Morddrohungen
Ingrid Vergara
© MOVICE
Am 8. Mai haben drei MenschenrechtsverteidigerInnen und ein Rechtsanwalt in Sucre, im Norden Kolumbiens, Morddrohungen erhalten. Alle vier setzen sich dafür ein, dass Kleinbauern das Land zurückerhalten, das während des bewaffneten Konflikts in Kolumbien rechtswidrig beschlagnahmt worden war. Weitere MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich für die Rückgabe von Land an Kleinbauern und gegen Straffreiheit einsetzen, haben Ende April ebenfalls Drohungen erhalten.
Appell an
PRÄSIDENT
Sr. Juan Manuel Santos
Presidente de la República de Colombia
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá D. C.
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Señor Presidente /
Dear President Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 337 5890
LEITER DES SCHUTZPROGRAMMS DES INNENMINISTERIUMS
Sr. Andrés Villamizar
Unidad Nacional de Protección
Ministerio del Interior
Carrera 9a. No. 14-10
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Mr Villamizar / Estimado Sr. Villamizar / Sehr geehrter Herr Villamizar)
Sende eine Kopie an
NGO
MOVICE
Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado
Calle 38 No 28 A 30
Barrio Bogotá, Sincelejo
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S.E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. Juni 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich fordere Sie auf, nach genauer Absprache mit den Betroffenen, Schutzmaßnahmen für Franklin Torres, Pedro Geney, Ingrid Vergara, Jeison Pava, Hermés Verbel Rocha und Rosa Amelia Hernández zu ergreifen.
-
Ich bitte Sie eindringlich, eine vollständige und unabhängige Untersuchung sowohl zu den Morddrohungen gegen Franklin Torres, Pedro Geney, Ingrid Vergara, Jeison Pava und Rosa Amelia Hernández als auch zum Anschlag auf das Leben von Hermés Verbel Rocha einzuleiten. Sorgen Sie bitte dafür, dass die Ergebnisse dieser Untersuchungen anschließend veröffentlicht werden, und bringen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Ich möchte Sie zudem daran erinnern, dass Kolumbien Vertragsstaat der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen aus dem Jahr 1998 ist und Sie somit die Pflicht haben, MenschenrechtlerInnen zu schützen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Urge the authorities to guarantee the safety of Franklin Torres, Pedro Geney, Ingrid Vergara, Jeison Pava, Hermés Verbel Rocha and Rosa Amelia Hernández, in strict accordance with their wishes.
-
Urge the Colombian authorities to order full and impartial investigations into the death threats against Franklin Torres, Pedro Geney, Ingrid Vergara and Jeison Pava and Rosa Amelia Hernández and into the attempt on the life of Hermés Verbel Rocha; to publish the results and bring those responsible to justice.
- Remind the Colombian authorities to fulfill their obligations regarding the protections of human rights defenders as specified in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.
Sachlage
Franklin Torres, Pedro Geney und Ingrid Vergara, MenschenrechtsverteidigerInnen und Mitglieder der Regionalgruppe Sucre des Verbands "Nationalen Bewegung für Opfer von staatlichen Verbrechen" (Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado - MOVICE) sowie Jeison Pava, der als Anwalt für die "Organisation zum Schutz der Menschenrechte" (Comité Permanente por la defensa de los derechos humanos - CPDH) tätig ist, haben am 8. Mai eine E-Mail erhalten, in der alle vier namentlich erwähnt und mit dem Tode bedroht wurden. Die Morddrohung wurde in Form eines Angebots eines Bestatters verschickt, der vier Särge zum Preis von zweien anbot. Die vier MenschenrechtsverteidigerInnen unterstützen Kleinbauern im Departamento Sucre dabei ihr Land zurückzuerhalten.
Am 29. April fand Rosa Amelia Hernández, eine Gemeindesprecherin im nördlichen Departamento Córdoba, die Verbindungen zu MOVICE hat, eine Gewehrkugel auf den Eingangsstufen ihres Hauses. Zwei Tage zuvor hatte sie Opfer der Landkonflikte auf einem Treffen zum Thema Landrückgabe vertreten. Am 28. April befand sich Hermés Verbel Rocha, ein Mitglied von MOVICE, auf der Terrasse des Hauses seiner Tochter, als sich zwei Männer auf einem Motorrad näherten. Einer der beiden Männer stieg vom Motorrad ab und ging mit einer Waffe in der Hand auf Hermés Verbel Rocha zu. Hermés Verbel Rocha rannte ins Haus und die beiden Männer fuhren davon. Die Angehörigen der Familie Verbel Rocha kämpfen gegen Menschenrechtsverletzungen, die von Paramilitärs begangen wurden.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich fordere Sie auf, nach genauer Absprache mit den Betroffenen, Schutzmaßnahmen für Franklin Torres, Pedro Geney, Ingrid Vergara, Jeison Pava, Hermés Verbel Rocha und Rosa Amelia Hernández zu ergreifen.
-
Ich bitte Sie eindringlich, eine vollständige und unabhängige Untersuchung sowohl zu den Morddrohungen gegen Franklin Torres, Pedro Geney, Ingrid Vergara, Jeison Pava und Rosa Amelia Hernández als auch zum Anschlag auf das Leben von Hermés Verbel Rocha einzuleiten. Sorgen Sie bitte dafür, dass die Ergebnisse dieser Untersuchungen anschließend veröffentlicht werden, und bringen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Ich möchte Sie zudem daran erinnern, dass Kolumbien Vertragsstaat der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen aus dem Jahr 1998 ist und Sie somit die Pflicht haben, MenschenrechtlerInnen zu schützen.
[APPELLE AN]
PRÄSIDENT
Sr. Juan Manuel Santos
Presidente de la República de Colombia
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá D. C.
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Ministerio del Interior
Carrera 9a. No. 14-10
Bogotá
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KOPIEN AN
NGO
MOVICE
Movimiento Nacional de Víctimas de Crímenes de Estado
Calle 38 No 28 A 30
Barrio Bogotá, Sincelejo
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BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S.E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. Juni 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
MOVICE ist ein Zusammenschluss von verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und setzt sich für Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Kolumbiens lang anhaltendem bewaffneten Konflikt ein. Die Mitglieder von MOVICE haben bereits viele Fälle von Tötungen und Verschwindenlassen im Departamento Sucre dokumentiert und aufgedeckt, die auf das Konto von Sicherheitskräften und paramilitärischen Gruppen gingen. Am 6. März organisierte MOVICE Protestmärsche, mit denen insbesondere die Umsetzung eines wirksamen und umfassenden Prozesses für die Rückgabe von Grundstücken gefordert wurde, die von allen am Konflikt beteiligten Parteien gewaltsam vereinnahmt worden waren - von Paramilitärs, Sicherheitskräften und Guerillagruppen.
Die Familie Verbel Rocha nahm zusammen mit anderen MOVICE-Mitgliedern aus Sucre an den Protestmärschen am 6. März teil. Zu den weiteren TeilnehmerInnen gehörten auch Kleinbauern der La Europa-Farm aus dem Verwaltungsbezirk Ovejas im Departamento Sucre. 1994 waren zwölf Kleinbauern der La Europa-Farm von Paramilitärs getötet und 80 weitere vertrieben worden. Die Regionalgruppe von MOVICE in Sucre setzt sich für die Rückgabe der La Europa-Farm ein. Einige Kleinbauern sind seitdem auf die Farm zurückgekehrt, und ihre Häuser sind bereits mehrfach der Brandstiftung zum Opfer gefallen (Siehe UA-018/2012).
Der Bruder von Hermés Verbel Rocha, Eder Verbel Rocha, wurde am 23. März 2011 von Paramilitärs getötet.
Rosa Amelia Hernández ist eine Gemeindesprecherin und Mitglied der "Organización de Afrodescendientes o comunidades negras desplazadas y víctimas de la violencia del Municipio de Planeta Rica" (Odeprivicor), einer Organisation die sich für AfrokolumbianerInnen und vertriebene afrikanisch-stämmige Gemeinschaften sowie für Gewaltopfer im Verwaltungsbezirk Planeta Rica, im nördlichen Departamento Córdoba, einsetzt. Im März 2012 wurde sie zum Ziel von Einschüchterungsversuchen und Drangsalierungen, weil sie zusammen mit MOVICE die Demonstrationen organisiert hatte, die am 6. März in ganz Kolumbien stattfanden.