Migrant bedroht
Der Nicaraguaner Yasser Vilchez Grant Domingo zog sich im Süden Mexikos eine Verletzung am Fuß zu, als er illegal Mittelamerika durchreiste. Ärzte weigerten sich, ihn zu behandeln, da er ein Migrant war, und die Entzündung griff auf seinen gesamten Fuß und sein Bein über. Am 12. März 2009 wurde ihm das Bein unterhalb der Hüfte abgenommen. Er hat Beschwerde gegen die Ärzte eingereicht, ist daraufhin jedoch bedroht und aufgefordert worden, die Beschwerde nicht weiter zu verfolgen. Amnesty International geht davon aus, dass ihm Vergeltungsmaßnahmen drohen und befürchtet, dass er nach Nicaragua abgeschoben werden könnte, bevor sein Fall vollständig untersucht ist.
Appell an
GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES CHIAPAS
Lic. Juan José Sabines Guerrero
Gobernador del Estado de Chiapas
Palacio de Gobierno, 1º piso, Col. Centro,
C.29000, Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Governor/Señor Gobernador)
Fax: (00 52) 961 618 8050 (Durchwahl 21122)
E-Mail: juansabines@chiapas.gob.mx
JUSTIZMINISTER DES BUNDESSTAATES CHIAPAS
Lic. Amador Rodríguez Lozano
Ministro de Justicia del Estado de Chiapas
Libramiento Norte s/n, tercer nivel
Col. Infonavit "El Rosario", CP 29049
Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Minister/Señor Ministro)
Fax: (00 52) 961 61 657 24
E-Mail: arodriguez@mje.chiapas.gob.mx
VORSITZENDER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSKOMMISSION VON CHIAPAS
Lic. Juan Carlos Moreno Guillén
Comisión de los Derechos Humanos de Chiapas
Boulevard Comitán 143, Col. Moctezuma
Tuxtla Gutiérrez, Chiapas, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear President/Señor Presidente)
Fax: (00 52) 961 639 6615 (nimmt jemand ab, so sagen Sie bitte: "Me da tono de fax, por favor")
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S. E. Herrn Jorge Castro-Valle Kuehne
Klingelhöferstraße 3, 10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@embamexale.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. Mai 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.
PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN SPANISH OR YOUR OWN LANGUAGE:
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calling on the authorities to guarantee the safety of Yasser Vilchez Grant Domingo and to provide him with a temporary visa available to migrants who have filed complaints, as well as protection so he can testify against those responsible without fear of reprisals or repatriation;
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calling on them to order a full and prompt investigation into the 2 April attempt to intimidate Yasser Vilchez Grant Domingo into abandoning a legal complaint;
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asking them to ensure that Yasser Vilchez Grant Domingo has access to legal advice, consular officials and any medical attention he may require;
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calling on the authorities to order a full, prompt and impartial investigation into Yasser Vilchez Grant Domingo's complaints of discrimination and medical negligence, and to ensure those found responsible are sanctioned accordingly;
- calling on the authorities to ensure that all irregular migrants who are victims of crime are able to report the offences and assist in the investigation without fear of reprisal or deportation.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE
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die Behörden auffordern, die Sicherheit von Yasser Vilchez Grant Domingo zu gewährleisten und ihm ein befristetes Visum von der Art zur Verfügung zu stellen, wie sie für MigrantInnen angeboten werden, die eine Beschwerde eingereicht haben. Fordern Sie außerdem Schutzmaßnahmen für ihn, damit er ohne Angst vor Repressalien oder Rückführung gegen die Verantwortlichen aussagen kann;
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fordern, dass unverzüglich eine vollständige Untersuchung des Einschüchterungsversuchs vom 2. April 2009 gegenüber Yasser Vilchez Grant Domingo eingeleitet wird;
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die Behörden auffordern sicherzustellen, dass Yasser Vilchez Grant Domingo Zugang zu einem Rechtsbeistand, VertreterInnen seines Konsulates sowie jeglicher benötigter medizinischer Versorgung erhält;
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fordern, dass unverzüglich eine vollständige und unparteiische Untersuchung der von Yasser Vilchez Grant Domingo eingereichten Beschwerden über Diskriminierung und ärztliche Fahrlässigkeit eingeleitet wird, und dafür zu sorgen, dass die Verantwortlichen entsprechend zur Rechenschaft gezogen werden;
- von den Behörden die Zusicherung fordern, dass allen MigrantInnen ohne Papiere, die Opfer von Verbrechen werden, ermöglicht wird, Aussagen zu machen und zu den Ermittlungen beizutragen, ohne Angst vor Repressalien oder Abschiebung haben zu müssen.
Sachlage
Die mexikanischen Migrationsbehörden führten am 20. Februar 2009 in Arriagas im nördlichen Bundesstaat Chiapas eine Aktion durch, um Personen aus Mittelamerika daran zu hindern, diese Region im Versuch, in die USA zu gelangen, zu durchqueren. Ein Beamter verfolgte Yasser Vilchez. Er konnte fliehen, trat aber bei seiner Flucht auf einen Nagel und verletzte sich zwei Zehen. Zwei Tage lang hielt er sich in den Hügeln in der Umgebung versteckt. In dieser Zeit entzündete sich seine Verletzung, weshalb er sich zu Fuß auf den Weg in das Krankenhaus der Stadt Tapachula machte. Dafür benötigte er drei Tage: Er erreichte das Krankenhaus am 26. Februar.
Seinen eigenen Angaben zufolge sagte ein Arzt zu ihm: "Ich werde dich nicht behandeln, da du ein verfluchter Migrant bist und ich Migranten nicht ausstehen kann." Yasser Vilchez versuchte wiederholt und ohne Erfolg, in dem Krankenhaus behandelt zu werden. Die Entzündung ging nach und nach auf seinen gesamten Fuß über. Einmal hatte er so starke Schmerzen, dass er auf dem Krankenhausboden kriechend die Hosenbeine eines Arztes festhielt, um seine Aufmerksamkeit zu erhalten und ihn um Hilfe zu bitten. Er berichtete, dass der Arzt ihn daraufhin getreten habe.
Am 29. Februar fand Yasser Vilchez Grant Obdach in einer örtlichen Unterkunft für MigrantInnen. Er erklärte den dortigen Mitarbeitern seine Situation und diese erreichten schließlich, dass er im Krankenhaus von Tapachula behandelt wurde. Im Krankenhaus sagte ein Arzt zu ihm: "Da bist du ja wieder, du Hurensohn." Der Arzt teilte ihm daraufhin mit, dass sein gesamtes Bein amputiert werden müsse, da sich die Entzündung ausgebreitet hatte. Die Amputation wurde am 12. März durchgeführt.
Nach dem Eingriff kehrte Yasser Vilchez Grant zur Genesung zurück zur Unterkunft für MigrantInnen. Am 2. April suchte ihn ein Mann auf und sagte: "Sieh mal, selbst Ärzte machen Fehler." Er bot ihm eine große Summe Geld dafür an, wenn er keine Beschwerde einreichte. Yasser Vilchez Grant lehnte ab. Daraufhin drohte ihm der Mann, dass seine Entscheidung ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen würde.
Am 13. April erstattete Yasser Vilchez bei der Generalstaatsanwaltschaft von Chiapas (Procuraduría General de Justicia del Estado) gegen mehrere Ärzte eine Anzeige wegen Fahrlässigkeit. Er hofft auf die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens und hält sich derzeit versteckt.
Hintergrundinformation
Hunderttausende Menschen aus Mittel- und Südamerika versuchen jedes Jahr, über Mexiko in die USA zu gelangen. Viele werden von den mexikanischen Einwanderungsbehörden festgenommen und in ihre Herkunftsländer rückgeführt. Eine Delegation von Amnesty International reiste im Oktober 2008 nach Mexiko, um Berichten über Menschenrechtsverletzungen gegen diese Personen nachzugehen. Die Delegation fand heraus, dass viele MigrantInnen von Banden entführt werden, die zum Teil mit Angehörigen der lokalen Behörden zusammenarbeiten. Diese Banden und korrupte Beamte werden fast nie vor Gericht gestellt und diejenigen, die sie anzeigen, müssen mit Vergeltungsmaßnahmen und rascher Abschiebung rechnen. Viele MigrantInnen werden auf ihrem Weg nach Norden schwer verletzt, und oft wird über unangemessene medizinische Versorgung berichtet. Durch die Straflosigkeit haben die Menschenrechtsverletzungen gegen MigrantInnen seit etwa 2003 zugenommen, obwohl die mexikanische Regierung sich verpflichtet hat, die Achtung der Menschenrechte von MigrantInnen zu gewährleisten.