Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Vergewaltigungen angeordnet

  • Indien
UA-186/2015
Index:
ASA 20/2316/2015
24. August 2015

Frau MEENAKSHI KUMARI
ihre 15-jährige Schwester
und weitere Familienmitglieder

Indische Juristinnen fordern Gerechtigkeit für die Opfer sexueller Gewalt in Neu Delhi, 3. Januar 2013: © Louis Dowse / DemotixIndische Juristinnen fordern Gerechtigkeit für die Opfer sexueller Gewalt in Neu Delhi, 3. Januar 2013: © Louis Dowse / Demotix

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Am 30. Juli ordnete ein nicht gewählter, rein männlicher Dorfrat in Baghpat im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh die Vergewaltigung einer Frau, die der Kaste der Dalit angehört, und ihrer Schwester im Teenageralter an. Zudem sollen die Frauen unbekleidet vorgeführt werden. Die Schwestern sind zusammen mit ihrer Familie aus dem Dorf geflohen und befinden sich derzeit in Neu-Delhi.

Am 24. Mai 2015 sind die 23-jährige Meenakshi Kumari und ihre 15 Jahre alte Schwester aus ihrem Heimatdorf im Bezirk Bahgpat in Nordindien geflohen. Sie fürchteten Gewalt, nachdem ihr Bruder mit einer verheirateten Frau, deren Familie der Gruppe der Jat (dominante Kaste) angehört, weggelaufen war. Am 30. Mai wurde ihr Haus in dem Dorf durchsucht. Am 30. Juli ordneten die Mitglieder eines khap panchayat, eines traditionellen, nicht gewählten, rein männlichen Dorfrates, die Vergewaltigung von Meenakshi Kumari und ihrer Schwester als Strafe für das Verhalten ihres Bruders an. Außerdem sollen die Frauen unbekleidet mit schwarz bemalten Gesichtern vorgeführt werden.

Die Familie fürchtet weiter um ihre Sicherheit. Sumit Kumar, ein anderer Bruder, sagte: "Im panchayat ist die Entscheidung der Jat endgültig. Sie hören uns nicht zu. Die Polizei hört uns nicht zu. Die Polizei hat gesagt, dass jetzt jeder getötet werden könnte."

Am 5. August reichte Meenakshi Kumari vor dem Obersten Gerichtshof einen Antrag ein und bat um Schutz für ihre Familie, damit diese in ihr Heimatdorf zurückkehren könne. Die Familie gab zudem an, um die Sicherheit der Jat-Frau, die mit ihrem Bruder weggelaufen war, besorgt zu sein. Nach eigenen Angaben erwartet die Frau ein Kind vom Bruder von Meenakshi Kumari. Der Vater der beiden von Vergewaltigung bedrohten Frauen hat bei der Nationalen Menschenrechtskommission und der Nationalen Kommission für Registrierte Kasten wegen Drangsalierungen durch die Polizei und die Familie der dominanten Kaste Beschwerde eingelegt.

Am 18. August wies der Oberste Gerichtshof die Behörden in Uttar Pradesh an, bis zum 15. September auf den Antrag zu reagieren. "Seit wir beim Obersten Gerichtshof waren, sind die Bewohnerinnen und Bewohner des Dorfes noch aggressiver", so Sumit Kumar.

SCHREIBEN SIE BITTE

E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte leiten Sie alle notwendigen Schritte ein, um die Sicherheit von Meenakshi Kumari, ihrer Schwester sowie der übrigen Familienangehörigen entsprechend ihrer Wünsche zu gewährleisten. Stellen Sie sicher, dass die Familie in ihr Heimatdorf zurückkehren kann.
  • Ich fordere Sie auf, schnell eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Anweisungen des khap panchayat einzuleiten, wonach die Schwestern vergewaltigt werden sollen. Bitte verfolgen Sie die Verantwortlichen strafrechtlich, sofern genügend Beweise vorliegen.
  • Bitte gewährleisten Sie die Sicherheit der Frau der dominanten Kaste. Bitte treffen Sie entsprechende Vorkehrungen, um jegliche Gewalt gegen sie zu verhindern.

APPELLE AN

GENERALSEKRETÄR (PRIVATADRESSE)
Debashish Panda
Civil secretariat
Lucknow, Uttar Pradesh
INDIEN
(Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Generalsekretär)

GENERALDIREKTOR DER POLIZEI
Jagmohan Yadav
Ranapratap Marg
Lucknow, Uttar Pradesh
INDIEN
E-Mail: dgp@up.nic.in
(Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Generaldirektor)

LEITER DER POLIZEIWACHE
Subodh Yadav
Khekra Police Station
Vijaya Nagar
Baghpat District 250101, Uttar Pradesh
INDIEN
(Anrede: Dear Sir / Sehr geehrter Herr Subodh Yadav)

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK INDIEN
S. E. Herrn Vijay Keshav Gokhale
Tiergartenstr. 17
10785 Berlin
Fax: 030-2579 5102
E-Mail: dcm@indianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Hindi, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. September 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Nicht gewählte Dorfräte oder khap panchayats sind in einigen Teilen Indiens weit verbreitet. Sie setzen sich normalerweise aus älteren Männern zusammen, die dominanten Kasten angehören und Regeln für Verhalten und den Umgang in Dörfern vorschreiben. Sie sind dafür bekannt, sexuell gewalttätige Strafen gegen Frauen anzuordnen. 2011 bezeichnete der Oberste Gerichtshof von Indien im Fall Arumugam Servai gegen den Bundesstaat Tamil Nadu diese panchayats als "Scheingerichte". Ihre Anordnungen seien rechtswidrig. In einigen Bundesstaaten in Indien agieren diese Räte jedoch noch immer und ihre Anweisungen werden weiterhin ausgeführt. Im April 2014 brachte die UN-Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen ihre Sorge über den andauernden Einfluss von khap panchayats zum Ausdruck.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • To take all necessary steps to ensure the safety of Meenakshi Kumari, her sister, and the rest of their family, in accordance with their wishes, and ensure that they are able to return to their home.
  • To carry out a swift, full and impartial investigation into the orders passed by the khap panchayat to rape the sisters, and where sufficient evidence exists, prosecute the suspects.
  • To ensure the safety of the woman from the dominant caste family, and take necessary precautions to prevent any violence against her.