15 Männern droht die Hinrichtung

Galgen in irakischem Gefängnis, Bagdad, 15. Dezember 2006.

Galgen in irakischem Gefängnis, Bagdad, 15. Dezember 2006.

Am 16. Juni sind 15 Männer, bei denen es sich um Mitglieder bewaffneter Gruppen handeln soll, zum Tode verurteilt worden. Ihnen droht nun die Hinrichtung. Wenige Tage vor der Urteilsverkündung hatte das irakische Fernsehen "Geständnisse" ausgestrahlt, die mehrere der Männer abgelegt hatten. Ihr Gerichtsverfahren entsprachen wahrscheinlich nicht den internationalen Standards für einen fairen Prozess.

Appell an

BOTSCHAFT DER REPUBLIK IRAK
S. E. Herrn Hussain Mahmood Fadhlalla Alkhateeb
Pacelliallee 19 – 21
14195 Berlin
(korrekte Anrede: Exzellenz)
Fax: 030-8148 8222
E-Mail: info@iraqiembassy-berlin.de

Bitten Sie um Weiterleitung an:

MINISTERPRÄSIDENT UND AMTIERENDER VERTEIDIGUNGS-UND INNENMINISTER
S. E. Nuri Kamil al-Maliki, Prime Minister
Convention Centre (Qasr al-Ma’aridh)
Baghdad, IRAK
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)

MINISTER FÜR MENSCHENRECHTE
His Excellency Mohammad Shayaa al-Sudani
Minister of Human Rights
Convention Centre (Qasr al-Ma’aridh)
Baghdad
IRAK
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)

JUSTIZMINISTER
Hassan al-Shammari
Minister of Justice
Convention Centre (Qasr al-Ma’aridh)
Baghdad
IRAK
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. August 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin in Sorge, dass die 15 Männer womöglich kein den internationalen Grundsätzen der Fairness entsprechendes Gerichtsverfahren erhalten haben.

  • Ich bitte Sie, dafür Sorge zu tragen, dass Verstöße gegen internationale Standards für ein faires Gerichtsverfahren untersucht und für den weiteren Verlauf des Prozesses ausgeschlossen werden.

  • Ich bitte Sie eindringlich, ein Hinrichtungsmoratorium zu erlassen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern that the 15 people may not have received a fair trial according to international standards for fair trial.

  • Calling on the authorities to ensure that concerns about violations of international standards of fair trial will be addressed and prevented in the future proceedings of this case.

  • Calling on the authorities to declare an immediate moratorium on executions.

Sachlage

Zu der Gruppe der 15 zum Tode verurteilten Männer zählen Ibrahim Najm 'Abboud, Firas Hassan Fleih al-Juburi, Fadhel Ibrahim al-Juburi, Haydar Mut’eb 'Abdel-Qader, Hikmat Fadhel Ibrahim, Sayyid Hamadi Ahmed und Sofian Jassem Mohammad. Die Männer waren am 16. Juni vom Zentralen Strafgericht auf der Grundlage von "Geständnissen" zum Tode verurteilt worden. Der irakische Fernsehsender al-Iraqiya hatte Ende Mai und Anfang Juni mehrere dieser "Geständnisse" ausgestrahlt. Es hieß, die 15 Männer seien Mitglieder bewaffneter Gruppen im Irak. Sie wurden für schuldig befunden, im Juni 2006 auf einer Hochzeitsfeier in einer Ortschaft nahe al-Taji nördlich der Hauptstadt Bagdad zahlreiche Menschen, unter ihnen Frauen und Kinder, ermordet sowie die Braut und weitere Frauen und Mädchen vergewaltigt zu haben.

Das Gerichtsverfahren gegen die Männer entsprach möglicherweise nicht den internationalen Standards der Fairness. Ihre im Fernsehen ausgestrahlten "Geständnisse" könnten zum Teil unter Nötigung zustande gekommen sein.

Die 15 Männer sollen über mehrere Wochen hinweg ohne Kontakt zur Außenwelt – ohne Kontakt zu ihren Rechtsbeiständen oder Familienangehörigen – in Haft gehalten worden sein. Eine solche Form der Inhaftierung birgt für Gefangene ein erhöhtes Risiko, gefoltert oder misshandelt und zu "Geständnissen" gezwungen zu werden. Die Familien zumindest einiger der Männer wurden nicht über den Prozessbeginn unterrichtet. Somit nahm man ihnen die Möglichkeit, sich mit ihren inhaftierten Angehörigen über die Hinzuziehung eines Rechtsbeistands eigener Wahl zu beraten. Die Angeklagten hatten somit möglicherweise keinen angemessenen Rechtsbeistand, was angesichts der Schwere der ihnen zur Last gelegten Taten besonders gravierend ist. Der Prozess selbst soll nur wenige Tage gedauert haben.

Mehrere Mitglieder der irakischen Regierung haben dazu aufgerufen, die 15 Männer noch vor Prozessende öffentlich hinzurichten. Eine solche Forderung untergräbt das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren und verstößt gegen den im Strafrecht unverzichtbaren Grundsatz der Unschuldsvermutung. Am 14. Juni 2011 soll sich der Vorsitzende des Obersten Justizrats auf einer Pressekonferenz mit den Worten geäußert haben, die im Zusammenhang mit dem Massaker auf der Hochzeitsfeier festgenommenen Männer würden hingerichtet, "sobald der Präsident ihre Todesurteile ratifiziert hat". Sollte das Kassationsgericht die Todesurteile aufrecht erhalten, werden sie dem Staatspräsidenten zur Ratifizierung vorgelegt.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bin in Sorge, dass die 15 Männer womöglich kein den internationalen Grundsätzen der Fairness entsprechendes Gerichtsverfahren erhalten haben.

  • Ich bitte Sie, dafür Sorge zu tragen, dass Verstöße gegen internationale Standards für ein faires Gerichtsverfahren untersucht und für den weiteren Verlauf des Prozesses ausgeschlossen werden.

  • Ich bitte Sie eindringlich, ein Hinrichtungsmoratorium zu erlassen.

[APPELLE AN]

BOTSCHAFT DER REPUBLIK IRAK
S. E. Herrn Hussain Mahmood Fadhlalla Alkhateeb
Pacelliallee 19 – 21
14195 Berlin
(korrekte Anrede: Exzellenz)
Fax: 030-8148 8222
E-Mail: info@iraqiembassy-berlin.de

Bitten Sie um Weiterleitung an:

MINISTERPRÄSIDENT UND AMTIERENDER VERTEIDIGUNGS-UND INNENMINISTER
S. E. Nuri Kamil al-Maliki, Prime Minister
Convention Centre (Qasr al-Ma’aridh)
Baghdad, IRAK
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)

MINISTER FÜR MENSCHENRECHTE
His Excellency Mohammad Shayaa al-Sudani
Minister of Human Rights
Convention Centre (Qasr al-Ma’aridh)
Baghdad
IRAK
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)

JUSTIZMINISTER
Hassan al-Shammari
Minister of Justice
Convention Centre (Qasr al-Ma’aridh)
Baghdad
IRAK
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 2. August 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In den zurückliegenden Jahren sind im Irak zahlreiche Angeklagte auf der Grundlage von "Geständnissen" zum Tode verurteilt worden, die sie in der Untersuchungshaft unter Folter abgelegt haben. Während dieser Zeit waren sie ohne Kontakt zur Außenwelt inhaftiert und hatten keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand eigener Wahl. Einige Gefangene sind auf der Grundlage derartiger "Geständnisse" hingerichtet worden.

Im Irak wird die Todesstrafe äußerst häufig angewandt. Sie war 2003 von Paul Bremer, dem einstigen Leiter der Übergangsverwaltung der Koalitionsmächte im Irak, ausgesetzt, ein Jahr später jedoch von der irakischen Regierung wieder in Kraft gesetzt worden. Die Regierung in Bagdad gibt so gut wie keine Informationen, nicht einmal Statistiken, über Hinrichtungen preis. Derzeit sitzen – soweit bekannt – mindestens 1000 Menschen in den Todestrakten irakischer Gefängnisse ein. Die Todesstrafe verstößt gegen zwei in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankerte grundlegende Rechte eines jeden Menschen – gegen das in Artikel 3 verankerte Recht auf Leben und das in Artikel 5 niedergelegte Recht, weder der Folter noch grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen zu werden. Die Todesstrafe stellt nach Auffassung von Amnesty International die äußerste Form grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Strafe dar.

Amnesty International hat die von bewaffneten Gruppen im Irak verübten Menschenrechtsverstöße wiederholt verurteilt. Bei einigen der Übergriffe wie etwa Entführungen, Folterungen und Tötungen von Zivilpersonen handelt es sich um Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Amnesty International bekräftigt ihre Forderung, die dafür Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.