Aktivist freigelassen

Magdi Aqasha, Vorsitzender der bekannten sudanesischen Jugendorganisation Sharara (Jugend für den Wandel), ist am 2. Juli freigelassen worden. Während seiner Haft in den Räumen des Nationalen Sicherheitsdienstes des Sudan (National Security Service – NSS) wurde er geschlagen und auf andere Weise misshandelt. Zwar drohen ihm Strafanzeigen in Zusammenhang mit seinem Engagement, er befindet sich nun aber in Freiheit.

Sachlage

Magdi Aqasha wurde am 24. Juni 2012 festgenommen, nachdem er in einen Verkehrsunfall mit einem ihn überwachenden Motorradfahrer des Nationalen Sicherheitsdienstes verwickelt gewesen war. Am 27. Juni 2012 wurde Magdi Aqasha wegen versuchten Mordes und Widerstands gegen seine Festnahme angeklagt und anschließend in die Räume des NSS in der Nile Street in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum gebracht.

Während seiner Haft wurde Magdi Aqasha wiederholt geschlagen und mit Stöcken verprügelt. Zudem zwang man ihn, stundenlang in der prallen Sonne zu sitzen, bestrafte ihn mit Schlafentzug und drohte, ihn zu töten. Am 2. Juli wurde er freigelassen, muss sich jedoch täglich beim NSS melden. Am 5. Juli weigerte er sich dies zu tun. Zwar drohen ihm weiterhin Strafanzeigen, aber nun befindet er sich auf freiem Fuß.

Magdi Aqasha und seine Familie drückten ihre Dankbarkeit gegenüber Amnesty International und allen anderen aus, die sich für ihn eingesetzt haben. Amnesty International wird die Entwicklungen weiter beobachten und bei Bedarf erneut zu Aktionen aufrufen. Zur Zeit sind keine weiteren Appelle nötig.

[HINTERGRUNDINFORMATIONEN ]

Am 17. Juni brachen an der Universität von Khartum Demonstrationen aus, nachdem der sudanesische Präsident Omar al-Bashir bekannt gegeben hatte, dass als Folge der finanziellen Regierungskrise die Subventionierung von Brennstoffen und Grundnahrungsmitteln gestrichen werden würde. Die Proteste lösten eine breitere Bewegung aus und führten zu täglichen Protesten in Khartum, den Vororten und in den Hauptstädten der Provinzen.

Die Behörden reagierten mit unverhältnismäßiger Gewalt. Die Polizei verwendete Schlagstöcke, Tränengas und Gummigeschosse, um gegen friedliche Demonstrierende vorzugehen. Zudem begann der NSS mit einem breiten, systematischen Durchgreifen gegen die Zivilgesellschaft, indem er mehrere hundert Personen festnehmen ließ – nicht nur Demonstrierende, sondern auch mehrere hundert Oppositionsmitglieder, JugendaktivistInnen, RechtsanwältInnen, JournalistInnen und VertreterInnen von NGOs.

In manchen Fällen sind die Gefangenen nach wenigen Stunden ohne Anklage wieder freigelassen worden. Andere wurden in inoffiziellen Hafteinrichtungen gebracht, wo sie unter anderem mit Fausthieben, Holzstöcken und Metallstäben gefoltert wurden. Einzelpersonen, die wegen ihrer Beteiligung an Demonstrationen festgenommen worden waren, wurden außerdem wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" angeklagt und zu Geldbußen oder Peitschenhieben verurteilt. Letzteres kommt der Folter oder anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe gleich.