Familie eingeschüchtert
Mario Orlando Sequeira Canales starb am 1. Juni 2010 im Gewahrsam der Polizei. Nun wird seine Familie eingeschüchtert. Wiederholt ist ein Polizeifahrzeug beobachtet worden, das um das Haus der Familie fuhr. Die PolizistInnen, denen die Tötung von Mario Sequeira zur Last gelegt wird, sollen vor Gericht gestellt werden, befinden sich aber noch auf freiem Fuß.
Appell an
GENERALSTAATSANWALT
Sr. Luis Alberto Rubí
Fiscal General de la República
Lomas del Guijarro,
Avenida República Dominicana
Edificio Lomas Plaza II
Tegucigalpa
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Attorney General / Estimado Sr. Fiscal General)
Fax: (00 504) 221 5667
SICHERHEITSMINISTER
Carlos Africo Madrid Hart
Secretaría de Estado en el Despacho de Seguridad, Plantel Casamata, subida al Picacho,
Tegucigalpa, M.D.C,
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Minister / Estimado Sr.Ministro)
Fax: (00 504) 232 0226
Sende eine Kopie an
ÖRTLICHE NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras (COFADEH)
Barrio La Plazuela, Avenida Cervantes
Casa No. 1301
Tegucigalpa
HONDURAS
Fax: (00 504) 220 5280 (Wenn jemand abhebt, sagen Sie "tono de fax, por favor".)
BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
Frau Vania Maribel Garcia Morales, Gesandte-Botschaftsrätin (Geschäftsträgerin a.i.)
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: 030-3974 9712
E-Mail: informacion@embahonduras.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 9. November 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Bitte suspendieren Sie die PolizistInnen, die für die Tötung von Mario Orlando Sequeira verantwortlich sein sollen, bis zum Abschluss der Ermittlungen vom Dienst.
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Leiten Sie bitte umgehend eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Einschüchterungen und Drangsalierungen von Familie Sequeira Canales ein.
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Alle für den Tod von Mario Orlando Sequeira Verantwortlichen müssen ermittelt und vor Gericht gestellt werden.
- Bitte leiten Sie alle erforderlichen Schritte ein, um Familie Sequeira Canales zu schützen. Dabei muss die Form des Schutzes, der gewährt wird, nach den Wünschen der Familie gestaltet und mit ihr abgestimmt werden.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the authorities to suspend the officers believed to be responsible, pending the outcome of the investigation for this crime;
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Calling for an independent, thorough and impartial investigation into the harassment and intimidation against the Sequeira Canales family and for the people responsible for the killing of Mario Sequeira to be held accountable;
- Urging that the authorities take immediate steps to offer protection to the Sequeira Canales family. The form of protection provided must be must be agreed with them and reflect their own wishes.
Sachlage
Mario Orlando Sequeira war honduranischer Staatsbürger, lebte jedoch in den USA. Er wurde am Abend des 1. Juni 2010 in Siguatepeque, Zentral-Honduras, festgenommen. Er hielt sich in Honduras auf, um seine Familie zu besuchen. Wenige Stunden nach seiner Festnahme starb er in Polizeigewahrsam. Die gerichtsmedizinische Untersuchung kam zu dem Schluss, dass er geschlagen und erstickt worden war.
Die Polizei nahm ihn am 1. Juni fest, weil er betrunken gewesen sein soll und die Gäste im Hotel, in dem er übernachtete, durch sein Verhalten belästigte. Ein Verwandter war Zeuge der Festnahme und ging zur Polizeiwache, um sich zu erkundigen, warum Mario Sequeira festgenommen worden war. Er hörte die Schreie von Mario Sequeira aus seiner Zelle, erfuhr aber von der Polizei nichts über die Gründe für die Festnahme, sondern wurde lediglich aufgefordert, am folgenden Tag wiederzukommen. Als er am nächsten Tag zur Polizeiwache kam, verwies man ihn an die Staatsanwaltschaft. Dort erfuhr er, dass sich der Leichnam von Mario Sequeira im Leichenschauhaus von Tegucigalpa befände. Nachdem die Familie den Leichnam dort vorfand, erstattete sie bei der Staatsanwaltschaft Anzeige und forderte Ermittlungen zur Todesursache von Mario Sequeira.
Seitdem wird die Familie Sequeira Canales immer wieder auf einschüchternde Weise beschattet. So fuhren dieselben PolizistInnen, die Mario Sequeira festgenommen hatten, im Juni wiederholt mit einem Polizeifahrzeug am Haus der Familie vorbei. Zudem hat die Familie Autos ohne Nummernschilder beobachtet, die um das Haus herumfuhren. Seit dem 6. September wird die Familie erneut eingeschüchtert und beschattet. Kurz darauf sollte das Gerichtsverfahren gegen die PolizistInnen, denen die Tötung von Mario Sequeira zur Last gelegt wird, beginnen. Die mutmaßlich verantwortlichen PolizistInnen befinden sich nach wie im Dienst in der Stadt Siguatepeque.
Angehörige der Familie Sequeira Canales haben sowohl beim Innenministerium als auch bei der Staatsanwaltschaft zwei Mal Schutzmaßnahmen beantragt. Die Behörden haben bislang aber keine Schritte eingeleitet, um die Familie während des Gerichtsverfahrens zu schützen. Die Familie ist nach wie vor in Gefahr, da in der Vergangenheit in Fällen, in denen PolizistInnen wegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht gestellt wurden, ZeugInnen während der Ermittlungen und Gerichtsverfahren häufig eingeschüchtert und tätlich angegriffen wurden. Als im März 2010 eine Transgender-Frau einen Polizisten wegen versuchten Mordes vor Gericht brachte, wurde sie während des Prozesses mehrfach Opfer von Drohungen und sogar Anschlägen.
Hintergrundinformation
In Honduras herrscht nach wie vor Straffreiheit in vielen Fällen von Menschenrechtsverletzungen. Fälle von exzessiver Gewalt der Sicherheitskräfte werden nur selten untersucht. Im Dezember töteten Polizeiangehörige die beiden Umweltschützer Heraldo Zúñiga und Roger Iván Cartagena, die beide der Umweltbewegung Environmentalist Movement of Olancho (MAO) angehörten. Als sich Familienangehörige der beiden Umweltschützer und weitere MAO-Mitglieder für die Aufklärung der Morde einsetzten, wurden sie eingeschüchtert und ständig beschattet. Angehörige der Polizei sollen im Vorfeld des Gerichtsverfahrens Beweise am Tatort manipuliert haben. 2008 wurden die vier Polizisten, die der Morde für schuldig befunden waren, bis zur Festsetzung des Strafmaßes in einer Militärkaserne inhaftiert. Am 22. Juli 2008 gelang zwei der Polizisten die Flucht, wenige Tage später konnte der dritte entkommen.