Kleinbauer getötet
Friedensgemeinde San José de Apartadó
© Privat
In Kolumbien haben Paramilitärs einen Kleinbauern getötet, der enge Verbindungen zur Friedensgemeinde San José de Apartadó im Nordwesten des Landes hatte. Weitere Bewohner_innen kleinbäuerlicher Gemeinden in der Gegend sind ebenfalls in Gefahr, da sie von den Paramilitärs verdächtigt werden, Guerillakämpfer_innen zu sein.
Appell an
PRÄSIDENT
Juan Manuel Santos
Presidente de la República, Palacio de Nariño, Carrera 8 No.7-26, Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Dear President Santos / Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631
VERTEIDIGUNGSMINISTER
Señor Luis Carlos Villegas
Ministerio de Defensa
Carrera 54, no.26-29, Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Dear Minister / Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 266 1003
Sende eine Kopie an
FRIEDENSGEMEINDE
Comunidad de Paz de San José de Apartadó
AA 243 de Apartadó
Antioquia
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 10. November 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit der Bewohner_innen der Friedensgemeinde San José de Apartadó und der anderen Bewohner_innen der Gegend.
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Ich bitte Sie eindringlich, die Tötung von Ernesto Guzmán sowie die Drohungen und die Präsenz der Paramilitärs vollständig und unparteiisch zu untersuchen, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
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Ich möchte Sie daran erinnern, dass die Zivilbevölkerung das Recht hat, nicht in bewaffnete Auseinandersetzungen hineingezogen zu werden. Dieses Recht gilt auch für die Bewohner_innen der Friedensgemeinde San José de Apartadó sowie die anderen nahe der Friedensgemeinde lebenden Menschen.
- Bitte ergreifen Sie unverzüglich alle nötigen Maßnahmen, um paramilitärische Gruppen aufzulösen und deren Verbindungen zu den Streitkräften zu lösen, entsprechend den Zusagen der kolumbianischen Regierung.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern for the safety of the members of the Peace Community of San José de Apartadó and other civilians living in the area.
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Urging the authorities to order full and impartial investigations into the killing of Ernesto Guzmán and the threats by and presence of paramilitaries, to bring those responsible to justice and publish the results.
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Reminding them that civilians, including the San José de Apartadó Peace Community and other civilians living in the area, have the right to not be drawn into the armed conflict.
- Urging them to take immediate action to dismantle paramilitary groups and break their links with the security forces, in line with stated government commitments.
Sachlage
Am 21. September wurde Ernesto Guzmán in der Ortschaft Mulatos in der Gemeinde Apartadó im Departamento Antioquia von Paramilitärs getötet. Er war kein Bewohner der Friedensgemeinde San José de Apartadó, war jedoch mit einigen von ihnen verwandt und verkaufte regelmäßig landwirtschaftliche Erzeugnisse an die Bewohner_innen. Einige Männer kamen auf sein Grundstück, schossen auf ihn und griffen ihn mit einer Machete an. Ernesto Guzmán erlag später seinen Verletzungen. Laut den Bewohner_innen der Friedensgemeinde gibt es in Mulatos eine starke paramilitärische Präsenz. Ein Grundstück der Paramilitärs grenzt offenbar an das von Ernesto Guzmán. Vor drei Monaten haben die Paramilitärs versucht, Ernesto Guzmán dazu zu bringen, ihnen sein Grundstück zu verkaufen.
Am 11. September hielt dieselbe paramilitärische Gruppe einige Bewohner_innen kleinbäuerlicher Gemeinden aus Mulatos und La Resbalosa in der Ortschaft Playa Larga an, wo sie eine Dreschmaschine für ihren Reis nutzen wollten. Die Paramilitärs, die Kampfanzüge trugen und bewaffnet waren, bezeichneten sie als Guerillakämpfer_innen und sagten ihnen, sie dürften Playa Larga nicht betreten. Personen, die als Guerillakämpfer_innen bezeichnet werden, sind in der Vergangenheit häufig bedroht oder getötet worden. Paramilitärische Gruppen sind nach wie vor in der Gegend aktiv, obwohl die Sicherheitskräfte dort eine starke Präsenz unterhalten. Amnesty International und andere NGOs sowie die Friedensgemeinde warnen seit einiger Zeit vor den Gefahren dieser paramilitärische Präsenz und haben bereits mehrfach gefordert, etwas dagegen zu unternehmen.
Hintergrundinformation
Die Friedensgemeinde San José de Apartadó setzt sich aus Bewohner_innen mehrerer Ortschaften zusammen, die in der Gemeinde Apartadó im Departamento Antioquia im Nordwesten Kolumbiens liegen. Die Bewohner_innen der Region verteidigen sowohl gegenüber den Sicherheitskräften als auch den Guerillaeinheiten ihr Recht, nicht in den bewaffneten Konflikt Kolumbiens hineingezogen zu werden und wehren sich dagegen, für eine Seite Partei zu ergreifen. Die Bewohner_innen verweigern das Tragen von Waffen und liefern keiner der beiden Seiten Informationen oder logistische Unterstützung. Als Gegenleistung verlangt die Friedensgemeinde, dass die an dem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien sich von ihrem Land fernhalten und ihre neutrale Position respektieren.
Die Friedensgemeinde wurde am 23. März 1997 gegründet. Seitdem sind mehr als 200 ihrer Bewohner_innen getötet worden oder dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen, weitere Personen wurden bedroht oder sexuell missbraucht. Die Bewohner_innen der Friedensgemeinde befinden sich in ständiger Gefahr. Die meisten Tötungen wurden von Paramilitärs mit Billigung und Unterstützung der lokalen Streitkräfte begangen. In anderen Fällen wurden die Tötungen von Guerillagruppen verübt. In den vergangenen zehn Jahren wurden neben Bewohner_innen der Friedensgemeinde auch Menschen getötet, die lediglich nahe des von der Friedensgemeinde besiedelten Gebietes lebten oder enge Verbindungen zu deren Bewohner_innen unterhielten.
Personen, die ihre Teilnahme an dem bewaffneten Konflikt verweigern und für keine der Seiten Partei ergreifen, sehen sich Verdächtigungen und Feindseligkeiten vonseiten der Paramilitärs, der Armee und der Guerillagruppen ausgesetzt.
Nach Verabschiedung des Gesetzes für Gerechtigkeit und Frieden sind die paramilitärischen Gruppen in Kolumbien angeblich ab 2005 aufgelöst worden; dass sie jedoch weiterhin aktiv sind, belegen die von ihnen in verschiedenen Teilen des Landes verübten Tötungen und ihre Drohungen gegen Menschenrechtsverteidiger_innen und andere Mitglieder der Zivilgesellschaft. Das Gesetz für Gerechtigkeit und Frieden sah eine Höchststrafe von acht Jahren Gefängnis für Paramilitärs vor, die sich zu Menschenrechtsverstößen bekennen und gestohlene Vermögenswerte, darunter auch Landflächen, an die rechtmäßigen Besitzer_innen zurückgeben. Seit dem Beginn des Verfahrens wurden jedoch nur relativ wenige Angehörige der paramilitärischen Kräfte wegen Menschenrechtsverstößen verurteilt. Angehörige der paramilitärischen Kräfte, die die Höchststrafe von acht Jahren Haft verbüßt haben, haben nun ein Anrecht auf bedingte Entlassung. Die rechtlichen Verfahren gegen den Großteil derer, die eine solche bedingte Freilassung beantragen werden, sind noch nicht abgeschlossen. Amnesty International befürchtet, dass keine wirksamen Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass die Paramilitärs, die in ihre Gemeinden zurückkehren, keine Bedrohung für ihre einstigen Opfer und andere Personen darstellen.