Mann in Gewahrsam "verschwunden"
Thailand
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In Thailand ist ein Mann, der mit der Rothemden-Bewegung in Verbindung gebracht wird, dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen und läuft Gefahr, gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden. Seine Familie und seine Rechtsbeistände wissen nichts über seinen Aufenthaltsort.
Appell an
OBERBEFEHLSHABER DER STREITKRÄFTE
Gen. Thanasak Patimaprakorn
Royal Thai Army Headquarters
Rachadamnoen Nok Road,
Bangkok 10200, THAILAND
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter General)
Fax: (00 66 2) 226 1838
E-Mail: prforeign@gmail.com
POLIZEIPRÄSIDENT
Gen. Watcharapol Prasarnrajkit
Stellvertretender Leiter des Nationalen Rates für Frieden und Ordnung, Royal Thai Police
1st Bldg, 7th Floor Rama I, Pathumwan
Bangkok 10330, THAILAND
(Anrede: Dear Commissioner General / Sehr geehrter Polizeipräsident)
Fax: (00 66) 2 618 2538
E-Mail: prforeign@gmail.com
Sende eine Kopie an
Menschenrechtskommission Thailand
120 Chaengwattana Road, Laksi District
Bangkok 10210, THAILAND
E-Mail: info@nhrc.th
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS THAILAND
I.E. Frau Nongnuth Phetcharatana,
Lepsiusstr. 64-66
12163 Berlin
Fax: 030-7948 1511 oder 030-7948 1251
E-Mail: thaibln@thaiembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Thailändisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. September 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Sachlage
Der 26-jährige Bauarbeiter Yongyuth Boondee wurde Ende Juli in der Stadt Chiang Mai festgenommen. Zuletzt wurde er in Begleitung der Polizei auf einer am 1. August im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz gesehen. Die Polizeibeamt_innen behaupteten, er habe sich zu den gegen ihn gerichteten Anklagen bekannt. Ihnen zufolge soll er vorsätzlich getötet, Eigentum beschädigt und Schusswaffen und Sprengstoffe besessen haben. Des Weiteren soll er einem Netzwerk innerhalb der Nationalen Demokratischen Allianz gegen Diktatur (UDD) angehören. Im Volksmund werden die Anhänger dieser politischen Gruppierung auch "Rothemden" genannt, da sie bei Demonstrationen rote Hemden tragen.
Weder seine Familie noch seine Rechtsbeistände waren in der Lage, ihn seit seiner Festnahme zu kontaktieren. Die Polizeibehörden haben sich anfangs geweigert preiszugeben, was mit ihm passiert ist und wo er sich befindet, bevor sie bestätigten, dass er auf Kaution freigelassen worden sei. Informationen des Militärs zufolge, befindet er sich jedoch freiwillig und zu seiner eigenen Sicherheit in Militärgewahrsam. Zugang zu seiner Familie oder einem Rechtsbeistand wird ihm nicht gewährt.
Glaubhafte Berichte über die Anwendung von Folter und anderweitigen Misshandlungen von anderen Personen, die ebenfalls mit der UDD in Verbindung gebracht werden und seit der Machtübernahme des Militärs am 22. Mai ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten werden, vergrößern die Sorge um ihre Sicherheit.
[SCHREIBEN SIE BITTE ]
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Bitte geben Sie die Auskunft über den Aufenthaltsort von Yongyuth Boondee.
-
Ich fordere Sie auf, sicherzustellen, dass Yongyuth Boondee Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand seiner Wahl und einer möglicherweise benötigten medizinischen Versorgung erhält.
- Bitte stellen Sie sicher, dass Yongyuth Boondee und andere Gefangene nicht gefoltert oder anderweitig misshandelt werden.
[APPELLE AN]
OBERBEFEHLSHABER DER STREITKRÄFTE
Gen. Thanasak Patimaprakorn
Royal Thai Army Headquarters
Rachadamnoen Nok Road,
Bangkok 10200, THAILAND
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter General)
Fax: (00 66 2) 226 1838
E-Mail: prforeign@gmail.com
POLIZEIPRÄSIDENT
Gen. Watcharapol Prasarnrajkit
Stellvertretender Leiter des Nationalen Rates für Frieden und Ordnung, Royal Thai Police
1st Bldg, 7th Floor Rama I, Pathumwan
Bangkok 10330, THAILAND
(Anrede: Dear Commissioner General / Sehr geehrter Polizeipräsident)
Fax: (00 66) 2 618 2538
E-Mail: prforeign@gmail.com
KOPIEN AN
Menschenrechtskommission Thailand
120 Chaengwattana Road, Laksi District
Bangkok 10210, THAILAND
E-Mail: info@nhrc.th
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS THAILAND
I.E. Frau Nongnuth Phetcharatana,
Lepsiusstr. 64-66
12163 Berlin
Fax: 030-7948 1511 oder 030-7948 1251
E-Mail: thaibln@thaiembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Thailändisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 19. September 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Bei der Pressekonferenz am 1. August gaben Polizeibeamt_innen an, Yongyuth Boondee habe sich zu den gegen ihn gerichteten Anklagen bekannt, die in Zusammenhang stehen mit der Beteiligung an elf bewaffneten Angriffen in Bangkok und anderen Provinzen in Folge der politischen Demonstrationen Ende 2013 und 2014. Den Angaben der Polizeibeamt_innen zufolge gehörte er einem Netzwerk innerhalb der Nationalen Demokratischen Allianz gegen Diktatur (UDD) an. Die Anhänger dieser politischen Gruppierung werden auch "Rothemden" genannt. Die UDD besteht aus verschiedenen politischen Gruppen, die die Menschen dazu aufgefordern, sich für die Demokratie einzusetzen. Viele Anhänger_innen unterstützten den ehemaligen Premierminister Thaksin Shinawatra. Yongyuth Boondee nimmt regelmäßig an Demonstrationen der Rothemden teil, bei denen er durch seine rote Kleidung und seine rote Perücke auffällt.
Am 10. Juni hatten ihn die Militärbehörden aufgefordert, sich bei ihnen zu melden. Am 18. Juli wurde ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt. Waffen sollen in seinem Motorrad gefunden worden sein, das am 22. Mai, dem Tag der Machtübernahme, vom Militär auf der Aksa-Straße in der Hauptstadt Bangkok konfisziert worden war. Dort hatten Anhänger_innen der Rothemden-Bewegung demonstriert.
Die 27-jährige politische Aktivistin Kritsuda Khunasen wird ebenfalls mit der Bewegung in Verbindung gebracht. Sie wurde zwischen dem 27. Mai und dem 24. Juni ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten. Dies übersteigt den im Kriegsrecht festgeschriebenen erlaubten Zeitraum. Von Kritsuda Khunasen fehlt jede Spur. Sie teilte Amnesty International mit, dass sie in der ersten Woche ihrer Haft gefoltert wurde und nachfolgend ein Dokument unterzeichnen mussten, aus dem hervorging, dass sie sich freiwillig in Haft befand.
Amnesty International hat mehrfach Berichte erhalten über Personen, die seit der Machtübernahme des Nationalen Rates für Frieden und Ordnung bei Verhören gefoltert oder anderweitig misshandelt wurden. Diese Berichte weisen ein Muster auf im Hinblick auf Prügel, Morddrohungen, Scheinhinrichtungen und Erstickungsversuche. Nach Angaben der Betroffenen zufolge wurden ihnen während dieser Misshandlungen bis zu eine Woche lang die Augen mit Klebeband verbunden und Hände und Füße gefesselt. In einigen Fällen wurden die Gefangenen zwischen verschiedenen Hafteinrichtungen hin- und hertransportiert und hatten keinen Kontakt zur Außenwelt.
Seit der Verhängung des Kriegsrechts am 20. Mai machen die Behörden unter Berufung auf das im Jahr 1914 erlassene Gesetzt über das Kriegsrecht von ihrer Macht Gebrauch und halten Personen eine Woche lang an unbekannten Orten fest, ohne dass Anklagen erhoben oder Gerichtsverfahren durchgeführt werden und ohne dass die Grundsätze für die Behandlung von Gefangenen eingehalten werden. Man geht davon aus, dass viele Personen länger als erlaubt festgehalten werden.
Folter und anderweitige Misshandlungen sind nach dem Völkerrecht absolut verboten. Als Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte und der UN-Antifolterkonvention ist Thailand dazu verpflichtet, Folter und anderweitige Misshandlungen zu verbieten und zu verhindern. Diese Verpflichtung gilt ausnahmslos. Von ihr darf auch in Notsituationen nicht abgewichen werden.
Amnesty International betrachtet die Menschenrechtssituation im Hinblick auf Folter und anderweitige Misshandlungen sowie Fälle des Verschwindenlassens in Thailand seit Langem mit Sorge. Obwohl Thailand die Antifolterkonvention ratifiziert und das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen unterzeichnet hat und damit den politischen Willen signalisiert, Folter und Verschwindenlassen zu beenden, wurden bis jetzt nur wenige Schritte eingeleitet, um solchen Handlungen und der Straffreiheit vermeintlicher Täter_innen ein Ende zu setzen. Im Mai 2014 äußerte der Ausschuss der Vereinten Nationen gegen Folter seine tiefe Besorgnis über anhaltenden Vorwürfe hinsichtlich der weit verbreiteten Anwendung von Folter und anderweitigen Misshandlungen an Häftlingen durch das Militär, die Polizei und das Gefängnispersonal und forderte, dass unverzüglich wirksame Maßnahmen ergriffen werden, um die Verantwortlichen strafrechtlich zu verfolgen und zu bestrafen.