MENSCHENRECHTLER BEDROHT
Häufig werden Migranten in Mexiko Opfer krimineller Banden
© Amnesty International (Photo: Ricardo Ramírez Arriola)
Appell an
INNENMINISTER
Miguel Ángel Osorio Chong
Secretario de Gobernación
Bucareli 99, col. Juárez
C.P. 6600, México D.F., México
(Anrede: Estimado Señor Secretario / Sehr geehrter Herr Minister / Dear Minister)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx
GENERALSTAATSANWALT VON MEXIKO
Jesús Murillo Karam
Paseo de la Reforma 211-213
Col. Cuauhtémoc, Distrito Federal
C.P. 06500, MEXIKO
(Anrede: Estimado Procurador General / Dear Attorney General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 52) 55 5346 0908
E-Mail: ofproc@pgr.gob.mx
Sende eine Kopie an
MEXIKANISCHE NGO
Todos por Ellos
E-Mail: ravesa@msn.com
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
I. E. Frau Patricia Espinosa Cantellano
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23 700
E-Mail: mail@mexale.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 7. August 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Mit großer Sorge habe ich von der Einschüchterung und Bedrohung von José Ramón Verdugo Sánchez, Jorge Adevar Echeverría, der Mitarbeiter_innen, Freiwilligen und Migrant_innen der Migrantenherberge "Todos por Ellos" erfahren. Bitte sorgen Sie in Absprache mit den Betroffenen für wirksame Schutzmaßnahmen für José Ramón Verdugo Sánchez, Jorge Adevar Echeverría sowie alle übrigen Mitarbeiter_innen, Freiwilligen und Migrant_innen von "Todos por Ellos" und überprüfen Sie die bereits bestehenden Maßnahmen.
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Ich bitte Sie zudem, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Bedrohung der Mitarbeiter_innen und Migrant_innen der Migrantenunterkunft am 24. Juni durchzuführen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und Maßnahmen zu ergreifen, um eine Umsetzung der Bedrohung zu verhindern.
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Ich bin äußerst besorgt darüber, dass die Sicherheitsmaßnahmen der nationalen Stelle für den Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen nicht umgehend ausgeführt wurden.
- Ich fordere Sie höflich auf, kriminelle Banden, die sowohl auf Migrant_innen ohne regulären Aufenthaltsstatus im Bundesstaat Chiapas sowie auf die für sie tätigen Verteidiger_innen der Migrantenrechte abzielen und alle Beamt_innen, die mit den Bandenmitgliedern zusammenarbeiten, zur Rechenschaft zu ziehen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the authorities to provide effective protection to José Ramón Verdugo Sánchez, Jorge Adevar Echeverría, staff, volunteers and migrants at the Todos por Ellos shelter, in strict accordance with their wishes and review those measures already in place.
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Urging them to initiate a full and impartial investigation into the threat against shelter staff on 24 June, for the person responsible to be held to account and for measures to be taken to ensure the threat is not carried out.
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Expressing concern that the security measures provided by the Federal Mechanism for the Protection of Human Rights Defenders and Journalists failed to be immediately activated.
- Calling for federal and state authorities to combat criminal gangs targeting irregular migrants in Chiapas State and migrants’ rights defenders working on their behalf, and hold to account any public officials implicated in colluding with gang members.
Sachlage
José Ramón Verdugo Sánchez, Koordinator der Migrantenherberge Todos por Ellos, und andere Personen wurden in der Herberge in Tapachula im Bundesstaat Chiapas im Südosten Mexikos von einem Bandenmitglied mit dem Tod bedroht. Die Polizei kam zwar zu Hilfe, aber nicht im Rahmen der offiziell zugesagten Schutzmaßnahmen. Die Mitarbeiter_innen, Migrant_innen und Freiwilligen der Herberge könnten in Lebensgefahr sein.
Am 24. Juni wurde José Ramón Verdugo Sánchez (bekannt als Hermano Ramón), Koordinator der Migrantenherberge Todos por Ellos, von einem früheren Herbergsbewohner, der anschließend einer bekannten lokalen Bande beigetreten war, mit dem Tod bedroht. Der Angreifer sagte zu José Ramón Verdugo Sánchez: "Es tut mir leid, Bruder. Ich weiß, dass du mir geholfen hast, aber ich muss dich töten. Ich muss jeden hier in der Herberge umbringen, weil ich den Auftrag dafür bekommen habe". (Perdóneme hermano, yo sé que usted me ha hecho muchos paros pero lo tengo que matar, tengo que matar a los que están acá en el albergue, tengo que matarlos porque me mandan a hacerlo).
Ein weiterer Koordinator der Herberge, Jorge Adevar Echeverría, bat den bundesstaatlichen Polizeibeamten, der vor der Herberge in einem Auto stationiert war, um Hilfe. Im Rahmen der Sicherheitsmaßnahmen der nationalen Stelle für den Schutz von Menschenechtsverteidiger_innen und Journalist_innen soll der Polizeibeamte Schutz bieten, jedoch hat er diese Aufgabe nicht erfüllt. José Ramón Verdugo Sánchez betätigte daraufhin den im Rahmen derselben Sicherheitsmaßnahmen bereitgestellten "Panic Button", eine Vorrichtung zur Anforderung von Hilfskräften. Erst nach mehr als 20 Minuten bekam er eine Antwort und hatte in der Zwischenzeit bereits einen leitenden Beamten der mexikanischen Polizei gerufen. Etwa 45 Minuten nach dem Anruf erreichte ein Streifenwagen die Herberge. Zu diesem Zeitpunkt war der Angreifer bereits geflohen. Dieser Einsatz erfolgte nicht im Rahmen der Sicherheitsmaßnahmen der nationalen Stelle.
Hintergrundinformation
Die Migrantenherberge "Todos por Ellos" bietet unbegleiteten Kindern und Jugendlichen bei der Durchquerung Mexikos eine vorübergehende Unterkunft. Die Herberge versorgt sie zum Beispiel mit Nahrung und betreut sie bei gesundheitlichen und rechtlichen Belangen und berät die Migrant_innen zu Fragen sexueller Ausbeutung.
Jedes Jahr versuchen hunderttausende Menschen aus mittel- und südamerikanischen Ländern ohne Visum über Mexiko in die USA zu gelangen. Viele von ihnen werden von den mexikanischen Einwanderungsbehörden inhaftiert und in ihre Heimatländer zurückgeführt. Amnesty International hat Mexiko kürzlich bereist, um Berichte über Menschenrechtsverletzungen an dieser Personengruppe zu prüfen. Bei dem Besuch fand Amnesty International heraus, dass viele Migrant_innen von Banden verschleppt werden und dies manchmal in Mittäterschaft mit lokalen Behördenvertreter_innen geschieht. Die Straflosigkeit bei Menschenrechtsverletzungen an Migrant_innen, die sich in einer besonders gefährdeten Lage befinden, hat zu einem Anstieg dieser Verbrechen geführt, obwohl sich die Regierung verpflichtet hat, die Rechte von Migrant_innen zu schützen.
Amnesty International hat eine Aktion ins Leben gerufen, um auf die Notlage aufmerksam zu machen, in der sich Migrant_innen während der Reise durch Mexiko befinden, und um dafür zu sorgen, dass den Migrant_innen die Hilfe geboten wird, die sie bei der Durchquerung des Landes dringend benötigen. Sie können sich unter http://sendsocks.org/ an der Aktion beteiligen.
Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen werden in Mexiko aufgrund ihrer rechtmäßigen Arbeit oft angegriffen, bedroht, entführt oder gar getötet. Die dafür Verantwortlichen werden so gut wie nie gerichtlich belangt. Amnesty International begrüßt die Einführung des Gesetzes zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen im Jahr 2012. Allerdings haben viele der über 100 Bedrohten, die bislang auf Grundlage dieses Gesetzes um Schutzmaßnahmen gebeten haben, keinen zeitnahen oder wirksamen Schutz erhalten, was zu Frustration, Unsicherheit und Entmutigung geführt hat. Entgegen der Beteuerungen der mexikanischen Regierung ist das Gesetz noch weit davon entfernt, wirksam umgesetzt zu werden, weil es an gut ausgebildetem Personal und ausreichenden finanziellen Mitteln fehlt und das Gesetz von Politiker_innen höherer Ebenen nicht genügend unterstützt wird. Diese Mängel führen dazu, dass die Behörden sowohl auf Landes- als auch auf Regionalebene die in diesem Gesetz vorgesehenen Schutzmaßnahmen oftmals nicht anwenden. Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen werden meist geduldet und die dafür Verantwortlichen gehen häufig straffrei aus, da die dazu angestellten Ermittlungen oftmals unzureichend sind und von Behörden durchgeführt werden, die selbst der Beteiligung an Übergriffen verdächtigt werden. Gegen die Gewalt, deren Opfer Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen häufig werden, muss dringend umfassend vorgegangen werden, wobei die genannten Schutzmaßnahmen nur ein Teil der Gesamtstrategie sein dürfen. Die mexikanische Regierung hat bisher auf das Klima anhaltender Bedrohung, der Menschenrechtsverteidiger_innen und Journalist_innen in mehreren Bundesstaaten ausgesetzt sind, nicht überzeugend reagiert.
José Ramón Verdugo Sánchez war bereits 2013 aufgrund seines Engagements für junge Migrant_innen bedroht worden. Damals musste der die Migrantenherberge schließen. Es wurden Schutzmaßnahmen für ihn vereinbart und umgesetzt.