Todesurteile nach Folter
Drei Mitglieder einer mauretanischen bewaffneten Gruppierung wurden zum Tode verurteilt, weil sie im Jahr 2007 vier französische TouristInnen ermordet haben sollen. Mauretanien hat seit 1987 keine Hinrichtungen mehr durchgeführt.
Appell an
PRÄSIDENT
Son Excellence Mohamed Ould Abdel Aziz
Président de la République
La Présidence, BP 184
Nouakchott
MAURETANIEN
(korrekte Anrede: Dear President/Monsieur le Président)
JUSTIZMINISTER
Monsieur Abidine Ould Elkheir
Ministre de la Justice
Ministère de la Justice, BP 350
Nouakchott
MAURETANIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister/Monsieur le Ministre)
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK MAURETANIEN
S.E. Herrn Mamadou Diakité
Kommandantenstr. 80
10117 Berlin
Telefax: 030-2067 4750
E-Mail: ambarim.berlin@gmx.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 8. Juli 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE
-
Dringen Sie bei den Behörden darauf, die Todesurteile von Sidi Ould Sidna, Maarouf Ould Haiba und Mohamed Ould Chabarnou unverzüglich umzuwandeln.
- Fordern Sie die Behörden auf, das in Mauretanien seit 1987 bestehende Hinrichtungsmoratorium weiterhin anzuwenden.
Sachlage
Sidi Ould Sidna, Maarouf Ould Haiba und Mohamed Ould Chabarnou wurden am 25. Mai 2010 vom Strafgericht der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott zum Tode verurteilt. Die Männer hatten gestanden, Mitglieder der bewaffneten Islamistengruppe Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQIM) zu sein.
Die drei Männer stritten vor Gericht ab, für den Mord an den französischen TouristInnen verantwortlich zu sein. Ihre rechtlichen VertreterInnen erhoben wiederholt den Einwand, dass Aussagen, die die Männer nach ihrer Festnahme im Januar 2008 unter Folter gemacht hatten, während der Verhandlung als Beweismittel gegen sie angeführt wurden. Weitere Informationen von Amnesty International über die Folterung mutmaßlicher Islamisten in Mauretanien finden Sie im englischen Bericht Mauritania: torture at the heart of the State, Index AFR 38/009/2008.
Während zweier Ermittlungsreisen nach Mauretanien VertreterInnen von Amnesty International Sidi Ould Sidna, Maarouf Ould Haiba und Mohamed Ould Chabarnou mehrere Male in der Haft besucht. Alle drei Männer sagten, dass sie mehrere Wochen lang gefoltert worden waren: Einer von ihnen gab an, 18 Tage lang jeden Tag gefoltert, geschlagen und erniedrigt worden zu sein. Der zweite berichtete, dass er einen Monat lang gefoltert wurde, ohne Schlaf und Nahrung auskommen musste und ihm Vergewaltigung und Erniedrigungen angedroht wurden. Der dritte erklärte, dass er der "Jaguar"-Foltermethode unterworfen wurde, bei der seine Handgelenke und Knöchel zusammengebunden wurden und man ihn daran an einer Metallstange aufhängte.
Außer Sidi Ould Sidna, Maarouf Ould Haiba und Mohamed Ould Chabarnou wurden noch sieben weitere mauretanische Männer in Verbindung mit dem Mord an den vier TouristInnen angeklagt. Die Strafverfolgungs-behörden hatten vor, zwei weitere Personen in Abwesenheit den Prozess zu machen, da diese sich versteckt halten; das Gericht lehnte dies jedoch ab. Neben den drei zum Tode verurteilten Männern wurden fünf Männer zu Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren verurteilt. Die anderen beiden Männer, ein Fahrer und ein Bootsführer, denen vorgeworfen wurde, den Tätern nach dem Mord an den TouristInnen zur Flucht verholfen zu haben, wurden freigesprochen.
Mauretanien hat seit 1987 keine Todesurteile mehr vollstreckt. In diesem Fall besteht jedoch große Sorge, dass die Beschuldigten hingerichtet werden könnten. Amnesty International wendet sich in jedem Fall und unter allen Umständen gegen die Todesstrafe.
Hintergrundinformation
Die bewaffnete Gruppe Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQIM), früher bekannt als Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf, ist hauptsächlich in Algerien aktiv. Sie hat sich 2007 zu mehreren Bombenanschlägen in Algerien bekannt, die sowohl auf Zivilpersonen als auch auf das Militär gerichtet waren. Mittlerweile operiert sie über ein Netzwerk von Zellen in Nachbarstaaten wie Mauretanien, Mali und Niger. In jüngster Zeit hat die Gruppe sich zu mehreren Entführungen von EuropäerInnen bekannt, so zur Entführung von drei spanischen EntwicklungshelferInnen im November 2009, zur Geiselnahme von zwei italienischen TouristInnen im Dezember 2009 und zur Entführung eines französischen Touristen in Niger im April 2010.