Wegen friedlicher Aktion festgenommen
Thailand
© Amnesty International
Zehn Studierende und drei Aktivist_innen, die sich für die Rechte von Arbeiter_innen einsetzen, sind am 23. Juni festgenommen worden. Grund dafür war, dass sie Flugblätter zu dem für den 7. August geplanten Referendum über einen Verfassungsentwurf verteilt hatten. Sieben der Studierenden befinden sich im Untersuchungsgefängnis in Bangkok.
Appell an
JUSTIZMINISTER
Gen. Paiboon Koomchaya
Ministry of Justice
Country Govt Center
Building at the Prestigious 80th December 5, 2550
120 Moo 3, Building A Road Rd Lak Si
Bangkok 10210
THAILAND
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 66) 2953 0503
MINISTERPRÄSIDENT
Gen. Prayut Chan-ocha
Government House
Pitsanulok Road, Dusit
Bangkok 10300
THAILAND
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
Fax: (00 66) 2 282 5131
Sende eine Kopie an
VORSITZENDER DER WAHLKOMMISSION
Supachai Somcharoen
Election Commission of Thailand
Government Building
Chaeng Watthana Road
Thung Song Hong
Khet Lak Si, Bangkok 10210
THAILAND
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 66) 2 694 322 8
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS THAILAND
Frau Aurapin Leelittham
Geschäftsträgerin a.i., Gesandte-Botschaftsrätin
Lepsiusstr. 64-66
12163 Berlin
Fax: 030-7948 1511 oder 030-7948 1251
E-Mail: general@thaiembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Thailändisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. August 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Es bereitet mir große Sorge, dass die 13 Aktivist_innen nur aufgrund der friedlichen Wahrnehmung ihrer Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit festgenommen wurden.
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Bitte lassen Sie die sieben Aktivist_innen, die sich im Untersuchungsgefängnis in Bangkok befinden, sofort und bedingungslos frei, und lassen Sie alle gegen die 13 Männer und Frauen erhobenen Anklagen fallen.
- Ich bitte Sie zudem, alle Einschränkungen der friedlichen Wahrnehmung der Rechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit aufzuheben. Dies gilt auch für die Zeit der Umsetzung der Pläne für einen politischen Übergang.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern that the 13 activists were arrested solely for the peaceful exercise of their rights to freedom of expression and peaceful assembly.
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Urging the authorities to immediately and unconditionally release the seven detained in Bangkok Remand Prison and drop all charges against all 13 activists.
- Urging authorities to lift restrictions on the peaceful exercise of the rights to expression, association and assembly, including during the implementation of plans for political transition.
Sachlage
Angehörige der Polizei und des Militärs nahmen am 23. Juni zehn Studierende und drei Arbeitsrechtsaktivist_innen im Bezirk Bang Phli in der Provinz Samut Prakhan am Rande der thailändischen Hauptstadt Bangkok fest. Dort hatten die 13 Männer und Frauen auf einem Markt Flyer verteilt. Nachdem sie über Nacht in Polizeigewahrsam festgehalten worden waren, ordnete ein Militärgericht in Bangkok am nächsten Tag die Freilassung von sechs von ihnen gegen Kaution an. Die anderen sieben Aktivist_innen wurden auf Anordnung des Gerichts in das Untersuchungsgefängnis von Bangkok gebracht, wo sie sich noch immer befinden. Sie müssen am 5. Juli für eine Haftüberprüfung vor einem Militärgericht in Bangkok erscheinen.
Den 13 Aktivist_innen wird vorgeworfen, gegen das Verbot von politischen Versammlungen von mehr als vier Personen verstoßen zu haben. Zudem wirft man ihnen vor, beabsichtigt zu haben, Wähler_innen in Bezug auf das für den 7. August geplante Referendum über die Verfassung Thailands zu beeinflussen. Ihnen drohen bei einem Schuldspruch gemäß des Gesetzes über das Verfassungsreferendum von 2016 und der Verordnung 3/2015 des Militärrats (National Council for Peace and Order) bis zu zehneinhalb Jahre Haft, Geldstrafen in Höhe von bis zu 210.000 Baht (etwa 5.300 Euro) und ein Wahlverbot.
Bei den sieben Studierenden, die im Untersuchungsgefängnis in Bangkok festgehalten werden, handelt es sich um Rangsiman Rome, Anan Loket, Yuttana Dasri, Korakoch Saengyenpan, Thirayut Napnaram, Somsakol Thongsuksai und Nantapong Panmat. Sie hatten sich geweigert, die Zuständigkeit des Militärgerichts von Bangkok anzuerkennen, und am 24. Juni keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution gestellt. Rangsiman Rome und Korakoch Saengyenpan sind bereits in einem anderen Fall im Zusammenhang mit ihrer Teilnahme an Demonstrationen der Bewegung New Democracy wegen illegaler politischer Versammlungen angeklagt. New Democracy ist eine von Studierenden angeführte prodemokratische Protestbewegung, die 2015 nach der Unterdrückung von Studierendenprotesten am ersten Jahrestag des Militärputschs von 2014 gegründet wurde. Rangsiman Rome ist zudem wegen Aufwiegelung angeklagt.
Das Militärgericht gewährte den drei Arbeitsrechtsaktivist_innen und drei Studenten eine Freilassung gegen Kaution. Es handelt sich bei ihnen um Konchanok Tanakhun, Ausschussmitglied des Verbands der Arbeitnehmer_innen im Bereich Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie, Tueanjai Waengkham und Pimai Ratwongsa, Mitglieder der Gewerkschaft Triumph International (Thailand), und die Studenten Worawut Butmat, Rackchart Wong-arthichart und Phanthip Saengathit. Die Freilassung gegen Kaution wurde mit Auflagen verknüpft, zu denen unter anderem ein Verbot der Unterstützung von oder Teilnahme an öffentlichen Protesten gehört.
Hintergrundinformation
Die Militärbehörden, die im Mai 2014 durch einen Putsch an die Macht kamen setzen derzeit ihre Pläne zum politischen Übergang und den für 2017 geplanten Wahlen um. Unter anderem haben sie einen Verfassungsentwurf vorgelegt, über den am 7. August in einem Referendum entschieden werden soll.
Auf dem Weg zum nächsten politischen Ziel schränken die Behörden die friedliche Wahrnehmung der Rechte auf Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit weiter tiefgreifend ein. Damit verstoßen sie gegen die Verpflichtungen Thailands unter dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte. Das Gesetz über das Verfassungsreferendum von 2016 sieht für Aktivitäten und Aussagen, mit denen "Verwirrung gestiftet" wird, um "die Planmäßigkeit der Wahlen zu beeinträchtigen" bis zu zehn Jahre Haft, Geldstrafen in Höhe von bis zu 210.000 Baht (etwa 5.300 Euro) sowie einen bis zu zehn Jahre geltenden Entzug des Wahlrechts vor. Dies gilt auch für Fälle, in denen das Wahlverhalten von Personen mithilfe "beleidigender" oder "unverschämter" Sprache beeinflusst werden soll. Verordnung 3/2015 des Militärrats sieht sechs Monate Haft und eine Geldstrafe von 10.000 Baht (etwa 260 Euro) vor, wenn jemand an einer politischen Versammlung von mehr als vier Personen teilnimmt.
Hochrangige Regierungsbeamt_innen, darunter auch der Ministerpräsident und der stellvertretende Ministerpräsident, haben gegenüber Medien angegeben, dass die Meinungsfreiheit während dieser Phase des politischen Übergangs nicht von Bedeutung sei. Sie haben erklärt, dass sie öffentliche Debatten und Meinungsäußerungen in den Medien in Bezug auf die Verfassung nicht dulden würden. Beamt_innen ziehen es in Betracht, rechtlich gegen die Macher_innen eines Videos vorzugehen, in dem dazu aufgerufen wird, bei dem Referendum mit "Nein" zu stimmen. Auch die strafrechtliche Verfolgung aller Gegner_innen der Verfassung auf Facebook und derjenigen, die T-Shirts tragen, mit denen zur Ablehnung der Verfassung aufgerufen wird, wird erwogen. All dies steht in klarem Widerspruch zu den Verpflichtungen Thailands gemäß internationalen Menschenrechtsabkommen, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu respektieren und zu schützen, wie es insbesondere Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte vorschreibt.
Am 16. Juni kündigten die Behörden an, dass sie Anklage gegen den Vorsitzenden und 18 führende Mitglieder der politischen Gruppe United Front for Democracy in Dictatorship erheben werde. Grund sei der Verstoß gegen das offizielle Verbot von "politischen" Versammlungen von mehr als vier Personen. Die Gruppe wollte am 5. Juni in ihrer Zentrale eine Auftaktveranstaltung für ihre Initiative zur Beobachtung des Referendums veranstalten. Die Polizei stürmte die Zentrale, und zwang die Gruppe dazu, die Feierlichkeiten zu beenden. Darüber hinaus schlossen Beamt_innen die Beobachtungsstellen der Gruppe im ganzen Land.