Aktivisten "verschwunden"

Ergebnis dieser Urgent Action

Die beiden aus dem Süden des Jemen stammenden politischen Aktivisten Anwar Ismail und Khaled al-Junaidi wurden ohne Anklage freigelassen. Nach ihrer Festnahme und ihrem Verschwindenlassen im August wurden sie ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten und Berichten zufolge gefoltert und anderweitig misshandelt.

Khaled al-Junaidi

Khaled al-Junaidi

Die beiden aus dem Süden des Jemen stammenden politischen Aktivisten Anwar Ismail und Khaled al-Junaidi sind verschwunden. Es wird befürchtet, dass sie dem Verschwindenlassen durch Sicherheitskräfte zum Opfer gefallen sind. Sie sind in Gefahr, gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden.

Appell an

INNENMINISTER
His Excellency Abdu Hussein Muhsen al-Turab
Ministry of the Interior
Sana’a
JEMEN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 967) 1 514 532 oder (00 967) 1 331 899
E-Mail: moi@yemen.net.ye

GOUVERNEUR VON ADEN
Waheed Ali Rasheed

PO Box: 6013, Khormaksar
Aden
JEMEN
(Anrede: Dear Mr Waheed Ali Rasheed / Sehr geehrter Herr Rasheed)
Fax: (00 967) 2 224 6996
E-Mail: adengov8@gmail.com

Sende eine Kopie an

MINISTERIN FÜR MENSCHENRECHTE
Her Excellency Houriah Ahmed Mashhour
Ministry of Human Rights
Sana'a
JEMEN
Fax: (00 967) 1 444 833
E-Mail: mshr@y.net.ye

BOTSCHAFT DER REPUBLIK JEMEN
S. E. Herrn Abdulrahman Abdulla Salem Bahabib
Budapester Str. 37
10787 Berlin
Fax: 030-8973 0562
E-Mail: info@botschaft-jemen.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 17. Oktober 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Geben Sie unverzüglich den Aufenthaltsort von Anwar Ismail und Khaled al-Junaidi bekannt und stellen Sie sicher, dass sie vor Folter und anderweitigen Misshandlungen geschützt sind. Stellen Sie zudem auch sicher, dass ihnen umgehend Zugang zu ihren Familien und Rechtsbeiständen ihrer Wahl gewährt wird.

  • Lassen Sie die beiden Männer frei, sofern sie keiner international als Straftat anerkannten Handlung angeklagt werden, oder bringen Sie sie unverzüglich in eine reguläre Haftanstalt. Zudem möchte ich Sie daran erinnern, dass die friedliche Wahrnehmung der Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit im Völkerrecht verankert ist.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the Yemini authorities to reveal the whereabouts of Anwar Ismail and Khaled al-Junaidi and to ensure that they are protected from torture and other ill-treatment, and are immediately granted access to their family and a lawyer of their choice.

  • Urging that they are immediately moved to a recognized detention centre and promptly charged with a recognizable criminal offence, or else released immediately and unconditionally, and stressing that the peaceful exercise of the rights to freedom of expression and peaceful assembly are guaranteed in international law.

Sachlage

Anwar Ismail und Khaled al-Junaidi sind am 28. bzw. 31. August verschwunden. Anwar Ismail verschwand, nachdem er am 28. August an einer Demonstration in der südjemenitischen Stadt Aden teilgenommen hatte. Augenzeugenberichten zufolge wurde Khaled al-Junaidi am 31. August an einer Tankstelle in Aden zusammengeschlagen und von bewaffneten, unbekannten Männern in ein Zivilfahrzeug gezogen. Man geht davon aus, dass es sich bei diesen Männern um Sicherheitsbeamte handelte.

Beide Aktivisten waren bereits in den vergangenen Monaten von den Behörden unter ähnlichen Umständen inhaftiert worden. Am 21. November 2013 wurde Khaled al-Junaidi von der Sonderabteilung für Sicherheit, die auch unter dem Namen Zentrale Sicherheit bekannt ist, festgenommen und 21 Tage festgehalten, die meiste Zeit davon ohne Kontakt zur Außenwelt. Die Behörden informierten seine Familie erst sechs Tage nach der Festnahme über seinen Verbleib. Anwar Ismail wurde 2014 mindestens zwei Mal festgenommen, unter anderem Anfang März. Seinen Angaben zufolge wurde er von Sicherheitskräften gefoltert. Beide Männer waren über einen Zeitraum von ein bis drei Wochen festgehalten worden, bevor die Behörden sie ohne Anklage oder Gerichtsverfahren wieder freiließen.

Anwar Ismail und Khaled al-Junaidi sind führende Aktivisten der Bewegung Southern Movement, auch bekannt als Hirak-Bewegung. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss verschiedener politischer Gruppierungen im Süden des Jemen, von denen viele die Abspaltung des ehemaligen Südjemen vom übrigen Teil des Landes fordern.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im Süden des Jemen kommt es seit 2007 immer wieder zu Protesten. Es begann mit Demonstrationen von pensionierten Soldat_innen aus dem Süden, die beanstandeten, dass sie hinsichtlich Anstellung, Vergütung und Rentenzahlungen gegenüber den Soldat_innen aus dem Norden benachteiligt werden. Seitdem wird auf vielen Demonstrationen gegen die Diskriminierung von Menschen aus dem Süden immer häufiger eine Abspaltung gefordert. Auch seit der Absetzung der ehemaligen Regierung im Jahr 2011 wird nach wie vor eine Abspaltung verlangt.

Die Bewegung Southern Movement ist ein loser Zusammenschluss verschiedener politischer Gruppierungen, von denen viele die friedliche Abspaltung des ehemaligen Südjemen vom übrigen Teil des Landes fordern. Dieser
war bis zur Vereinigung des Landes im Jahr 1990 unabhängig. Die Bewegung Southern Movement scheint aus den oben genannten Protesten hervorgegangen zu sein und begann damit, eigene Protestveranstaltungen zu organisieren, da es nach ihrer Wahrnehmung der Regierung nicht gelungen war, der Diskriminierung von Menschen aus dem Südjemen ein Ende zu bereiten.

Die Regierung ging gegen diese Proteste rigoros vor. Zahlreiche Teilnehmer_innen wurden von den Sicherheitskräften am Ort oder in der Nähe der Demonstrationen getötet. Vielfach schien es sich dabei um rechtswidrige Tötungen gehandelt zu haben, da von den Opfern keine Gefahr für das Leben der Sicherheitskräfte oder anderer Menschen ausgegangen war. Seit Beginn der Proteste im Jahr 2007 haben die Sicherheitskräfte neben führenden Mitgliedern und Aktivist_innen der Bewegung Southern Movement auch mehrere tausend Demonstrierende und unbeteiligte Passant_innen festgenommen und inhaftiert, viele von ihnen in willkürlicher Weise.