Professor entführt

Am 20. April entführten lokale Milizen den Universitätsprofessor und Vater von vier Kindern, Dr. Salem Mohamed Beitelmal, in einem Vorort von Tripolis. Seine Familie weiß nichts über sein Schicksal und seinen Aufenthaltsort, da sie ihn seither nicht erreichen können.

Sachlage

Am Morgen des 20. April wurde Dr. Salem Mohamed Beitelmal auf dem Weg zur Universität Tripolis, die etwa 20 Autominuten von seinem Zuhause entfernt liegt, entführt. Dr. Salem Mohamed Beitelmal fuhr jeden Tag zur Arbeit. Er ist an der Universität Professor der Ingenieurwissenschaften in der Abteilung Meerestechnik. Doch an diesem Tag kam er nicht zur Arbeit. Etwa gegen 10 Uhr fanden Nachbar_innen seinen verlassen Wagen und sein Telefon auf der Straße, nicht weit entfernt von seinem Haus im Viertel Siyyad in einem Außenbezirk von Tripolis. Die Nachbar_innen suchten im Auto und der Umgebung nach Dr. Salem Mohamed Beitelmal, fanden ihn jedoch nicht und riefen die Familie an, um sie über sein „Verschwinden“ zu informieren.

Das Gebiet, in dem es zu der Entführung kam, wird von mehreren Milizen kontrolliert. Einige dieser Milizen operieren, zumindest dem Namen nach, unter dem Kommando des Innen- und Verteidigungsministeriums der von den UN anerkannten Regierung der Nationalen Einheit. Andere Milizen scheinen einer der drei Splittergruppen anzugehören, die um die Macht im Land ringen. Seit Dr. Salem Mohamed Beitelmal entführt wurde, versucht seine Familie unablässig herauszufinden, wo er festgehalten wird und hat sich deshalb immer wieder an die Behörden vor Ort gewandt. Doch alle Versuche waren bislang erfolglos. Bisher hat keine Gruppe die Verantwortung für die Entführung übernommen. Die Familie versucht nach wie vor herauszufinden, welche Miliz ihn gefangenhält.

Dr. Salem Mohamed Beitelmal ist 68 Jahre alt und leidet an einer Vorerkrankung, die eine regelmäßige Medikamenteneinnahme erfordert. Seine Familie ist sehr um seine Sicherheit und Gesundheit besorgt.

Ein nahes Familienmitglied berichtete Amnesty International: "Wir sorgen uns um seine Gesundheit und um seine Sicherheit. Wir fordern alle Parteien auf, umgehend zu handeln und den nötigen Druck auszuüben, um die zügige Rückkehr zu seiner Familie zu gewährleisten."

[SCHREIBEN SIE BITTE ]

FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte stellen Sie unverzüglich den Aufenthaltsort von Dr. Salem Mohamed Beitelmal fest und gewährleisten Sie seine Sicherheit.

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass Dr. Salem Mohamed Beitelmal umgehend freigelassen wird.

[APPELLE AN]

PREMIERMINISTER DER REGIERUNG DER NATIONALEN EINHEIT
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Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 27. Juni 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

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Hintergrundinformation

Hintergrund

Dr. Salem Mohamed Beitelmal unterrichtet seit mehr als 20 Jahren an der Universität Tripolis. Als Ingenieur hat Dr. Salem Mohamed Beitelmal im großen Stil zum Aufbau des Landes beigetragen und gleichzeitig Generationen von Ingenieur_innen ausgebildet. Dr. Salem Mohamed Beitelmal ist zudem ein langjähriges Mitglied der Gewerkschaft der Fakultätsangehörigen. Er ist bei den Studierenden als Professor beliebt und ein geschätzter Akademiker innerhalb der Fakultät.

Libysche Aktivist_innen und Journalist_innen bezeichnen Entführungen als einen der schwierigsten Aspekte des heutigen Alltags in Libyen. Laut Medienberichten unter Bezug auf die strafrechtliche Ermittlungsabteilung des Innenministeriums in Tripolis kam es zwischen dem 15. Dezember 2016 und dem 31. Januar 2017 zu mindestens 293 Entführungen. Die meisten Entführungen haben das Ziel, ein möglichst hohes Lösegeld von der Familie zu erpressen oder in manchen Fällen einen Gefangenenaustausch zu verhandeln. Entführungen werden aber auch von den Milizen eingesetzt, um politische Gegner_innen sowie kritische Journalist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen zum Schweigen zu bringen.

Es sind zudem Personen aufgrund ihrer vermeintlichen politischen oder ethnischen Zugehörigkeit oder ihres Berufs oder scheinbaren Reichtums zur Zielscheibe geworden, um entweder an vertrauliche Informationen oder an große Mengen Lösegeld zu gelangen. In Libyen begehen rivalisierende bewaffnete Gruppen und Milizen schwere Menschenrechtsverstöße nahezu straflos. Weder Milizen des UN-gestützten Verteidigungsministeriums, noch Milizen, die nominal unter der Kontrolle des Innenministeriums stehen, werden in irgendeiner Weise von den zentralen Behörden zielführend beobachtet oder kontrolliert.

Gemäß Paragraf 1 des libyschen Gesetzes Nr. 10 von 2013 über die Kriminalisierung der Folter, des Verschwindenlassens und der Diskriminierung, wird der Tatbestand des Verschwindenlassens mit acht Jahren Gefängnis geahndet.