Junger Mann zum Tode verurteilt
Simulierte Hinrichtung.
© Amnesty International
Der 23-jährige Pavel Selyun ist am 12. Juni im Westen von Belarus wegen zweifachen Mordes zum Tode verurteilt worden.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
Alyaksandr Lukashenka
ul. Karla Marxa 38
220016 Minsk
BELARUS
(Anrede: Dear President Lukashenka / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 375) 17 226 06 10 oder
(00 375) 17 222 38 72
E-Mail: contact@president.gov.by
Sende eine Kopie an
VORSITZENDER DES OBERSTEN GERICHTS VON BELARUS
Valentin Sukalo
Lenina 28
220030 Minsk
BELARUS
Fax: (00 375) 17 3271225
E-Mail: scjustrb@pmrb.gov.by
BOTSCHAFT DER REPUBLIK BELARUS
S. E. Herrn Andrei Giro
Am Treptower Park 32
12435 Berlin
Fax: 030-5363 5923
E-Mail: germany@mfa.gov.by
berlin@belembassy.org
info@belarus-botschaft.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Belarussisch, Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 8. August 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Bitte wandeln Sie das gegen Pavel Selyun verhängte Todesurteil um.
-
Ich appelliere zudem an Sie, unverzüglich alle weiteren anhängigen Todesurteile in Belarus in Gefängnisstrafen umzuwandeln.
- Ich möchte Sie nachdrücklich bitten, ein sofortiges Hinrichtungsmoratorium zu verhängen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Urging President Lukashenka to commute immediately the death sentence of Pavel Selyun.
-
Urging him to commute immediately all the death sentences in Belarus.
- Calling on him to establish an immediate moratorium on the use of the death penalty.
Sachlage
Pavel Selyun ist am 12. Juni vom Bezirksgericht Hrodna zum Tode verurteilt worden. Ihm wird vorgeworfen, im August 2012 seine Frau und ihren Liebhaber getötet zu haben. Sein Rechtsbeistand legte beim Obersten Gerichtshof Berufung ein.
Zurzeit befindet sich Pavel Selyun im Untersuchungsgefängnis Nr. 1 in Hrodna (SIZO), in dem die Gefangenen in Einzelhaft gehalten werden. Seine Mutter, Tamara Selyung, die über 300 km von Hrodna entfernt lebt, hat seit seiner Inhaftierung am 12. Juni keine Briefe von ihm erhalten und ist in Sorge, dass ihr Sohn möglicherweise Selbstmord begeht. Amnesty International sagte sie: "Mein Sohn ist würdig, einen Beitrag für sein Land zu leisten und sollte nicht da sein, wo er sich gerade befindet."
Belarus ist der letzte europäische Staat, in dem die Todesstrafe noch angewendet wird: 2012 sind drei Männer hingerichtet worden. 2013 sind bereits drei Todesurteile verhängt worden: Rygor Yuzepchuk wurde am 24. April und Alyaksandr Harynou am 14. Juni zum Tode verurteilt.
Beim vom Europarat organisierten Runden Tisch über Religion und Todesstrafe am 21. Juni sprach sich das Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Belarus, Metropolit Filaret, gegen die Todesstrafe aus: "Wir Christen können die Todesstrafe nicht legitimieren, da sie die Sünde des Mordes darstellt… Wir sündhaften Menschen haben weder das Recht, einer Person das Leben zu gewähren, noch sollten wir über die Existenz einer Person entscheiden."
Hintergrundinformation
In Belarus werden Todesurteile oft infolge von unfairen Gerichtsverfahren verhängt, die sich häufig auf erzwungene Geständnisse stützen. Die Todesurteile werden unter strenger Geheimhaltung vollstreckt, ohne die zum Tode Verurteilen selbst, ihre Familien oder Rechtsbeistände angemessen darüber in Kenntnis zu setzen. Den Familien wird die Leiche des Hingerichteten nicht ausgehändigt oder gesagt, wo sie begraben wurde. Die vollzogenen Hinrichtungen laufen den Forderungen des UN-Menschenrechtsausschusses an die Regierung von Belarus, keine Todesurteile zu vollstrecken, zuwider. Die Anwendung der Todesstrafe in Belarus stellt laut dem UN-Menschenrechtsausschuss und weiteren Organen eine Verletzung der Menschenrechte der zum Tode verurteilten Personen sowie ihrer Familien dar.
Amnesty International lehnt die Todesstrafe in allen Fällen ohne Ausnahme ab, weil sie eine Verletzung des Rechts auf Leben, wie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt, darstellt. Amnesty International betrachtet die Todesstrafe als die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen.