von MUCA, als diese ein Treffen mit mehreren Angehörigen kleinbäuerlicher Gemeinschaften in der Siedlung La Confianza verließen. José Ángel Flores starb sofort. Campesino-Aktivist_innen brachten Silmer Dionisio George in ein Krankenhaus, wo er den Folgen seiner Schussverletzungen erlag. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hatte 2014 beiden Menschenrechtsverteidigern sowie weiteren 121 Sprecher_innen von Kleinbauernverbänden in der Region Schutzmaßnahmen zugesprochen. Die Kommission forderte Honduras auf, angesichts der großen Gefahr angemessene Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit dieser Personen zu ergreifen.

Ein ebenfalls unter die Schutzmaßnahmen fallender Sprecher des regionalen Kleinbauernverbandes Plataforma Agraria Regional del Valle del Aguán berichtete Amnesty International, dass José Ángel Flores während des gesamten vergangenen Jahres Drohanrufe erhalten habe. Silmer Dionisio George hatte die Region Bajo Aguán zu Anfang des Jahres aufgrund wiederholter Drohungen gegen ihn verlassen müssen. Das Komitee der Familienangehörigen von „Verschwundenen“ und Inhaftierten (Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras – COFADEH) bestätigte, dass beide Sprecher aufgrund ihrer Arbeit als Menschenrechtsverteidiger konstanten Drohungen ausgesetzt waren.

Der Organisation Coordinadora de Organizaciones Populares del Aguan (COPA) zufolge wurden seit 2010 insgesamt 116 Sprecher_innen von Kleinbauernverbänden und -gemeinschaften in der Region Bajo Aguán ermordet.

Appell an:

PRÄSIDENT
Juan Orlando Hernández
Presidente de la República
Casa Presidencial, Bulevar Juan Pablo II
Tegucigalpa
HONDURAS
(Anrede: Dear President / Estimado Señor Presidente / Sehr geehrter Herr Präsident)
E-Mail: karlacueva144@gmail.com
Twitter: @JuanOrlandoH

GENERALSTAATSANWALT
Óscar Fernando Chinchilla
Fiscal General de la República
Ministerio Público, Lomas del Guijarro
Tegucigalpa
HONDURAS
(Anrede: Dear Attorney General / Estimado Señor Fiscal / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
E-Mail: fiscalgeneral@hushmail.com
Twitter: @MP_Honduras

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
Botschaft der Republik Honduras
S. E. Herrn Ramón Custodio Espinoza
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: 030-3974 9712
E-Mail: informacion.embahonduras.de@gmail.com

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch, Spanisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. November 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Seit 2009 kommt es in der Region Bajo Aguán im Departamento Colón verstärkt zu Angriffen und Drohungen gegen Angehörige kleinbäuerlicher Gemeinschaften. Diese Gemeinschaften kämpfen um den Zugang zu Land in einer Region, die durch wachsende Militarisierung und kilometerlange Palmölplantagen geprägt ist. Sie berichten von einem Geheimfriedhof in der Gemeinde Panamá, wo ihrer Vermutung nach Angehörige ihrer Bewegung begraben sind. Außerdem wurden sie Opfer von Zwangsräumungen, bei denen exzessive Gewalt angewendet wurde. Es gibt zahlreiche Ermittlungen und Verfahren gegen Angehörige kleinbäuerlicher Gemeinschaften, die der rechtswidrigen Aneignung von Land beschuldigt werden.

COFADEH zufolge wurde zwischen 2010 und 2016 gegen etwa 700 Angehörige kleinbäuerlicher Gemeinschaften aus der Region strafrechtlich ermittelt. Im vergangenen Jahr musste die Gemeinschaften sechs Angriffe, drei Entführungen, 16 Fälle von Dauerüberwachung, fünf Fälle von Unterwanderung der Bewegung und acht Fälle von Schikanierung erleben.

In ihrem jüngsten Bericht zu Honduras legte die Interamerikanische Menschenrechtskommission den honduranischen Behörden eine Verstärkung der für Gewaltverbrechen zuständigen Polizeieinheit von Bajo Aguán sowie die Einrichtung eines runden Tisches mit Vertreter_innen verschiedener kleinbäuerlicher Organisationen in der Region nahe. Außerdem forderte die Kommission die Behörden auf, ihre Bemühungen bei der Untersuchung von Gewaltvorfällen in der Region zu verstärken und sowohl die Täter_innen als auch die Verantwortlichen im Hintergrund zu bestrafen, insbesondere durch Klärung der Verantwortung, falls staatliche Kräfte beteiligt gewesen sein sollten.

Weitere Informationen zur Lage von Verteidigerinnen von Menschenrechten sowie Land-, Gebiets- und Umweltrechten in Honduras finden Sie in den englischsprachigen Berichten ‘We are defending the land with our blood’: Defenders of the land, territory and environment in Honduras and Guatemala_ (https:www/amnesty.org/en/documents/amr01/4562/2016/en/) und Defending human rights in the Americas: Necessary, legitimate and dangerous (https://www.amnesty.org/en/documents/amr01/0003/2014/en/).