Hinrichtungsgefahr

Ergebnis dieser Urgent Action

Robert Shan Shiao-May aus Hongkong und der Taiwanese Lien Sung-Ching sind am 30. März 2012 auf dem chinesischen Festland hingerichtet worden, nachdem der Oberste Volksgerichtshof in Peking die gegen beide Männer verhängten Todesurteile bestätigt hatte.

Robert Shan Shiao-may aus Hongkong und der Taiwanese Lien Sung-Ching sind in Gefahr, auf dem chinesischen Festland hingerichtet zu werden. Der Oberste Volksgerichtshof in Peking überprüft derzeit die gegen die beiden Männer verhängten Todesurteile. Sollte das Gericht die Urteile bestätigen, könnten Robert Shan Shiao-May und Lien Sung-ching bereits am 25. Juni 2011 hingerichtet werden.

Appell an

VORSITZENDER DES OBERSTEN VOLKSGERICHTES
WANG Shengjun Yuanzhang
Zuigao Renmin Fayuan, 27 Dongjiaomin Xiang
Beijingshi 100745
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear President)
Fax: (00 86) 10 652 92 345

VORSITZENDER DES STÄNDIGEN AUSSCHUSSES DES NATIONALEN VOLKSKONGRESSES
WU Bangguo Weiyuanzhang
Quanguo Renda Changwu Weiyuanhui Bangongting
23 Xijiaominxiang, Xichengqu, Beijingshi 100805
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Chairman)
Fax: (00 86) 10 630 97 934
E-Mail: icc@npc.gov.cn

POLIZEICHEF VON HONGKONG
TSANG Wai-hung
Commissioner of Police
42/F Arsenal House, Police Headquarters
1 Arsenal Street, Wanchai
HONGKONG
E-Mail: cp@police.gov.hk

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S.E. Herrn Wu Hongbo
Märkisches Ufer 54, 10179 Berlin
Fax: 030-2758 8221
E-Mail: chinesischeBotschaft@debitel.net oder chinaemb_de@mfa.gov.cn oder de@mofcom.gov.cn

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Ich appelliere an Sie, Robert Shan Shiao-May und Lien Sung-Ching nicht hinzurichten.

  • Bitte erlassen Sie in Übereinstimmung mit Resolution 62/149 der UN-Generalversammlung vom 18. Dezember 2007 unverzüglich ein Hinrichtungsmoratorium mit dem Ziel, die Todesstrafe vollständig abzuschaffen.

Nur an den Vorsitzenden des Obersten Volksgerichtshofs:

  • Ich möchte Sie nachdrücklich auffordern, ein Neuverfahren entsprechend internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren anzuordnen.

Nur an den Polizeichef von Hongkong:

  • Ich möchte Sie nachdrücklich auffordern sicherzustellen, dass der Vorgang um den "irrtümlich" verfassten Brief, der Robert Shan Shiao-May und Lien Sung-Ching entlastet, umfassend aufgeklärt und die Ermittlungsergebnisse öffentlich bekannt gegeben werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on authorities in Beijing not to execute Robert Shan Shiao-may or Lien Sung-ching.

  • Urging the Supreme People’s Court to remand the case for a retrial that meets international fair trial standards.

  • Calling on the authorities in Beijing to introduce an immediate moratorium on executions, with a view to abolishing the death penalty, as provided by UN General Assembly resolution 62/149, of 18 December 2007.

  • Calling on the Hong Kong police commissioner to ensure that the matter of the "mistaken" letter exonerating Robert Shan Shiao-may and Lien Sung-ching is fully investigated and the results made public.

Sachlage

Der 53 Jahre alte Robert Shan Shiao-May ist am 25. Juni 2009 vom Mittleren Volksgericht in Zhuhai, Provinz Guangdong, wegen Drogenhandel sowie illegalem Besitz von Rauschmitteln und Waffen zum Tode verurteilt worden. In demselben Prozess verhängte man auch gegen den 58-jährigen Lien Sung-Ching unter der Anklage der Herstellung und des Handels mit Drogen die Todesstrafe. Beide Männer waren im Dezember 2005 von MitarbeiterInnen der Abteilung für Öffentliche Sicherheit unter der Anschuldigung verhaftet worden, von China aus über Hongkong 192 Kilogramm kristallines Methamphetamin auf die Philippinen geschmuggelt zu haben.

Chen Jia, die Ehefrau von Robert Shan Shiao-May, war gemeinsam mit ihm festgenommen worden. Später erklärte sie gegenüber mehreren JournalistInnen, ihr Mann habe nur deshalb ein Geständnis abgelegt, damit sie selbst von der Polizei freigelassen wird.

Einen Monat zuvor hatten PolizistInnen in Hongkong nach einem entsprechenden Hinweis der Behörden des Festlandes in einem Schiffsterminal zwei Container beschlagnahmt, von denen angenommen wurde, dass sie Drogen enthielten, die in die philippinische Hauptstadt Manila verschifft werden sollten. Ein ranghoher Inspektor der Drogenfahndung von Hongkong teilte der Familie von Lien Sung-Ching später in einem Schreiben mit, es seien keine Suchtmittel gefunden worden. Die Container habe man dem Besitzer zurückgegeben.

Im Berufungsverfahren ließ das Volksgericht der Provinz Guangdong das Schreiben nicht als Beweismittel zu, weil es keinen Polizeistempel enthielt und die Polizei von Hongkong später erklärte, der Brief sei irrtümlich geschrieben worden. Die Polizei entschuldigte sich dafür bei den Familien der Angeklagten. PolizistInnen der Dienststelle in Hongkong haben zugesichert, eine interne Untersuchung des Vorgangs durchzuführen und die notwendigen disziplinarischen Maßnahmen zu ergreifen. Eine solche Untersuchung hat jedoch – soweit bekannt – bislang nicht stattgefunden. Die offenen Fragen um den Brief herum begründen ernsthafte Zweifel an den Beweisen, auf deren Grundlage die beiden Männer verurteilt worden sind.

In der Volksrepublik China werden Statistiken über verhängte und vollstreckte Todesurteile als Staatsgeheimnis unter Verschluss gehalten. Amnesty International und andere Nichtregierungsorganisationen haben jedoch festgestellt, dass an bestimmten Daten besonders viele Todesurteile vollstreckt werden, so beispielsweise am 26. Juni, dem Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

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  • Ich appelliere an Sie, Robert Shan Shiao-May und Lien Sung-Ching nicht hinzurichten.

  • Bitte erlassen Sie in Übereinstimmung mit Resolution 62/149 der UN-Generalversammlung vom 18. Dezember 2007 unverzüglich ein Hinrichtungsmoratorium mit dem Ziel, die Todesstrafe vollständig abzuschaffen.

Nur an den Vorsitzenden des Obersten Volksgerichtshofs:

  • Ich möchte Sie nachdrücklich auffordern, ein Neuverfahren entsprechend internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren anzuordnen.

Nur an den Polizeichef von Hongkong:

  • Ich möchte Sie nachdrücklich auffordern sicherzustellen, dass der Vorgang um den "irrtümlich" verfassten Brief, der Robert Shan Shiao-May und Lien Sung-Ching entlastet, umfassend aufgeklärt und die Ermittlungsergebnisse öffentlich bekannt gegeben werden.

[APPELLE AN]

VORSITZENDER DES OBERSTEN VOLKSGERICHTES
WANG Shengjun Yuanzhang
Zuigao Renmin Fayuan, 27 Dongjiaomin Xiang
Beijingshi 100745
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Fax: (00 86) 10 652 92 345

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WU Bangguo Weiyuanzhang
Quanguo Renda Changwu Weiyuanhui Bangongting
23 Xijiaominxiang, Xichengqu, Beijingshi 100805
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Chairman)
Fax: (00 86) 10 630 97 934
E-Mail: icc@npc.gov.cn

POLIZEICHEF VON HONGKONG
TSANG Wai-hung
Commissioner of Police
42/F Arsenal House, Police Headquarters
1 Arsenal Street, Wanchai
HONGKONG
E-Mail: cp@police.gov.hk

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S.E. Herrn Wu Hongbo
Märkisches Ufer 54, 10179 Berlin
Fax: 030-2758 8221
E-Mail: chinesischeBotschaft@debitel.net oder chinaemb_de@mfa.gov.cn oder de@mofcom.gov.cn

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In der Volksrepublik China erhalten von der Todesstrafe bedrohte Angeklagte keinen fairen Prozess. Zwar hat sich China zur Einhaltung internationaler Grundsätze für faire Gerichtsverfahren verpflichtet, zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft jedoch eine große Lücke. Gerichte lassen vielfach Geständnisse zu, obwohl die Angeklagten angeben, ihre Aussagen seien unter der Folter erpresst worden. Angeklagte müssen selbst ihre Unschuld nachweisen und haben nur eingeschränkt Zugang zu einem Rechtsbeistand.

In China können mindestens 55 Straftaten, auch solche ohne Gewaltausübung etwa im Bereich des Drogenhandels, mit der Todesstrafe geahndet werden. Statistiken zu Todesurteilen und Hinrichtungen gelten in China als Staatsgeheimnis. Nach Schätzungen von Amnesty International werden in dem Land alljährlich mehr Menschen hingerichtet als im Rest der Welt. Nach Schätzung der Dui-Hua-Stiftung, einer Nichtregierungsorganisation mit Sitz in den USA, sind in der Volksrepublik China im Jahr 2009 knapp 5000 Hinrichtungen durchgeführt worden. Die Zahl basiert auf Angaben örtlicher Funktionsträger in China.

Im Januar 2007 wurde die Überprüfung aller Todesurteile durch den Obersten Volksgerichtshof (Supreme People’s Council – SPC) wieder eingeführt, eine Praxis, die 1982 eingestellt worden war. Nun müssen sämtliche Todesurteile wieder dem SPC vorgelegt werden, der sie bestätigen oder umwandeln kann. Seit Wiedereinführung dieses Verfahrens ist nach Angaben der chinesischen Behörden die Zahl der Hinrichtungen rückläufig. Dennoch bleibt man in China mit Informationen über die Vollstreckung von Todesurteilen sehr zurückhaltend. Ohne solche Angaben ist es jedoch kaum möglich, um umfassende und auf Fakten beruhende Analyse der Entwicklung in Bezug auf die Todesstrafe vorzunehmen oder zu bestätigen, dass diese Strafe im Vergleich zu den Vorjahren weniger häufig angewandt wird.
In der Volksrepublik gibt es für rechtskräftig zum Tode verurteilte Gefangene keine Möglichkeit, ein Gnadengesuch einzureichen.