Zwangsräumung
Ergebnis dieser Urgent Action
Am 28. September sind etwa 250 Roma aus dem Camp Tor de’ Cenci in Rom vertrieben worden. Die einzige Alternativunterkunft, die ihnen angeboten wurde, ist die Unterbringung in einem anderen Camp, getrennt von Angehörigen anderer Bevölkerungsgruppen.
Roma in Italien
© @ Amnesty International
Am 28. September sind etwa 250 Roma aus dem Camp Tor de’ Cenci in Rom vertrieben worden. Die einzige Alternativunterkunft, die ihnen angeboten wurde, ist die Unterbringung in einem anderen Camp, getrennt von Angehörigen anderer Bevölkerungsgruppen.
Sachlage
Etwa 250 Roma, die zum Großteil aus Bosnien stammen, wurden am 28. September aus dem Camp Tor de’ Cenci vertrieben. Einige von ihnen hatten bereits seit bis zu 16 Jahren in diesem Camp gelebt. BeamtInnen der lokalen und nationalen Polizei waren anwesend, um die Zwangsräumung durchzuführen. Die Container, in denen die Familien viele Jahre gelebt hatten, wurden mit Bulldozern zerstört.
Wenige Tage vor der Zwangsräumung, am 26. September, hatte das regionale Verwaltungsgericht entschieden, dass die Räumungsanordnung des Bürgermeisters von Rom vom 31. Juli gesetzmäßig sei und daher ausgeführt werden könne. Die Anordnung sah eine Räumung des Camps aufgrund von Gesundheits- und Sicherheitsrisiken vor.
Die BewohnerInnen des Camps Tor de’ Cenci wurden nicht über den Zeitpunkt der Räumung informiert, was eine Verletzung ihrer Rechte bedeutet. Man gab ihnen lediglich einige Stunden, um ihr Hab und Gut zusammenzupacken, und informierte sie nur unzureichend darüber, wo man sie vorübergehend unterbringen würde. Die Räumung begann bereits am frühen Morgen. Viele Kinder sollen die überstürzte Zerstörung der Container unter Tränen mitangesehen haben. Kinder im Schulalter verpassten an diesem Tag den Unterricht. Darüber hinaus bot man den Familien keine angemessenen Alternativunterkünfte an. Das einzige, was man ihnen anbot, war die Umsiedlung in eines der zwei offiziellen Camps, Castel Romano und La Barbuta. In beiden Camps sind ausschließlich Roma untergebracht, was eine zusätzliche ethnische Ausgrenzung für die betroffenen Familien bedeuten würde. Die Unterkünfte befinden sich zudem in abgelegenen Gebieten außerhalb der Stadt, wo die Grundversorgung einschließlich der Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel nur schwer zugänglich ist. Sie sind von Zäunen umgeben und werden mithilfe von Videokameras ständig überwacht. Die Grundrechte der BewohnerInnen, wie das Recht auf ein Familienleben, werden in diesen Camps unrechtmäßig eingeschränkt. So müssen beispielsweise alle externen BesucherInnen eine Genehmigung einholen und sich ausweisen und dürfen ein Camp nur zu bestimmten Besuchszeiten betreten.
Etwa 100 Roma wurden zurück in das Camp La Barbuta gebracht. Sie waren Ende Juli schon einmal dorthin umgesiedelt worden und dann in den Tagen vor der Gerichtsentscheidung nach Tor de’ Cenci zurückgekehrt, in der Hoffnung, dort bei einem Urteil gegen die Schließung wieder unterzukommen. Eine weitere Gruppe von 150 Personen, einschließlich 90 Kindern, wurde vorübergehend in einer Notunterkunft untergebracht, in der menschenunwürdige Lebensbedingungen herrschen. Es handelt sich dabei um eine Lagerhalle, in der zuvor Messen ausgerichtet wurden. Dort müssen sich die 150 Roma Berichten zufolge ein Dutzend mobiler Toiletten und acht Duschen teilen, die sich im Freien befinden. Sie sollen zu einem späteren Zeitpunkt in das Camp Castel Romano gebracht werden.
Amnesty International wiederholt ihre Forderungen an die Regierung Italiens, sicherzustellen, dass die Familien aus Tor de’ Cenci Entschädigungen sowie einen wirksamen Rechtsbehelf erhalten. Die Organisation fordert zudem, dass langfristige und angemessene Unterkunftsmöglichkeiten gefunden werden, welche die Roma-Familien nicht zusätzlich isolieren und so ihre Diskriminierung fördern. Amnesty International wird sich im Rahmen ihrer Langzeit-Kampagne für das Recht der Roma auf angemessene Unterkunft auch zukünftig für die Betroffenen einsetzen und die Situation weiter beobachten. Falls erforderlich werden weitere Aktionen eingeleitet.
Derzeit sind keine weiteren Aktionen des Eilaktionsnetzes erforderlich. Danke an alle, die Appelle geschrieben haben.