Kleinbauern in Gefahr
Karte von Honduras
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Zahlreiche Mitglieder des Kleinbauernverbands MOCSAM im nördlichen Honduras sind im Zuge eines Landkonflikts angegriffen worden. Drei Personen wurden bisher getötet und zwei verletzt. Ein örtliches Unternehmen macht Rechte auf Land geltend, das die Kleinbauern für sich beanspruchen. Weitere Mitglieder des Verbands befinden sich in großer Gefahr.
Appell an
SONDERSTAATSANWALT FÜR MENSCHENRECHTE
René David Díaz
Fiscalía Regional del Ministerio Publico
Bo. Lempira, 10 y 11 calle
5ta y 6ta Ave.
Edificio Fernandez Guzman
San Pedro Sula
HONDURAS
(Anrede: Señor Fiscal Especial / Dear Special Prosecutor / Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
Fax: (00 504) 2553 6314 (kombinierter Telefon-/Faxanschluss, sagen Sie bitte: "Tono de fax, por favor")
INNENMINISTER
Sr. Arturo Corrales
Secretaría de Estado en el Despacho de Seguridad
Plantel Casamata
subida al Picacho
Tegucigalpa, M.D.C.
HONDURAS
(Anrede: Señor Ministro del Interior / Dear Minister of Interior / Sehr geehrter Herr Innenminister)
Fax: (00 504) 2220 1756
Sende eine Kopie an
GESUNDHEITSMINISTERIN
Dra. Roxana Aurajo
Secretaría de Estado en el Despacho de Salud
2 Calle, Avenida Cervantes
Tegucigalpa, M.D.C.
HONDURAS
E-Mail: comunicacionessalud@yahoo.com
BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S. E. Herrn Ramón Custodio Espinoza
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: 030-3974 9712
E-Mail: informacion.embahonduras.de@gmail.com
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 11. Juli 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich bitte Sie eindringlich, unverzüglich und in Absprache mit Nahum Ricardo Domínguez und allen weiteren Mitgliedern von MOCSAM angemessene und umfassende Schutzmaßnahmen für sie einzuleiten.
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Bitte leiten Sie umgehend eine unabhängige und gründliche Untersuchung der Angriffe auf und Drangsalierung von MOCSAM-Mitgliedern ein. Untersuchen Sie zudem die Tötung von Marilú Miranda Orellana, Valentín Caravantes und Celso Ruiz und insbesondere auch die Vorwürfe, die Polizei habe tatenlos zugesehen, wie Sicherheitsbedienstete am 17. Mai das Feuer auf Demonstrierende eröffneten.
- Sorgen Sie bitte dafür, dass Adolfo Melgar und Santos Aníbal Melgar Zugang zur nötigen medizinischen Behandlung erhalten.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging the authorities to provide appropriate protection immediately to Nahum Ricardo Domínguez and all members of MOCSAM according to their wishes.
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Calling on them to order a thorough, independent investigation into the killings, attacks and harassment of MOCSAM members, in particular the claims that police did not intervene when security guards fired on the demonstration on 17 May.
- Calling on them to provide Adolfo Melgar and Santos Aníbal Melgar with any medical attention they may require.
Sachlage
Der Kleinbauernverband Movimiento Campesino de San Manuel (MOCSAM) hat seinen Sitz im Valle de Sula im nördlichen Departamento Cortés. Er setzt sich für die Landrechte von Kleinbauern ein und erhebt Anspruch auf ein Stück Land in El Coowle nahe San Manuel.
Der Sprecher von MOCSAM, Nahum Ricardo Domínguez, gab an, sich am 22. Mai um etwa 9:15 Uhr auf dem Marktplatz von El Progreso aufgehalten zu haben, als sich ihm ein weißer Wagen ohne Nummernschild näherte. Seinen Angaben zufolge befanden sich drei Männer in dem Auto, von denen zwei ausstiegen, eine Pistole zogen und ihm direkt in die Augen sahen. Nahum Ricardo Domínguez konnte sich in ein Einkaufszentrum retten. Er hatte kürzlich auf Pressekonferenzen und in Interviews über den Landkonflikt berichtet.
Ein weiteres Mitglied von MOCSAM, Marilú Miranda Orellana, verließ am frühen Morgen des 20. Mai eine Ansiedlung auf dem strittigen Grundstück in El Coowle. Augenzeugenberichten zufolge folgten ihr vier Männer bis zu ihrem Haus in El Progreso und töteten sie dort durch mehrere Schüsse in den Rücken.
Am 17. Mai hatten etwa 500 Mitglieder von MOCSAM eine Demonstration abgehalten, um ein Stück Land zurückzufordern. Sicherheitsbedienstete eines örtlichen Unternehmens eröffneten das Feuer auf die Demonstrierenden und töteten zwei Männer, Valentín Caravantes und Celso Ruiz. Zwei weitere Männer, Adolfo Melgar und Santos Aníbal Melgar, wurden schwer verletzt. Einer von ihnen befindet sich nach wie vor im Krankenhaus, und der andere muss sich dort bald einer weiteren Behandlung unterziehen.
Hintergrundinformation
MOCSAM macht geltend, dass das Unternehmen keinen Anspruch auf das strittige Grundstück hat, da die Nationale Agrarbehörde (Instituto Nacional Agrario – INA) es dem Unternehmen 2012 entzogen habe. Nach Angaben von MOCSAM griff die Polizei nicht ein, als am 17. Mai Sicherheitsbedienstete das Feuer auf Demonstrierende eröffneten.
MenschenrechtsverteidigerInnen sind in den vergangenen Jahren in Honduras regelmäßig schikaniert und angegriffen worden, manche mussten ihre Arbeit sogar mit dem Leben bezahlen. Amnesty International hat die Situation im jüngsten Jahresbericht (Amnesty International Report 2013) und in dem englischsprachigen Bericht Transforming Pain into Hope: Human Rights Defenders in the Americas dokumentiert. Aus den Berichten geht hervor, wie SprecherInnen der Kleinbauern-Gemeinden sowie MenschenrechtlerInnen, die diese Gemeinden in Landstreitigkeiten in Bajo Aguán im Norden des Landes vertreten, bedroht und angegriffen werden.
Im September 2012 wurde der Menschenrechtsanwalt Antonio Trejo Cabrera in der Hauptstadt Tegucigalpa erschossen. Er hatte drei kleinbäuerliche Genossenschaften vertreten und einigen LandwirtInnen dabei geholfen, Rechtsansprüche auf Land durchzusetzen.