Todesurteil wegen Indizienbeweisen

Hinrichtungskammer Florida

Hinrichtungskammer Florida

Der 60-jährige Charles Finney befindet sich im US-Bundesstaat Florida wegen eines Mordes im Todestrakt, den er stets bestritten hat. Sein Fall wird nun vom Begnadigungsausschuss geprüft. Sollte das Gnadengesuch abgelehnt werden, würde dann ein Hinrichtungsdatum festgelegt.

Appell an

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES FLORIDA
Governor Rick Scott
Office of the Governor, The Capitol
400 S. Monroe St., Tallahassee, FL 32399-0001, USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
E-Mail: Rick.scott@eog.myflorida.com

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON FLORIDA
Florida Parole Commission
4070 Esplanade Way, Tallahassee, FL 32399-2450, USA
(Anrede: Dear Members of the Clemency Board / Sehr geehrte Mitglieder des Begnadigungsausschusses)
E-Mail: ClemencyWeb@fpc.state.fl.us
Fax: (00 1) 850 414-6031 oder (00 1) 850 488-0695

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 24. Juni 2014 ankommen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte die die Schwere der Tat, die zur Verurteilung von Charles Finney führte, auf keinen Fall verharmlosen.

  • Jedoch gebe ich zu bedenken, dass der Fall gegen Charles Finney auf Indizienbeweisen beruht und die Geschworenen zu keinem einstimmigen Beschluss gekommen sind.

  • Ich möchte zudem meine Sorge darüber ausdrücken, dass die Staatsanwaltschaft der Verteidigung offenbar einige Beweisstücke vorenthalten hat.

  • Ich bitte Sie daher inständig, Charles Finney zu begnadigen.

Sachlage

Am Nachmittag des 16. Januar 1991 wurde Sandra Sutherland tot in ihrer Wohnung in Tampa im US Bundesstaat Florida aufgefunden. Sie war gefesselt und geknebelt und dann mit 13 Messerstichen in den Rücken getötet worden. Charles Finney, der im selben Wohnblock lebte, wurde am 30. Januar 1991 festgenommen, nachdem er am 16. Januar den Videorekorder von Sandra Sutherland verpfändet und man außerdem zwei seiner Fingerabdrücke in ihrer Wohnung gefunden hatte. Er wurde des Mordes angeklagt und im September 1992 vor Gericht gestellt. Charles Finney sagte aus, Sandra Sutherland nicht getötet zu haben, sondern sie lediglich als Nachbarin gekannt und einige Male bei ihr Zuhause Renovierungsarbeiten vorgenommen zu haben. Den Videorekorder habe er bei den Mülleimern in einer Tüte gefunden und ihn dann verpfändet. Der Inhaber des Pfandleihgeschäfts gab an, dass Charles Finney außerdem am 15. Januar 1991 einen Fernseher verpfändet hat – der nicht Sandra Sutherland gehörte und ihr auch nicht gestohlen worden war – und er beide Male seine korrekte Wohnadresse angab, obwohl der Führerschein, mit dem er sich auswies, noch eine alte Adresse im Bundesstaat Georgia aufgewiesen hatte.

Ein Zeuge sagte vor Gericht aus, gesehen zu haben, wie Sandra Sutherland und "ein weißer, recht großer Mann" sich am Tag vor der Tat vor ihrer Wohnung gegenseitig "beschimpft und angeschrien" hatten. Charles Finney ist Afro-Amerikaner. Der Zeuge gab an, der Polizei nach dem Mord von diesem Vorfall berichtet zu haben, dass diese jedoch nicht versucht habe, mit seiner Hilfe die Identität dieses Mannes zu bestimmen. Der Mann wurde von der Polizei nicht ausfindig gemacht.

Zwei weitere Zeug_innen sagten aus, am Morgen des 16. Januar 1991 einen Mann namens "Bill" in der offenen Tür zu Sandra Sutherlands Wohnung gesehen zu haben. Bill war ein weißer Bekannter von Sandra Sutherland, der Arbeiten an dem Wohnblock verrichtete. Ein Zeuge sagte: "Als [Bill] mich sah, tat er so, als würde er wieder in die Wohnung hineingehen, kam dann aber ganz schnell wieder heraus, schloss die Tür ab und verschwand um die Ecke." Diese Aussage wurde durch den anderen Zeugenbericht bestätigt. Bill bestreitet, an diesem Tag in der Wohnung gewesen zu sein. Die Verteidigung rief jedoch einen Kriminalbeamten als Zeugen auf, der andeutete, dass Bills Angaben zu seinem Aufenthaltsort an besagtem Tag Unstimmigkeiten aufwiesen. In seinem abschließenden Plädoyer sagte der Staatsanwalt angesichts eines fehlenden Schuldeingeständnisses und mangelnder Augenzeugenberichte: "Dieser Fall beruht auf Indizienbeweisen, keine Frage." Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass die Staatsanwaltschaft der Verteidigung einige Beweisstücke vorenthalten hatte. Charles Finney wurde schuldig gesprochen, und die Geschworenen stimmten am 18. September 1992 nach etwa achtstündigen Beratungen mit neun zu drei Stimmen für die Todesstrafe.