Medizinische Versorgung verweigert
Ko Mya Aye ist in Myanmar wegen seiner pro-demokratischen Aktivitäten in Haft und benötigt wegen eines Herzleidens dringend medizinische Versorgung. Bislang haben die Behörden diese Versorgung nicht bereitgestellt. Er wird im Gefängnis von Taunggyi, der Hauptstadt des Bundesstaats Shan im Norden Myanmars, festgehalten. Dort befindet er sich sehr weit von ärztlicher Notfallversorgung und hunderte von Kilometern von seiner Familie entfernt.
Appell an
INNENMINISTER
Maung Oo
Ministry of Home Affairs
Office No. 10
Naypyitaw
MYANMAR
(korrekte Anrede: Dear Minister)
Fax: (00 95) 67 412 439
INFORMATIONSMINISTER
Brigadier-General Kyaw Hsan
Ministry of Information
Bldg. (7)
Naypyitaw
MYANMAR
(korrekte Anrede: Dear Minister)
AUSSENMINISTER
Nyan Win
Ministry of Foreign Affairs
Naypyitaw
MYANMAR
(korrekte Anrede: Dear Minister)
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER UNION MYANMAR
S.E. Herrn U Tin Win
Thielallee 19
14195 Berlin
Fax: 030-2061 5720
E-Mail: info@botschaft-myanmar.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Birmanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 16. Juni 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Appellieren Sie an die Behörden, sicherzustellen, dass Ko Mya Aye unverzüglich die notwendige medizinische Versorgung und Behandlung seiner gesundheitlichen Beschwerden erhält.
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Fordern Sie die Behörden auf, zu gewährleisten, dass Ko Mya Aye von einem Spezialisten untersucht wird und er regelmäßige Kontrolluntersuchungen für sein Herzleiden erhält.
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Dringen Sie auf die Verbesserung der Haftbedingungen für Ko Mya Aye, einschließlich Zugang zu Trinkwasser und angemessenen sanitären Einrichtungen.
- Fordern Sie die Behörden auf, Ko Mya Aye umgehend und bedingungslos freizulassen, nachdem ihm die dringend benötigte medizinische Behandlung zuteil geworden ist.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging the authorities to ensure that Ko Mya Aye is immediately given the necessary medical treatment and care for his health problems;
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Calling on the authorities to guarantee Ko Mya Aye access to close medical monitoring for his heart condition and for Ko Mya Aye to be seen by a heart specialist;
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Urging the authorities to improve the conditions in which he is held, including access to clean water and proper sanitation facilities;
- Calling on the authorities to release Ko Mya Aye unconditionally as soon as he has received the urgent medical treatment that he requires.
Sachlage
Einer verlässlichen Quelle zufolge scheint Ko Mya Aye, ein gewaltloser politischer Gefangener, an Angina zu leiden. Diese ernstzunehmende Herzerkrankung hat sich in den vergangenen Monaten noch verschlimmert. Er leidet außerdem an Bluthochdruck und Magenproblemen. Für keine dieser Beschwerden hat Ko Mya Aye bisher medizinische Behandlung erhalten.
Bis zum 9. April 2010 war Ko Mya Aye im Gefängnis von Loikaw im Bundesstaat Karenni im Osten Myanmars und damit weit von jeglicher ärztlicher Notfallversorgung festgehalten worden. Statt ihn jedoch in ein weniger entlegenes Gefängnis nahe einer Stadt zu verlegen, von wo aus er besseren Zugang zu einem staatlichen Krankenhaus und zu seiner Familie gehabt hätte, überstellten ihn die Behörden ins Gefängnis von Taunggyi. Ko Mya Ayes angeschlagener Gesundheitszustand wird durch die schlechten Haftbedingungen noch verschlimmert. Er muss sich eine Zelle mit zum Tode verurteilten Häftlingen teilen und darf die Zelle nur für den Toilettengang verlassen. In seiner Zelle gibt es keine Toilette und kein fließend Wasser. Ko Mya Aye wurde in der Vergangenheit zudem gefoltert.
Ko Mya Aye wurde am 22. August 2007 gemeinsam mit anderen Mitgliedern der pro-demokratischen Studierendengruppe "Generation 88" festgenommen. Sie hatten friedlich gegen steigende Benzinpreise demonstriert. In den darauf folgenden sechs Wochen brachen in ganz Myanmar Massendemonstrationen gegen die Regierung aus. Seit 1988 hatte es keine so starken Proteste gegen die Militärregierung mehr gegeben. Ko Mya Aye wurde in einem Gerichtsverfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu 65 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Er war zwischen 1989 und 1996 schon einmal im Gefängnis gewesen, infolge seiner Teilnahme an den pro-demokratischen Demonstrationen von 1988 als ein führendes Mitglied der Studierendengruppe.
Hintergrundinformation
Amnesty International ist schon seit langem besorgt über repressive Gesetze und Unterdrückungsmaßnahmen, die in Myanmar willkürlich zur Kriminalisierung von Personen angewendet werden, die friedlich ihre abweichende politische Meinung vertreten. Grundrechte wie freie Meinungsäußerung sowie Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit werden stark eingeschränkt. In Myanmar gibt es derzeit beinahe 2.200 politische Gefangene, das sind fast doppelt so viele wie vor den friedlichen regierungskritischen Demonstrationen vom August und September 2007. Viele der Demonstrierenden waren damals festgenommen und zu langen Haftstrafen verurteilt worden.
Politischen Gefangenen in Myanmar drohen Folter und andere Misshandlungen. Viele werden unter unzulänglichen Bedingungen festgehalten, die nicht den UN-Mindestgrundsätzen für die Behandlung von Gefangenen entsprechen. Auch der Zugang zu medizinischer Versorgung ist erheblich eingeschränkt, und oft tragen die Haftbedingungen zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Häftlinge bei. Aufgrund der schlechten Bedingungen und unzulänglichen medizinischen Versorgung in den Gefängnissen von Myanmar sind Häftlinge häufig auf Familienangehörige angewiesen, um ihnen Lebensmittel, Medikamente und Kleidung zukommen zu lassen. Viele politische Gefangene sind jedoch in abgelegene Gefängnisse überstellt worden, was Angehörigen den Besuch dieser Häftlinge erheblich erschwert. Viele Familienangehörige müssen für einen Gefängnisbesuch eine lange Reise – in manchen Fällen von bis zu neun Tagen – auf sich nehmen. Da Kontakte zwischen politischen Gefangenen und ihren Familien selten sind und es keine unabhängige Überwachung des Wohlbefindens der Häftlinge gibt, ist der Einzelne den harten Bedingungen im Gefängnis, die grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung gleichkommen, besonders schutzlos ausgeliefert. Das Internationale Rote Kreuz darf seit Ende 2005 keine Häftlinge in Myanmar mehr besuchen.