Morddrohungen

MOVICE

MOVICE

Im Norden Kolumbiens haben Paramilitärs angedroht, Mitglieder der Organisation MOVICE zu töten, die sich für Opfer von staatlichen Verbrechen einsetzt.

Appell an

PRÄSIDENT
Señor Juan Manuel Santos
Presidente de la República, Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26, Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Dear President Santos / Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631

MINISTER FÜR LANDWIRTSCHAFT UND LÄNDLICHE ENTWICKLUNG
Francisco Estupiñán Heredia
Ministerio de Agricultura y Desarrollo Rural
Avenida Jiménez No 7-65, Piso 3, Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Dear Minister / Estimado Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 286 2649

Sende eine Kopie an

MENSCHENRECHTSORGANISATION
Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado – MOVICE
Calle 38 No 28 A 30
Barrio Bogotá
Sincelejo
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. Juli 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte gewährleisten Sie die Sicherheit von Julia Torres Cancio und Juan David Díaz Chamorro und seiner Familie, sowie der weiteren Mitglieder von MOVICE Sucre und der Kleinbauern auf der Farm La Alemania. Leiten Sie hierzu bitte dringend in Absprache mit allen Betroffenen wirksame Schutzmaßnahmen für sie ein.

  • Leiten Sie bitte eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Morddrohungen gegen Angehörige von MOVICE ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Ich möchte Sie an Ihre Pflicht zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen erinnern, wie in der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 festgelegt.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to ensure that members of MOVICE Sucre, including Julia Torres Cancio and other peasant farmers from La Alemania and Juan David Díaz and his family are safe, in strict accordance with their wishes.

  • Urging them to order full and impartial investigations into the death threats received by members of MOVICE, publish the results and bring those responsible to justice.

  • Reminding them to fulfill their obligations regarding the protection of human rights defenders, as set out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.

Sachlage

Am 3. Juni ging eine anonyme E-Mail beim Polizeichef des Departamento Sucre und per Kopie bei einigen MenschenrechtsverteidigerInnen ein. Darin wurde die Tötung von Juan David Díaz Chamorro, seiner Frau und "einer weiteren der Familie nahestehenden Person" (a otra persona cercana de la familia) angekündigt. Juan David Díaz Chamorro ist Mitglied der Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado – MOVICE) in Sucre. Sein Vater, der ehemalige Bürgermeister von El Roble im Departamento Sucre, Eudaldo Díaz, wurde am 10. April 2003 von Paramilitärs getötet. Laut der E-Mail befinden sich die Personen, die damit drohen, Juan David Díaz Chamorro zu töten, in Baranquilla im Departamento Atlántico im Gefängnis; dort sind die Paramilitärs in Haft, die wegen des Mordes an Eudaldo Díaz verurteilt worden sind. Juan David Díaz Chamorro hat bereits mehrmals Anzeige gegen sie erstattet, da er der Ansicht ist, dass sie aus dem Gefängnis heraus Verbrechen organisieren.

Am 28. Mai suchten sechs Männer, von denen mindestens zwei bewaffnet waren, in der Gemeinde San Onofre in Sucre nach Julia Torres Cancio, trafen sie aber glücklicherweise nicht an. Sie ist die rechtliche Vertreterin der auf der Farm La Alemania lebenden Kleinbauern. Ihr Mann Rogelio Martinez wurde am 18. Mai 2010 von Paramilitärs getötet. MOVICE Sucre setzt sich für kleinbäuerliche Gemeinschaften ein, die von Paramilitärs gewaltsam vertrieben wurden und nun auf die Farm La Alemania zurückkehren möchten. Seit der Tötung von Rogelio Martinez war das Gebiet der Farm regelmäßig von SoldatInnen patroulliert worden. Diese verließen die Gegend jedoch am 23. Mai, ohne die dort lebenden Menschen oder den involvierten NGOs über ihren Rückzug zu informieren.

Hintergrundinformation

Hintergrund

MOVICE ist ein Zusammenschluss von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und setzt sich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbiens seit Jahrzehnten andauernden bewaffneten internen Konflikt ein. Die Mitglieder von MOVICE haben im Departamento Sucre bereits viele Fälle von Tötungen und Verschwindenlassen dokumentiert und aufgedeckt, die auf das Konto von Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen gingen. Die Mitglieder von MOVICE Sucre setzen sich zudem für die Rückgabe von rechtswidrig vereinnahmtem Land ein und werden aufgrund dieser Tätigkeiten häufig zur Zielscheibe. Am 23. März 2011 töteten Paramilitärs das MOVICE-Mitglied Eder Verbel Rocha. Ein weiteres Mitglied von MOVICE, Rogelio Martinez, der sich für die Rückgabe der Farm La Alemania eingesetzt hatte, wurde am 18. Mai 2010 getötet.

Paramilitärs besetzten im Jahr 2000 die Farm La Alemania. Damals drangen mit Unterstützung der Streitkräfte etwa 70 Angehörige der paramilitärischen Gruppe "Helden der Montes de María" (Bloque Héroes de los Montes de María), Teil des paramilitärischen Zusammenschlusses Autodefensas Unidas de Colombia (AUC), in die Farm ein und töteten zahlreiche Kleinbauern, darunter Vidal Martínez, Oscar Martínez und Orlando Fernández. Die Paramilitärs machten die Farm zu einem strategischen Stützpunkt für die AUC. Bis heute ist niemand für die Tötungen zur Verantwortung gezogen worden.

Rogelio Martínez kehrte am 16. Februar 2006 mit seiner Familie auf die Farm La Alemania zurück. Als die Paramilitärs im Jahr 2007 die Farm verließen, kamen viele weitere Familien wieder dorthin zurück. Seitdem hatte sich Rogelio Martínez stellvertretend für die Kleinbauern für Gerechtigkeit in Fällen von Menschenrechtsverletzungen eingesetzt und die Rückgabe von rechtswidrig vereinnahmtem Land gefordert.

Juan David Díaz Chamorro ist der Sohn des ehemaligen Bürgermeisters von El Roble, Eudaldo Díaz, der am 10. April 2003 getötet wurde. Am 1. Februar 2003 hatte Eudaldo Díaz an einem durch den damaligen Präsidenten Álvaro Uribe organisierten Treffen teilgenommen, bei dem regionale politische Führungspersonen anwesend waren. Eudaldo Díaz hatte die Verbindungen zwischen Paramilitärs, LokalpolitikerInnen und den Streitkräften angeprangert. An dem Tag, an dem sein Vater getötet wurde, wurde auch Juan David Díaz Chamorro von Paramilitärs bedroht. Er hat seither zahlreiche weitere Mordanschläge überlebt.