Drohende Hinrichtung

Ergebnis dieser Urgent Action

Der Gouverneur von Missouri hat vier Tage vor dem geplanten Hinrichtungstermin das gegen Kimber Edwards verhängte Todesurteil in eine lebenslange Haftstrafe ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung umgewandelt.

Am 6. Oktober soll der Afroamerikaner Kimber Edwards im US-Bundesstaat Missouri hingerichtet werden. Er war 2002 zum Tode verurteilt worden, weil er den Mord an seiner Ex-Frau in Auftrag gegeben haben soll. Der Mann, der des Mordes für schuldig befunden wurde und derzeit eine lebenslange Haftstrafe verbüßt, bestreitet mittlerweile, dass Kimber Edwards etwas mit der Ermordung zu tun hatte.

Appell an

GOUVERNEUR VON MISSOURI
Governor Jay Nixon, Office of the Governor
P.O. Box 720, Jefferson City
MO 65102, USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 573 751 1495
E-Mail: über die Website: http://governor.mo.gov/contact/

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über die Website: http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 6. Oktober 2015 ankommen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte weder den Mord an Kimberly Cantrell entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

  • Ich weise Sie darauf hin, dass Orthell Wilson, der Kimberly Cantrell erschossen hat, seine belastenden Aussagen gegen Kimber Edwards zurückgezogen hat und beteuert, dass Kimber Edwards nichts mit dem Mord zu tun hatte.

  • Bitte bedenken Sie auch die Unumkehrbarkeit einer Hinrichtung und die Tatsache, dass in den USA in einigen früheren Mordfällen nachweislich Fehlurteile gefällt wurden.

  • Bitte stoppen Sie daher die Hinrichtung von Kimber Edwards und wandeln Sie das Todesurteil in eine Haftstrafe um.

Sachlage

Kimberly Cantrell wurde am 23. August 2000 mit einer Schusswunde im Kopf tot in ihrem Apartment in University City im US-Bundesstaat Missouri aufgefunden. Sie war zuletzt am Tag zuvor gesehen worden. Kimberly Cantrell befand sich in einem anhaltenden Disput mit ihrem Ex-Mann Kimber Edwards über Kindesunterhaltszahlungen. Die Polizei nahm einen Mann namens Orthell Wilson fest, da Zeug_innen bestätigen konnten, dass er am 22. August vor der Wohnung von Kimberly Cantrell gesehen worden war. Er wurde des Mordes angeklagt und belastete in einer Stellungnahme auch Kimber Edwards. Kimber Edwards stritt jegliche Beteiligung an dem Mord ab. Nachdem die Polizei ihm jedoch mitteilte, dass man seine Frau und Kinder befragen würde, gab Kimber Edwards an, einem Mann namens Michael 1.600 USD (etwa 1.400 EUR) gezahlt zu haben, um Kimberly Cantrell umzubringen. Orthell Wilson bestritt nach Angaben der Polizei jedoch die Existenz von "Michael". Kimber Edwards sagte der Polizei daraufhin, Orthell Wilson habe eine Bezahlung für seine Beteiligung an der Tötung gefordert.

Kimber Edwards hat seither abgestritten, in den Mord involviert zu sein, und angegeben, er habe die Aussage nur gemacht, damit die Polizei seine Familie in Ruhe lasse. Orthell Wilson sagte nicht unter Eid aus, doch die Angaben, die er vor der Polizei gemacht hatte, wurden den Geschworenen vorgetragen. Die Geschworenen befanden Kimber Edwards des Mordes für schuldig und sprachen sich in einer Anhörung, die kaum einen Tag dauerte, für ein Todesurteil aus. Orthell Wilson plädierte auf schuldig, um der Todesstrafe zu entgehen. Er erhielt eine lebenslange Haftstrafe ohne die Möglichkeit einer Strafaussetzung zur Bewährung.

Am 8. Mai 2015 unterzeichnete Orthell Wilson eine eidesstattliche Erklärung, in der er die belastende Stellungnahme gegen Kimber Edwards zurücknahm. Er gab an, die Angaben gemacht zu haben, weil er von der Polizei unter Druck gesetzt wurde und befürchtete, zum Tode verurteilt zu werden. Orthell Wilson sagte: "Ich allein habe Kimberly Cantrell getötet … Kimber Edwards ist vollkommen unschuldig und hat mit dem Mord nichts zu tun." Seinen Angaben zufolge befand er sich im Jahr 2000 in einer "geheimen romantischen Beziehung" mit Kimberly Cantrell. Er habe sie erschossen, weil sie sich über seine "Drogenabhängigkeit und ständige Geldnot" gestritten hätten. Drei seiner damaligen Nachbar_innen haben eidesstattliche Erklärungen unterzeichnet, in denen sie angaben, von der Beziehung zwischen Orthell Wilson und Kimberly Cantrell gewusst zu haben. Im Jahr 2004 wurde Kimber Edwards von einem Psychiater mit dem Asperger-Syndrom diagnostiziert. Nach Angaben des Psychiaters hat dies "negative Auswirkungen auf die Verlässlichkeit seiner Aussage gegenüber den Kriminalbeamt_innen während des Verhörs und beeinträchtigt auch seine Fähigkeit, wissentlich auf seine Rechte zu verzichten". Nach Ansicht des Psychiaters könnte auch die "seltsame" Reaktion von Kimber Edwards auf die Nachricht des Todes seiner Ex-Frau auf das Asperger-Syndrom zurückgeführt werden. Die Geschworenen hatten seine Reaktion als "nonchalant", "entspannt" und "unbekümmert" beschrieben. Den Geschworenen wurde die Erklärung des Psychiaters für das "abträgliche" Verhalten von Kimber Edwards vorenthalten.

In den USA wurden dieses Jahr bisher 20 Hinrichtungen vollzogen, sechs davon in Missouri. Seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen in den USA im Jahr 1976 wurden dort 1.414 Todesurteile vollstreckt, 86 davon in Missouri. Im selben Zeitraum wurden nachweislich in 140 Mordfällen Fehlurteile gefällt. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode, da sie das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschriebene Recht auf Leben verletzt und die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt. Weltweit haben 140 Staaten die Todesstrafe in Gesetz oder Praxis abgeschafft.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Bei der Auswahl der Geschworenen hat die Staatsanwaltschaft in den USA die Möglichkeit, eine bestimmte Anzahl an Geschworenen mit oder ohne Angabe von Gründen abzulehnen. Bei der Auswahl der Geschworenen für das Verfahren gegen Kimber Edwards lehnte die Staatsanwaltschaft alle drei afroamerikanischen Kandidat_innen ohne Angabe von Gründen ab. Die Verteidigung legte Einspruch gegen zwei dieser Ablehnungen ein und machte geltend, dass die Staatsanwaltschaft diese Geschworenen allein auf der Grundlage ihrer Hautfarbe abgelehnt habe. Dies würde gegen das Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall Batson v. Kentucky von 1986 verstoßen. Im ersten angefochtenen Fall führte die Staatsanwaltschaft an, dass die Kandidatin abgelehnt wurde, weil sie "erwähnt hatte, dass ihre Nichte unfair von der Polizei behandelt worden war" und "sie Gerichten und Staatsanwälten scheinbar misstraute". Die Verteidigung argumentierte, dass im Gegensatz dazu eine weiße Kandidatin nicht von der Staatsanwaltschaft abgelehnt wurde, obwohl diese angegeben hatte, dass ihr Neffe ihrer Ansicht nach in der Vergangenheit im Strafjustizsystem zu hart bestraft worden sei. Das Gericht wies den Einspruch jedoch zurück und erkannte die Argumentation der Staatsanwaltschaft an, die Ablehnung sei nicht aus Gründen der Hautfarbe erfolgt. Im zweiten angefochtenen Fall gab die Staatsanwaltschaft an, den Kandidaten abgelehnt zu haben, weil er bei der Post angestellt sei und die Staatsanwaltschaft "Postangestellte immer ablehne". Man sei der Ansicht, dass Postmitarbeiter_innen als Angestellte bei "einer der größten bürokratischen Einrichtungen", die stets Regeln zu befolgen hatten, die Geschworenentätigkeit als willkommene Möglichkeit ansähen, einmal "die Regeln nicht zu befolgen". Im Berufungsverfahren wurde darauf hingewiesen, dass dieses bestimmte staatsanwaltschaftliche Büro dafür bekannt ist, schwarze Geschworenenkandidat_innen ohne Angabe von Gründen abzulehnen. In diesem Zusammenhang wurde auch aufgezeigt, dass über 50 Prozent der Postangestellten in St Louis County Afroamerikaner_innen sind. Daher könne die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft, Postangestellte ohne Angabe von Gründen als Geschworene in Mordfällen abzulehnen, nicht als unabhängig von der Hautfarbe der Betroffenen angesehen werden. Diese Argumente wurden jedoch zurückgewiesen und der Einspruch abgelehnt.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN – (AUF ENGLISCH)
At jury selection for a US capital trial, the defence and prosecution will question prospective jurors and can exclude certain people, either for a stated reason (for cause) or without giving a reason (a peremptory challenge). Those citizens who would be "irrevocably committed" to vote against the death penalty can be excluded for cause by the prosecution, under a 1968 US Supreme Court ruling. In 1985, the Court relaxed the standard, thereby expanding the class of potential jurors who could be dismissed for cause during jury selection. Under this standard, a juror can be dismissed for cause if his or her feelings about the death penalty would "prevent or substantially impair the performance of his duties as a juror in accordance with his instructions and his oath". In 1986, the Supreme Court acknowledged research showing that the "death qualification" of capital jurors "produces juries somewhat more 'conviction-prone’ than 'non-death-qualified’ juries". In 2008, the then most senior judge on the Court, Justice John Paul Stevens, wrote that "the process of obtaining a 'death qualified jury’ is really a procedure that has the purpose and effect of obtaining a jury that is biased in favour of conviction".

The US Supreme Court overturned the USA’s death penalty laws in 1972, but upheld revised laws in 1976, in Gregg v. Georgia. In a dissent from a ruling on lethal injection on 29 June 2015, Justice Stephen Breyer argued that the time had come to revisit the constitutionality of the death penalty, given the evidence of its arbitrariness and unreliability. Joined by Justice Ruth Bader Ginsburg, he wrote that "Unlike 40 years ago, we now have plausible evidence of unreliability… In sum, there is significantly more research-based evidence today indicating that courts sentence to death individuals who may well be actually innocent or whose convictions (in the law’s view) do not warrant the death penalty’s application."