Tote und Verletzte bei Protesten
Zwei Passanten und ein Polizist sind infolge gewaltsamer Auseinandersetzungen und unverhältnismäßiger Polizeigewalt während der wochenlangen Proteste gegen ein Bergbauprojekt im Süden Perus ums Leben gekommen. Hunderte weitere Personen wurden verletzt. Am 27. und 28. Mai sollen erneut Proteste stattfinden, bei denen weitere Menschenrechtsverletzungen zu befürchten sind.
Appell an
STAATSPRÄSIDENT
Ollanta Humala Tasso
Despacho Presidencial
Jirón de la Unión s/n Primera Cuadra - Cercado de Lima
PERU
(Anrede: Mr President / Sr. Presidente / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 511) 311 4700
Twitter: @Ollanta_HumalaT
E-Mail: bcamacho@presidencia.gob.pe oder secretariageneral@presidencia.gob.pe
INNENMINISTER
José Luis Pérez Guadalupe
Ministro del Interior
Ministerio del Interior
PERU
(Anrede: Dear Minister / Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Minister)
E-Mail: dm@mininter.gob.pe
GENERALSTAATSANWALT
Pablo Sánchez Velarde
Fiscal de la Nación (i)
Ministerio Público
Fiscalía de la Nación
PERU
(Anrede: Dear Attorney General / Sr. Fiscal de la Nación / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
E-Mail: psanchez@mpfn.gob.pe
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER REPUBLIK PERU
S. E. Herrn José Antonio Meier Espinosa
Mohrenstr. 42
10117 Berlin
Fax: 030-2064 1077
E-Mail: info@embaperu.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. Juni 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Bitte führen Sie umfassende und unabhängige Untersuchungen zur Tötung von Victoriano Huayna, Henry Checlla Chura und Alberto Vasquez Duran sowie zu den zahlreichen Verletzten durch und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
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Zwar ist es die Pflicht des Staates, die öffentliche Ordnung zu wahren, dennoch darf dazu keine unverhältnismäßige Gewalt angewandt werden. Der Staat muss das Recht auf Versammlungsfreiheit garantieren und Sofortmaßnahmen ergreifen, mit denen sichergestellt wird, dass die Sicherheitskräfte den Menschenrechtsstandards hinsichtlich progressiver, selektiver und verhältnismäßiger Gewalt bei der Überwachung von Protesten in allen Aspekten nachkommen.
- Stellen Sie bitte sicher, dass die Rechte auf Mitbestimmung, Information und Konsultation aller von dem Bergbauprojekt betroffenen Gemeinschaften garantiert werden.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the authorities to carry out full and impartial investigations into the killings of Victoriano Huayna, Henry Checlla Chura and Alberto Vasquez Duran, as well as those injured, and to bring those found responsible to justice.
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Acknowledging that while the state has a duty to maintain public order, it should never use excessive force and must guarantee the right to freedom of peaceful assembly; and to take urgent measures so that the security forces comply in all circumstances with human rights standards on the use of progressive, selective and proportionate force when policing social protests.
- Calling on them to guarantee the rights of all those communities affected by the mining project to participation, information and consultation.
Sachlage
Seit dem 23. März kommt es in der peruanischen Provinz Islay im südlich gelegenen Departamento Arequipa immer wieder zu Protesten gegen das geplante Projekt zum Abbau von Kupfer in der Mine Tía María im Tambo-Tal. Die Gegner_innen des Projekts befürchten negative Auswirkungen auf den Zugang zu sauberem Wasser für die Landwirtschaft und die privaten Haushalte der Region. Berichten zufolge haben die Sicherheitskräfte unverhältnismäßige Gewalt gegen die Protestierenden angewandt. Es soll zu Zusammenstößen zwischen den Sicherheitskräften und den Protestierenden und zum Einsatz von Schusswaffen gekommen sein. Drei Menschen sind dabei ums Leben gekommen, darunter ein Polizist. Hunderte weitere Demonstrierende und Polizeibeamt_innen haben Verletzungen davongetragen. Am 14. Mai sind erneut 20 Menschen verletzt worden, als es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Polizist_innen gekommen ist.
Victoriano Huayna wurde am 22. April von Polizist_innen erschossen, nachdem es im nahegelegenen Cocachacra zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen war. Ein weiterer Passant, Henry Checlla Chura, erlitt am 5. Mai eine tödliche Schussverletzung, als die Polizei Berichten zufolge auf Protestierende schoss, die eine Schnellstraße im Gebiet Alto Inclán in der Stadt Mollendo blockierten. Beim dritten Todesopfer handelt es sich um Alberto Vasquez Duran, einen Polizisten, der am 9. Mai an den Verletzungen starb, die er drei Tage zuvor bei Zusammenstößen mit Demonstrierenden erlitten hatte.
Am 15. Mai hielt Präsident Ollanta Humala eine Rede, in der er der Nation erklärte, warum das Bergbauprojekt nicht aufgehalten werden könne. Anschließend gab die Southern Peru Copper Corporation eine 60-tägige Aussetzung des Projekts bekannt. Dies sollte Raum für weitere Gespräche mit den betroffenen Gemeinschaften schaffen. Dennoch haben die Gemeinschaften angekündigt, den für den 27. und 28. Mai geplanten Protest nicht ausfallen zu lassen. Es besteht also die Gefahr, dass es zu erneuten gewaltsamen Auseinandersetzungen und Menschenrechtsverletzungen kommen könnte.
Hintergrundinformation
Es ist in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konflikten wegen der Tía-María-Mine gekommen. Die Bergbaugesellschaft Southern Peru Copper Corporation (SPCC) hat 2006 mit der Erkundungsphase für dieses Projekt begonnen. Seitdem äußern die betroffenen Gemeinschaften Bedenken wegen der möglichen Auswirkungen des Bergbauprojekts auf den Zugang zu sauberem Wasser für den landwirtschaftlichen und den privaten Sektor, durch Verunreinigungen und die großen Mengen an Wasser, die für den Abbau von Kupfer benötigt werden. Am 7. April 2011 wurden drei Menschen getötet, als es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Bergbaugegner_innen und den Sicherheitskräften kam. Anschließend wurden Angehörige des Militärs in dem Gebiet stationiert.
Die Spannungen haben sich verstärkt, nachdem das Ministerium für Energie und Bergbau die zweite Version des Berichts zur Umweltverträglichkeitsprüfung im August 2014 billigte, den das Bergbauunternehmen vorgelegt hatte. Die erste Umweltverträglichkeitsprüfung wurde 2011 vom Ministerium abgelehnt, nachdem das Büro der Vereinten Nationen für Projektdienste in einer Analyse Bedenken geäußert hatte. Unter anderem bezog sich das Büro dabei auf die fehlende angemessene Konsultation mit den betroffenen Gemeinschaften, die fehlende Evaluation der Auswirkungen auf das betroffene Gebiet einschließlich der Auswirkungen auf die Umwelt und auf nahegelegene Straßen sowie auf fehlende Notfallpläne für mögliche Umweltkatastrophen.
Die Behörden geben an, all diese Punkte seien in der zweiten Version der Umweltverträglichkeitsüberprüfung enthalten. Dennoch bemängeln die Gegner_innen des Tía-María-Projekts, dass für die Überprüfung keine unabhängigen Fachleute hinzugezogen wurden und dass es keine angemessene und ergebnisorientierte Konsultation mit den betroffenen Gemeinschaften gegeben habe.
Amnesty International hat die peruanischen Behörden bereits in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass Sicherheitskräfte immer wieder mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Demonstrierende vorgehen und es dabei oftmals sogar zu Todesfällen kommt. Allein in den vergangenen vier Jahren hat es fast 40 Todesfälle gegeben, die scheinbar auf unverhältnismäßige Gewalt durch Polizeibeamt_innen zurückgehen.
Zu den meisten dieser Fälle sind bisher noch keine Untersuchungen durchgeführt worden. Am 29. April antwortete die peruanische Staatsanwaltschaft auf ein Schreiben von Amnesty International vom Januar 2015. Die Staatsanwaltschaft erklärte darin, dass lediglich die Untersuchungen zu zwei Fällen noch nicht abgeschlossen seien, in denen Personen während früherer Proteste mutmaßlich durch unverhältnismäßige Polizeigewalt ums Leben gekommen waren. Von den fast 40 Fällen, die Amnesty International der Staatsanwaltschaft vorgelegt hatte, ist letztendlich nur ein einziger untersucht worden.
Im April 2015 wurde ein Video über soziale Medien verbreitet, das Polizeibeamt_innen dabei zeigte, wie sie "Beweise" fingierten, um etwas gegen einige der Demonstrierenden in der Hand zu haben. Die peruanischen Behörden haben das Militär am 9. Mai aus dem Gebiet wieder abgezogen.