Vier Männer hingerichtet

Schatten einer Person, der eine Pistole an den Kopf gehalten wird

Am 29. Juli sind in Indonesien vier Männer wegen Drogendelikten hingerichtet worden. Neun weitere Männer und eine Frau haben in letzter Minute einen Hinrichtungsaufschub erhalten, nachdem sie bereits auf den Hinrichtungsplatz gebracht worden waren. Weder die Gründe für die Aussetzung der Exekutionen noch der zeitliche Rahmen sind bekannt. Die zehn zum Tode Verurteilten sind weiterhin in Gefahr, hingerichtet zu werden.

Appell an

PRÄSIDENT
H. E. Joko Widodo
Istana Merdeka
Jakarta Pusat 10110, INDONESIEN
(Anrede: Dear President / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 62) 21 345 0009
E-Mail: webmaster@ksp.go.id
Twitter: @jokowi

MINISTER FÜR POLITISCHE, RECHTLICHE UND SICHERHEITSANGELEGENHEITEN
Mr. Luhut Panjaitan
Jl. Medan Merdeka Barat No. 15
Jakarta Pusat 10110, INDONESIEN
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 62) 21 348 33704
Twitter: @PolhukamRI

Sende eine Kopie an

VORSITZENDER DER NATIONALEN MENSCHENRECHTSKOMMISSION (KOMNAS HAM)
Mr. Imdadun Rahmat
Jl. Latuharhary No. 4
Menteng, Jakarta Pusat 10310
INDONESIEN
Fax: (00 62) 21 392 5227
E-Mail: info@komnasham.go.id

BOTSCHAFT DER REPUBLIK INDONESIEN
S.E. Herrn Fauzi Bowo
Lehrter Straße 16-17
10557 Berlin
Fax: 030-4473 7142
E-Mail: info@indonesian-embassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, da die Hinrichtungen jederzeit drohen könnten. Schreiben Sie in gutem Indonesisch, Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

LUFTPOSTBRIEFE, E-MAILS, FAXE UND TWITTER-NACHRICHTEN MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte stoppen Sie unverzüglich alle Vorbereitungen für weitere Hinrichtungen und verhängen Sie ein Hinrichtungsmoratorium, als ersten Schritt hin zur vollständigen Abschaffung der Todesstrafe.

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden, mit denen sichergestellt wird, dass alle Todesstrafenfälle von einer unabhängigen und unparteiischen Einrichtung mit dem Ziel überprüft werden, die Todesurteile umzuwandeln.

  • Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass Drogenkriminalität nicht zur Kategorie der "schwersten Verbrechen" zählt, für die nach dem Völkerrecht die Todesstrafe verhängt werden dürfte. Internationale Mechanismen zum Schutz der Rechte von zum Tode Verurteilten müssen in allen Fällen streng beachtet werden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to immediately halt plans to carry out any executions and establish a moratorium on all executions with a view to abolishing the death penalty.

  • Calling them to take immediate steps to ensure that the cases of all those under sentence of death are reviewed by an independent and impartial body, with a view to the commutation of their death sentences.

  • Reminding them that drug-related offences do not meet the threshold of the "most serious crimes" to which the use of the death penalty must be restricted under international law and that international safeguards guaranteeing protection of the rights of those facing the death penalty must be strictly observed in all capital cases.

Sachlage

Etwa eine Stunde nach Mitternacht am 29. Juli wurden auf der indonesischen Gefängnisinsel Nusakambangan in der Nähe von Cilacap in Zentral-Java der nigerianische Staatsbürger Humphrey Jefferson Ejike, zwei weitere Nigerianer und ein Indonesier von einem Erschießungskommando hingerichtet. Die Männer waren wegen Drogendelikten zum Tode verurteilt worden. Diese Straftaten fallen jedoch nicht in die Kategorie der "schwersten Verbrechen", auf welche die Anwendung der Todesstrafe gemäß dem Völkerrecht und internationalen Standards beschränkt sein muss. Humphrey Jefferson Ejike hatte am 26. Juli ein Gnadengesuch beim Staatspräsidenten eingereicht, er wurde jedoch hingerichtet, ohne dass der Präsident sich mit dem Gnadengesuch befasst hatte. Der indonesische Staatsbürger hatte am 28. Juli ein Gnadengesuch gestellt, nachdem der Oberste Gerichtshof vor etwa einer Woche eine Überprüfung seines Falls abgelehnt hatte. Die indonesischen Behörden informierten die Familien der 14 zum Tode verurteilten Gefangenen erst am Morgen des 28. Juli darüber, dass die Hinrichtungen an jenem Tag stattfinden sollten.

Die Behörden hatten auch die Hinrichtungen der indonesischen Staatsangehörigen Merri Utami und der beiden Indonesier Agus Hadi und Pujo Lestari sowie des pakistanischen Staatsbürgers Zulfiqar Ali vorgesehen und sie zum Exekutionsplatz gebracht. Die Gefangenen wurden jedoch wieder in ihre Zellen gebracht, ohne dass die Behörden dafür Gründe angaben. Merri Utami wurde später von der Gefängnisinsel Nusakambangan in eine Hafteinrichtung für Frauen verlegt. Auf einer Pressekonferenz am selben Tag erklärte der stellvertretende Generalstaatsanwalt, dass die Regierung noch nicht entschieden habe, wann die Todesurteile der übrigen zehn Gefangenen vollstreckt würden. Später hieß es in einer Stellungnahme des Generalstaatsanwalts, seine Behörde werde eine "umfassende Studie" durchführen, um sicherzustellen, dass in den Fällen der zehn Personen keine "Justizirrtümern oder anderen Fehler" vorliegen.

Die indonesischen Behörden haben ihre Hinrichtungspolitik wiederholt als effektives Mittel im Kampf gegen den Drogenschmuggel bezeichnet, obwohl für diese Behauptung keine unabhängigen und glaubhaften Beweise existieren.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im Jahr 2015 wurden mindestens 46 Personen zum Tode verurteilt – weitaus mehr als im Jahr 2014, als nur sechs neue Todesurteile ausgesprochen wurden. Von den im Jahr 2015 zum Tode verurteilten Personen wurden 29 wegen Straftaten im Zusammenhang mit Drogenkriminalität und 17 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Am Ende des Jahres drohte insgesamt mindestens 165 Personen die Hinrichtung. Alle im Jahr 2015 hingerichteten Personen waren wegen Drogenschmuggels zum Tode verurteilt worden, einer Straftat, die nicht in die Kategorie der "schwersten Verbrechen" fällt, auf welche die Anwendung der Todesstrafe gemäß dem Völkerrecht und internationalen Standards beschränkt sein muss. UN-Institutionen und unabhängige Expertengremien vertreten die Auffassung, dass die Todesstrafe ausschließlich bei solchen Verbrechen, bei denen vorsätzlich getötet wurde, eingesetzt werden darf. Die Todesstrafe wird auch in internationalen Abkommen zur Bekämpfung von Drogenkriminalität abgelehnt.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe uneingeschränkt und in allen Fällen ab, ungeachtet der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode.

Forschungsergebnisse der Nationalen Menschenrechtskommission (Komisi Nasional Hak Asasi Manusia, Komnas HAM), Amnesty Internationals, des Instituts für Strafrechtsreform (Institute for Criminal Justice Reform) und weiterer Menschenrechtsorganisationen zeigen, dass systemische Mängel in der indonesischen Justizverwaltung dazu geführt haben, dass gegen internationale Schutzmechanismen, wie zum Beispiel das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren, verstoßen wurde. Diese Mechanismen müssen in allen mit der Todesstrafe im Zusammenhang stehenden Fällen streng beachtet werden. In mehreren der betreffenden Fälle hatten Angeklagte seit ihrer Festnahme und zu verschiedenen Zeitpunkten während ihrer Gerichts- und Rechtsmittelverfahren keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand. Die Polizei misshandelte einige von ihnen, um sie zu einem "Geständnis" zu zwingen oder sie dazu zu bewegen, polizeiliche Ermittlungsakten zu unterschreiben, die als Beweismaterialien vor Gericht verwendet wurden. Einige Häftlinge wurden zu Beginn ihres Gerichtsverfahrens, Monate nach ihrer Festnahme, erstmals einem Richter vorgeführt. Des Weiteren erhielten einige keine Rechtshilfe, als sie Rechtsmittel gegen ihre Verurteilung oder ihr Strafmaß einlegten. Andere wiederum legten nicht einmal Rechtsmittel ein, da sie von ihrem Rechtsbeistand nicht über ihr Recht, dies zu tun, aufgeklärt worden waren. Im Jahr 2015 wurden fünf zum Tode Verurteilte hingerichtet, obwohl indonesische Gerichte zugestimmt hatten, ihre Rechtsmittel zu prüfen. Obwohl das Völkerrecht die Verhängung der Todesstrafe gegen Personen unter 18 Jahren oder Personen mit einer geistigen Behinderung oder psychischen Erkrankung eindeutig untersagt, hat Amnesty International zwei Fälle dokumentiert, in denen Gefangene sich darauf beriefen, dass sie minderjährig waren bzw. eine geistige Behinderung aufwiesen, dies jedoch nicht angemessen untersucht wurde. Daher wurde in beiden Fällen widerrechtlich die Todesstrafe verhängt und in mindestens einem Fall auch vollstreckt.

Der Großteil der Staaten weltweit hat die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft und insgesamt haben sich bis heute140 Staaten per Gesetz oder in der Praxis gegen die Todesstrafe entschieden. Im Jahr 2015 allein haben vier Staaten – Republik Kongo, Fidschi, Madagaskar und Suriname – die Todesstrafe aus ihren Gesetzen gestrichen.

FORTSETZUNG AUF ENGLISCH
Humphrey Jefferson Ejike did not have access to a lawyer at the time of his arrest, interrogation or detention. He was detained for a total of five months without legal representation. He stated that he was repeatedly beaten during interrogation and threatened with being shot if he refused to sign papers in which he "confessed" to the crime or if he refused to implicate others. Agus Hadi and Pujo Lestari, currently at risk of execution, were held in police custody in total for nine weeks before they appeared before a judge at their first trial hearing. Agus Hadi only received assistance from a lawyer 20 days after his arrest, while Pujo Lestari had legal counsel appointed 78 days after his arrest and a week after the court had scheduled the first trial hearing. Merri Utami told her current lawyer that shortly after her arrest the police repeatedly beat her, sexually harassed her and threatened her with rape to make her "confess" to possessing the drug; and that her sight has been damaged as a consequence of the beatings. She submitted an application for clemency to the president on 26 July 2016. While in pre-trial detention, Zulfiqar Ali was refused the right to contact his embassy and was not permitted any access to a lawyer until approximately one month after his arrest. Whilst being interrogated by the district police, Zulfiqar Ali was kept in a house for three days and punched, kicked and threatened with death unless he signed a self-incriminating statement, which he later did. After three days he was sent to a police hospital, where he required stomach and kidney surgery due to damage caused by the beatings. During his trial he described this torture, but the judges allowed the "confession" to be admitted as evidence. He received limited translation assistance throughout his detention and during the proceedings against him. At the trial, he was provided with translation only from Bahasa Indonesia to English, but he understood only a little English.