Mit dem Tod bedroht
Ingrid Vergara
© MOVICE
Franklín Torres, Ingrid Vergara und Pedro Geney, Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado (MOVICE) im Departamento Sucre im Norden von Kolumbien, erhielten am 19. Mai per E-Mail eine Morddrohung.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
Sr. Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño,
Carrera 8. No. 7-26
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Santos/
Excmo. Sr. Presidente Santos/Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631
MINISTER FÜR INNERES UND JUSTIZ
Sr. Germán Vargas Lleras
Ministerio del Interior y de Justicia
Carrera 9a. No 14-10
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister Vargas/
Estimado Sr. Ministro Vargas/Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 599 8961
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSORGANISATION
MOVICE
Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado
Calle 38 No 28 A 30
Barrio Bogotá
Sincelejo
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Drücken Sie Ihre Sorge um die Sicherheit von Franklín Torres, Ingrid Vergara, Pedro Geney und anderen Mitgliedern der Organisation MOVICE aus. Dringen Sie bei den Behörden darauf, in Absprache mit den Betroffenen ihren wirksamen Schutz zu gewährleisten.
-
Dringen Sie bei den Behörden darauf, alle Morddrohungen, darunter auch frühere Morddrohungen gegen Ingrid Vergara und ihre KollegInnen, umfassend und unparteiisch zu untersuchen, die Ermittlungsergebnisse bekannt zu geben und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
-
Erinnern Sie die Behörden an ihre Verpflichtung aus der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern von 1998, nach der sicherzustellen ist, dass MenschrechtlerInnen ihre Arbeit ohne Angst durchführen können.
- Fordern Sie die Behörden auf, unverzüglich gegen paramilitärische Gruppierungen vorzugehen und diese aufzulösen, gemäß der von der kolumbianischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen sowie der Empfehlungen seitens der UNO und anderer internationaler Organisationen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Expressing concern for the safety of Franklín Torres, Ingrid Vergara, Pedro Geney and other members of MOVICE and urging the authorities to guarantee their safety in strict accordance with their wishes.
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Calling on the authorities to order a full and impartial investigation into all threats including previous death threats against Ingrid Vergara and her colleagues, publish the results and bring those responsible to justice.
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Reminding them to fulfil their obligations regarding the situation of human rights defenders, as laid out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.
- Urge the authorities to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations.
Sachlage
Am 19. Mai erhielten Franklín Torres, Ingrid Vergara und Pedro Geney, Mitglieder der Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado, MOVICE) eine E-Mail mit dem Betreff: "... ihr seid im Visier, in der nächsten Woche fließt Blut" (… estan [sic] en la mira la proxima semana correra sangre). Die E-Mail beinhaltete jeweils ein Bild ihrer Person sowie einen Text, in dem sie beschuldigt wurden, der Guerillagruppe der Revolutionären Streitkräfte von Kolumbien (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia, FARC) anzugehören. Unter den Fotos stand folgender Text: "…wenn ihr sie seht, denunziert sie oder, noch besser, tötet sie" (…si la ve denunciela [sic] o mejor matela [sic]).
Ingrid Vergara, Franklín Torres und Pedro Geney sind Mitglieder von MOVICE in Sincelejo im Departamento Sucre, wo sich die Bewegung für die Rückgabe von Land, vor allem im Gebiet Montes de María, stark macht, das von paramilitärischen Gruppierungen, zum Teil mit Unterstützung der Armee, rechtswidrig vereinnahmt wurde. Zu dieser Arbeit gehörte auch der Einsatz für die Rückgabe der Farm "La Europa" in der Gemeinde Ovejas im Departamento Sucre. Im Zuge ihres Einsatzes für die Rückgabe von Land wurden Mitglieder von MOVICE bereits bedroht und getötet. So töteten Paramilitärs am 23. März 2011 Eder Verbel Rocha. Am 17. Mai wurde der Hund der Familie Verbel vergiftet. Ein Angehöriger von einem der mutmaßlichen Mörder von Eder Verbel Rocha sagte, dass die ganze Familie vergiftet werden solle.
Am 16. Mai riet ein Angehöriger der kolumbianischen Streitkräfte Jakeline Moguea und Adolfo Verbel, zwei weiteren Mitgliedern von MOVICE, zu Hause zu bleiben, da Informationen vorlägen, nach denen jemand, der in der Vergangenheit bereits Morddrohungen erhalten habe, getötet werden solle.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Drücken Sie Ihre Sorge um die Sicherheit von Franklín Torres, Ingrid Vergara, Pedro Geney und anderen Mitgliedern der Organisation MOVICE aus. Dringen Sie bei den Behörden darauf, in Absprache mit den Betroffenen ihren wirksamen Schutz zu gewährleisten.
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Dringen Sie bei den Behörden darauf, alle Morddrohungen, darunter auch frühere Morddrohungen gegen Ingrid Vergara und ihre KollegInnen, umfassend und unparteiisch zu untersuchen, die Ermittlungsergebnisse bekannt zu geben und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
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Erinnern Sie die Behörden an ihre Verpflichtung aus der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern von 1998, nach der sicherzustellen ist, dass MenschrechtlerInnen ihre Arbeit ohne Angst durchführen können.
- Fordern Sie die Behörden auf, unverzüglich gegen paramilitärische Gruppierungen vorzugehen und diese aufzulösen, gemäß der von der kolumbianischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen sowie der Empfehlungen seitens der UNO und anderer internationaler Organisationen.
[APPELLE AN]
STAATSPRÄSIDENT
Sr. Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño,
Carrera 8. No. 7-26
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Santos/
Excmo. Sr. Presidente Santos/Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631
MINISTER FÜR INNERES UND JUSTIZ
Sr. Germán Vargas Lleras
Ministerio del Interior y de Justicia
Carrera 9a. No 14-10
Bogotá, KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister Vargas/
Estimado Sr. Ministro Vargas/Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 599 8961
KOPIEN AN
MENSCHENRECHTSORGANISATION
MOVICE
Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado
Calle 38 No 28 A 30
Barrio Bogotá
Sincelejo
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Am 5. Mai wurde Pedro Geney auf dem Heimweg nach Sincelejo im Departamento Sucre von zwei Männer auf einem Motorrad angehalten. Einer der Männer stieg ab, richtete eine Waffe auf ihn und sagte ihm, "He, gib mir deinen Rucksack, denn da drin hast du die Informationen" (hey vale entrégueme la mochila que allí llevas la información). In dem Rucksack, den die Männer mitnahmen, befand sich eine Kamera-Speicherkarte mit Digitalfotos von Veranstaltungen, die MOVICE organisiert hatte, sowie mehrere Dokumente wie eine Terminübersicht der von MOVICE geplanten Aktivitäten.
Am 30. März verkündete der Bürgermeister der Gemeinde von Ovejas im Gebiet Montes de María, dass er angesichts der Tatsache, dass so viele Organisationen zur FARC gehören, MOVICE nicht vertrauen könne. Diese Aussage erfolgte im Anschluss an Proteste durch Mitglieder von MOVICE. Sie waren von der Nationalpolizei SIJIN fotografiert worden, als sie an einem Treffen der Kleinbauern der Farm "La Europa" mit VertreterInnen der Regierung und VertreterInnen des Unternehmens, das das Eigentum an der Farm beanspruchte, sowie Angehörigen der Sicherheitskräfte bestehend aus Armee, Polizei und Nationalpolizei teilnahmen. 1994 waren zwölf Kleinbauern von Paramilitärs getötet und 80 von der Farm "La Europa" vertrieben worden.
Am 18. Mai 2010 wurde Rogelio Martínez, ebenfalls Mitglied von MOVICE und Sprecher der Kleinbauerngemeinschaft, in der Nähe der Farm "La Alemania" in der Gemeinde San Onofre getötet. Die Farm machten sich Paramilitärs mit militärischer Unterstützung rechtswidrig zu eigen, nachdem ihre Besitzer getötet oder vertrieben worden waren. Seine Ermordung scheint im Zusammenhang mit den Bemühungen zu stehen, den Einsatz gegen die Straflosigkeit und für die Rückgabe von Land zu stoppen.
MOVICE ist ein Zusammenschluss von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und setzt sich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbiens lang anhaltendem bewaffneten Konflikt ein. Die Mitglieder von MOVICE haben bereits viele Fälle von Tötungen und Verschwindenlassen dokumentiert und aufgedeckt, die auf das Konto von Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen im Departamento Sucre gingen.
Kolumbianische MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich dafür einsetzen, dass Grundbesitz zurückgegeben wird, der während des Konflikts hauptsächlich von paramilitärischen Gruppen, zum Teil in geheimer Absprache mit dem Militär, rechtswidrig vereinnahmt wurde, sind in den vergangenen Jahren wiederholt bedroht und getötet worden. Die meisten solcher Anschläge werden paramilitärischen Gruppen zugeschrieben. Allerdings nehmen auch Guerillagruppen MenschenrechtsverteidigerInnen und andere sozial engagierte AktivistInnen ins Visier, wenn sie durch sie ihre Interessen bedroht sehen.
Die paramilitärischen Gruppierungen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung finanzierten Demobilisierungsprozesses, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Diese Gruppen operieren aber nach wie vor und begehen weiterhin schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen an MenschenrechtsverteidigerInnen und anderen Zivilpersonen. Manchmal geschieht dies sogar in geheimer Absprache mit den Sicherheitskräften oder mit deren Einverständnis.
Während des lang anhaltenden bewaffneten Konflikts in Kolumbien sind Menschenrechtsorganisationen und GemeindesprecherInnen von Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen wiederholt als Kollaborateure oder Unterstützer der Guerilla bezeichnet und bedroht, entführt oder getötet worden. Auch Guerillagruppierungen haben MenschenrechtsverteidigerInnen und GewerkschafterInnen bedroht und getötet, weil sie sie verdächtigten, mit dem Feind zu kooperieren.