Mordkomplott aufgedeckt
Schild, das Jiguamiandó als afro-kolumbianisches Land ausweist
© privat
Das Leben des Gemeindesprechers Enrique Petro ist in Gefahr. Kolumbianische Paramilitärs haben offenbar die Absicht, ihn zu töten.
Appell an
VIZEPRÄSIDENT
Dr. Francisco Santos Calderón
Vicepresidencia de la República
Carrera 8A No 7-27
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimado Sr. Vicepresidente/Dear Mr Vice-president)
Fax: (0057) 1 565 7682
AUßENMINISTER
Sr. Jaime Bermúdez
Ministerio de Relaciones Exteriores
Calle 10 No 5-51
Palacio de San Carlos
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Estimado Sr. Ministro/Dear Minister)
Fax: (0057) 1 381 4721
Sende eine Kopie an
AMTIERENDER GENERALSTAATSANWALT
Dr. Guillermo Mendoza Diago
Fiscal General de la Nación (e)
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-1)
Bloque C Piso 4
Bogotá
KOLUMBIEN
Fax: (0057) 1 570 2000 (Durchwahl -2017)
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I.E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 28. Juni 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Drücken Sie Ihre Sorge um die Sicherheit von Enrique Petro aus.
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Dringen Sie bei den Behörden darauf, wirksame und mit ihm abgesprochene Maßnahmen zu seinem Schutz zu ergreifen.
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Fordern Sie die Behörden auf, eine umfassende und unparteiische Untersuchung des offenbar geplanten Mordes an Enrique Petro einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
- Rufen Sie die Behörden auf, paramilitärische Gruppen unverzüglich aufzulösen und ihre Verbindungen zu den Sicherheitskräften zu unterbinden.
Sachlage
Am 9. Mai tauchte in den Büroräumen der nichtstaatlichen kolumbianischen Menschenrechtsorganisation Comisión Intereclesial Justicia y Paz in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá ein Mann auf, der Verbindungen zu paramilitärischen Gruppen unterhält, welche in Urabá im Nordwesten Kolumbiens aktiv sind. Er berichtete Mitarbeiter_innen der Organisation, ein ihm bekanntes Mitglied einer paramilitärischen Gruppe habe zusammen mit anderen in der Gegend operierende Paramilitärs Anweisung erhalten, Enrique Petro zu töten.
Der Gemeindeaktivist Enrique Petro ist ein bekannter Verfechter der Interessen afro-kolumbianischer Gemeinschaften, die im Nordwesten Kolumbiens in den Flusstälern des Curvaradó und des Jiguamiandó im Department Chocó leben.
Die Paramilitärs beschuldigen Enrique Petro, sich dafür einzusetzen, dass nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen Vertreter_innen in die Region entsenden, um Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen, die im Zuge eines massiven Ausbaus von Ölpalm-Plantagen begangen werden. Die Comisión Intereclesial Justicia y Paz ist eine von mehreren Organisationen, die in Curvaradó und Jiguamiandó mit den dort lebenden afro-kolumbianischen Gemeinschaften zusammenarbeiten und an ihnen verübte Menschenrechtsverletzungen im In- und Ausland bekannt machen.
Im Laufe der Jahre haben Enrique Petro und weitere Angehörige der Gemeinschaften am Curvaradó und Jiguamiandó wiederholt Morddrohungen der Paramilitärs erhalten.
Hintergrundinformation
Im April 2006 hatte Enrique Petro vier Hektar seines Landes Menschen überlassen, die aus Curvaradó und Jiguamiandó vertrieben worden waren. Auf dem Gelände wollten sie eine von mehreren "humanitären Schutzzonen" schaffen. Die Bewohner_innen solcher Zonen verlangen von den Konfliktparteien, dass sie ihre Entscheidung gegen die Teilnahme an den Feindseligkeiten respektieren. Ein solches Vorgehen dient ihrem eigenen Schutz, zugleich geht davon aber auch die Botschaft an die Konfliktparteien aus, dass sie die Rechte der Zivilbevölkerung wahren müssen.
Von dem seit 45 Jahren anhaltenden bewaffneten Konflikt in Kolumbien sind vor allem afro-kolumbianische und indigene Gemeinschaften sowie Kleinbauern in Mitleidenschaft gezogen. Sie fallen Menschenrechtsverletzungen seitens der Sicherheitskräfte oder paramilitärischer Verbände zum Opfer, die in eigener Verantwortung oder in Absprache mit den Sicherheitskräften operieren. Aber auch Guerillagruppen verstoßen gegen die Rechte der Bürger_innen Kolumbiens, indem sie Menschen entführen.
In jüngerer Zeit sind viele Menschen, die Ende der 1990er Jahre von Paramilitärs und den Sicherheitskräften von ihrem Land vertrieben worden waren, in die afro-kolumbianischen Gemeinden von Curvaradó und Jiguamiandó zurückgekehrt. Beide Gemeinden haben ihre Landrechte zu verteidigen versucht und sich gegen die wirtschaftliche Nutzung – beispielsweise durch den Ausbau illegaler Plantagen mit Ölpalmen – gewehrt. In der Folge sind immer wieder Menschen bedroht und getötet worden. Auch Enrique Petro und andere führende Mitglieder der Gemeinde sind den zurückliegenden Jahren wiederholt Drohungen seitens paramilitärischer Verbände ausgesetzt gewesen. Mehrere Bewohner_innen von Curvaradó und Jiguamiandó, die sich gegen die Ausbeutung ihrer Ländereien durch Palmenzüchter_innen und andere Unternehmer_innen gewandt hatten, sind in den vergangenen Jahren von Paramilitärs getötet worden. Trotz massiver Präsenz der Armee in der Region sind dort Paramilitärs nach wie vor aktiv.
Der Inter-Amerikanische Gerichtshof für Menschenrechte, eine Einrichtung der Organisation Amerikanischer Staaten, hat die kolumbianischen Behörden wiederholt aufgefordert, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um den Bewohner_innen der afro-kolumbianischen Gemeinschaften von Jiguamiandó und Curvaradó ein Leben in Sicherheit zu ermöglichen. Eine effektive Umsetzung der Beschlüsse des Gerichts steht noch immer aus.