Arzt wegen Majestätsbeleidigung in Haft
Das medizinische Personal vor dem Berufungsgericht in Bahrain nach der Anhörung im November 2011
© Amnesty
Dr. Sa’eed Mothaher Habib al-Samahiji ist am 1. Juli wegen "Majestätsbeleidigung" zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Er ist ein gewaltloser politischer Gefangener.
Appell an
KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555
Rifa’a Palace
al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 4587
INNENMINISTER
Shaikh Rashid bin 'Abdullah Al Khalifa
Ministry of Interior
P.O. Box 13
al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 1723 2661
Twitter: @moi_Bahrain
Sende eine Kopie an
MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P.O. Box 450
al-Manama, BAHRAIN
Fax: (00 973) 1753 1284
E-Mail: minister@justice.gov.bh
Twitter: @Khaled_Bin_Ali
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S. E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über die Website
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt/
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 20. August 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich bin äußerst besorgt darüber, dass Dr. Sa’eed Mothaher Habib al-Samahiji ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der sich nur in Haft befindet, weil er von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht hat und bitte Sie, ihn umgehend und bedingungslos freizulassen.
- Ich fordere Sie höflich auf, Gesetze, die die friedliche Ausübung der Rechte auf Meinungsfreiheit illegalisieren, aufzuheben, im Einklang mit den Verpflichtungen der Regierung aus Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern that Dr Sa'eed Mothaher Habib al-Samahiji is a prisoner of conscience, held solely for peacefully exercising his right to freedom of expression, and urging the Bahraini authorities to release him immediately and unconditionally.
- Urging them to repeal laws that criminalize the peaceful exercise of the right to freedom of expression, in line with Bahrain’s obligations under Article 19 of the International Covenant on Civil and Political Rights.
Sachlage
Dr. Sa’eed Mothaher Habib al-Samahiji wurde der "öffentlichen Beleidigung des Königs von Bahrain" für schuldig befunden und am 11. Dezember 2013 von der Abteilung 3 des vorinstanzlichen Strafgerichts in der Hauptstadt Manama zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er musste eine Kaution in Höhe von 200 Bahrain-Dinar (etwa 390 Euro) zahlen, um die Vollstreckung des Urteils bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens auszusetzen. Die Verurteilung erfolgte auf Grundlage der Artikel 92/2 und 214 des bahrainischen Strafgesetzbuchs. Artikel 214 lautet: "Die Beleidigung des Emirs [Königs], der Nationalflagge und des Nationalwappens wird mit einer Gefängnisstrafe geahndet". Dies stellt eine Verletzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung dar. Am 3. April 2014 bestätigte das Hohe Berufungsgericht das Urteil. Dr. Sa’eed Mothaher Habib al-Samahiji wurde am 1. Juli festgenommen, um seine Haftstrafe im etwa 30 Kilometer südlich von Manama gelegenen Jaw-Gefängnis zu verbüßen. Amnesty International hat gerichtliche Dokumente überprüft und betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen, der sich nur in Haft befindet, weil er von seinem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht hat.
Dr. Sa’eed Mothaher Habib al-Samahiji hielt am 1. September 2013 eine kurze Rede, nachdem er an der Beerdigung des 22-jährigen Demonstranten Sadeq Sabt teilgenommen hatte. Dieser starb im Salmaniya-Krankenhaus, einen Monat nachdem er während einer Demonstration am 30. Juli 2013 von einem Polizeiwagen überfahren worden war. Dr. Sa’eed Mothaher Habib al-Samahiji und weitere Ärzte waren 2011 wegen der Beteiligung an Protesten zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Gegenüber Amnesty International gab er an, bei seiner Festnahme 2011 auf den Kopf, gegen die Beine und im Nierenbereich geschlagen worden zu sein und dass er aufgrund der Folter auch heute noch Probleme hat.
Hintergrundinformation
Dr. Sa’eed Mothaher Habib al-Samahiji ist Augenarzt und gehört zu einer Gruppe von Gesundheitsexpert_innen des Salmaniya-Krankenhauses in Manama, die im März und April 2011 festgenommen wurden. Einige von ihnen äußerten sich offen gegenüber ausländischen Journalist_innen und warfen der Regierung Misshandlung von Demonstrierenden vor. Alle wurden mehrere Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten. In den meisten Fällen wussten die Familien nichts über ihre Aufenthaltsorte und durften nur während der ersten Sitzung des am 6. Juni 2011 beginnenden Gerichtsverfahrens vor dem erstinstanzlichen Militärgericht für Nationale Sicherheit mit ihnen in Kontakt treten. Die Betroffenen wurden im September 2011 von diesem Gericht zu Haftstrafen zwischen fünf und 15 Jahren verurteilt. Im Juni 2012 reduzierte das Hohe Berufungsgericht die Haftstrafen von neun Personen, darunter Dr. Sa’eed Mothaher Habib al-Samahiji, auf zwischen einen Monat und fünf Jahre. Die restlichen Personen wurden freigesprochen. Am 1. Oktober 2012 wies das bahrainische Kassationsgericht in Manama Berufungsklagen von neun Ärzt_innen und Krankenpfleger_innen gegen ihre Verurteilungen zurück und bestätigte ihre Urteile. Dr. Sa’eed Mothaher Habib al-Samahiji wurde nach Verbüßung seiner Haftstrafe am 24. April 2013 freigelassen. Dr. Ali 'Esa Mansoor al-'Ekri, Facharzt für Chirurgie, verbüßt immer noch eine fünfjährige Haftstrafe im Jaw-Gefängnis.
Nach Überprüfung der gerichtlichen Dokumente und Beweise hat Amnesty International keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass einer von ihnen während der 2011 stattfindenden Demonstrationen für Reformen Gewalt angewendet oder befürwortet hat. Amnesty International betrachtet die Betroffenen als gewaltlose politische Gefangene, die sich nur in Haft befinden, weil sie von ihren Rechten auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit Gebrauch gemacht haben.