Drohende Hinrichtung
Ergebnis dieser Urgent Action
Earl Ringo wurde am 10. September im US-Bundesstaat Missouri hingerichtet, nachdem die zuständigen Gerichte sich geweigert hatten, einzuschreiten und der Gouverneur das Gnadengesuch abgelehnt hatte. Die Exekution von Earl Ringo war die achte des Jahres 2014 in Missouri.
© Fons Hickmann
Earl Ringo soll am 10. September im US-Bundesstaat Missouri hingerichtet werden. Er war 1999 wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt worden. Seine Rechtsbeistände fordern eine Umwandlung des Todesurteils sowie eine Untersuchung wegen Rassendiskriminierung.
Appell an
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MISSOURI
Governor Jay Nixon
Office of the Governor
P.O. Box 720
Jefferson City
MO 65102
USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
E-Mail: über die Webseite: http://governor.mo.gov/contact/
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 10. September 2014 ankommen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte weder den Mord an Dennis Poyser und Joanna Baysinger entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.
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Jedoch möchte ich darauf hinweisen, dass die Geschworenen nicht darüber in Kenntnis gesetzt wurden, dass Earl Ringo in sehr ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und in seiner Kindheit schwer misshandelt worden war. Diese Informationen hätten als mildernde Umstände berücksichtigt werden müssen.
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Ich unterstütze daher eine Untersuchung über mögliche Rassendiskriminierung in seinem Fall und möchte auch auf mehrere Studien hinweisen, die bereits festgestellt haben, dass rassische Gesichtspunkte in Missouri und auch landesweit bei der Anwendung der Todesstrafe eine Rolle spielen.
- Ich möchte Sie daher inständig bitten, sich gegen die Hinrichtung von Earl Ringo auszusprechen und sich für die Umwandlung des Todesurteils in eine Haftstrafe einzusetzen.
Sachlage
Im Juli 1998 wurden bei einem nächtlichen Raubüberfall auf ein Restaurant in Columbia im US-Bundesstaat Missouri zwei Personen erschossen. Es handelte sich um Dennis Poyser, einen Auslieferungsfahrer, und Joanna Baysinger, eine leitende Angestellte des Restaurants. Der damals 24-jährige Earl Ringo wurde neun Tage später festgenommen. Sein Freund Quentin Jones stellte sich am selben Tag wegen Mordes und anderer Vergehen den Behörden. Um der Todesstrafe zu entgehen, erklärte er sich bereit, gegen Earl Ringo auszusagen. Die beiden Mordopfer waren weiß, Earl Ringo ist schwarz.
Auf Antrag der Verteidigung hin wurde zu Beginn der Verhandlung der Gerichtssort verlegt. Daraufhin stimmte die Verteidigung zu, die Geschworenen aus den Bewohner_innen von Cape Girardeau County auszuwählen, einem hauptsächlich von Weißen bewohnten County im Südosten von Missouri. Im ersten Auswahlverfahren befanden sich 163 mögliche Geschworene, von denen lediglich vier schwarz waren. Nur eine der vier Schwarzen wurde als potenzielle Geschworene in Betracht gezogen, dann jedoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft nicht ausgewählt. Die Jury bestand letztendlich aus zwölf weißen Geschworenen. Auch Richter, Staatsanwalt und Verteidiger waren weiß.
Im Jahr 2012 veröffentlichte die American Bar Association Untersuchungsergebnisse, laut denen es Anzeichen dafür gibt, dass in Missouri in Mordprozessen, die potenziell die Todesstrafe nach sich ziehen können, die Entscheidung der Staatsanwaltschaft und Geschworenen von rassischen Gesichtspunkten beeinflusst wird. So kommt beispielsweise eine bereits 1995 veröffentlichte Studie zu dem Schluss, dass in Missouri in Fällen mit weißen Mordopfern strengere Urteile gefällt werden als in Fällen, in denen die Opfer schwarz waren. Die Folgerung einer weiteren Studie aus dem Jahr 2009 lautete, dass "auch in Missouri die Strafverfolgung von Mord und die Anwendung der Todesstrafe von rassischen Gesichtspunkten beeinflusst werden".
Die Rechtsbeistände von Earl Ringo haben den Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, aufgefordert, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, um sein Gnadengesuch zu prüfen und um festzustellen, ob in seinem Fall von Rassendiskriminierung gesprochen werden kann. Wenigstens aber fordern sie eine Hinrichtungsaussetzung, um die Ergebnisse einer Studie zur Anwendung der Todesstrafe in Missouri abzuwarten, die derzeit von der Saint Louis University durchgeführt wird und in der auch das Thema Rassendiskriminierung eine Rolle spielt.
Earl Ringo wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf und wurde in seiner Kindheit schwer misshandelt. Hierzu brachte die Verteidigung jedoch bei der Verhandlung im Jahr 1999 in der Verfahrensphase, in der über das Strafmaß befunden wurde, so gut wie nichts vor.
Seit 1976 sind in den USA 1.386 Personen hingerichtet worden, 77 davon im Bundesstaat Missouri. Bisher sind im Jahr 2014 landesweit 27 Todesurteile vollstreckt worden, davon sieben in Missouri. Sechs der sieben Personen, die in Missouri hingerichtet wurden, waren wegen des Mordes an weißen Personen zum Tode verurteilt worden. Drei der hingerichteten Personen waren schwarz, und zwei von ihnen wurden wegen des Mordes an weißen Personen exekutiert.
Amnesty International wendet sich in allen Fällen ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode.